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Sonntag, 16. Juni 2019

Bruch, Max - Symphony No.3 - Suite on Russian Themes

Mehr Beachtung verdient


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schaut man auf die Programme großer Konzertveranstalter, so findet man zu beginn des 21. Jahrhunderts den Nahmen Bruch alleine schon höchst selten. Taucht er aber dann doch auf, so finden sich stets die selben Kompositionen: Das Violinkonzert in g-Moll, die Schottische Fantasie und das Kol Nidrei. Es ergibt sich ein Bild eines beinahe vergessenen Meisters.
Sicherlich ist diese Einschätzung mit einem Augenzwinkern zu verstehen, was aber in Erinnerung blieb eines seinerzeit weitaus erfolgreicheren Komponisten als Johannes Brahms und zudem hochgeschätzten Lehrer ? u.a. Ottorino Respighi ? ist nicht gerade berauschend. Wie gesagt: Seine Violinkonzerte. Aber wer erinnert sich an Melodien aus eine seiner Symphonien?

Das Hungarian State Symphony Orchestra unter Manfred Honeck hat neben der dritten Symphonie in E-Dur auch die Suite über russische Themen eingespielt. Diese Aufnahme ist 2002 beim Billig-Label Naxos erschienen. Das bedeutet aber nicht, dass hier keine Qualität zu erwarten ist! Die Aufnahme wurde bereits 1987 gemacht und erschien damals bei Marco Polo.
Wer bei einer Suite über russische Themen feurige Rhythmen, sehnsüchtige Melodien und Bilder einer endlosen Steppe wie bei Tschaikowsky, Rachmaninow, Mussorgskij, Strawinsky oder Prokofjew erwartet wird enttäuscht sein. Bruch, der zeitlebens viel gereist war und zumeist vor Ort seine Eindrücke sammeln konnte, hatte nie die Absicht, mit seiner Musik die Musik des jeweiligen Landes zu kopieren; das wird man auch nicht bei der schottischen Fantasie oder seinen Schwedischen Tänzen finden. Vielmehr nimmt er sich die künstlerische Freiheit, mit mitteleuropäischen Mitteln und russischen Melodien eine Komposition zu schaffen, die höchst gefällig ist. Die aus Balakirews ?Recueil de chants populaires russes? entnommenen Themen verarbeitet er in seiner überlegenen Art : Mit polyphonen Elementen versetzt, mit Modulationen bereichert und mit großer Fantasie Instrumentiert entwirft er so sein Bild von Russland. Dabei verwendet er eher untypisch russische Instrumente wie Englisch-Horn oder Harfe.

Und dennoch muss der Hörer nicht auf typisch russische Momente verzichten: Er findet einen tänzerischen zweiten Satz, einen Trauermarsch, in dem man manchmal die tiefe russische Seele zu hören glaubt, und ein rhythmisches Finale.
Auch wenn man Bruch nicht wie einen russischen Meister spielen darf so würde man sich manchmal mehr Energie bei dieser Interpretation wünschen! Die langsamen Passagen werden sehr sorgfältig umgesetzt; doch an den wenigen Stellen, an denen es tatsächlich russisch klingen darf hält Honeck seine Musiker leider etwas zurück.

Ganz im Gegensatz zur E-Dur Symphonie! 1883 in New York unter der Anwesenheit des Komponisten uraufgeführt, ist sie ?ein Werk des Lebens und der Freude? (Bruch an Spitta). Sie ist das Ergebnis aus der Arbeit eines reifen Komponisten mit Skizzen eines Jüngling; Bruch zufolge basiert das Werk auf Notizen aus seiner Jugendzeit. Diese Komposition ? entstanden in der Zeit der Diskussionen zwischen den Neudeutschen Komponisten um Liszt und Wagner und den traditionellen Komponisten um Brahms ? hat einen schweren Stand gehabt! Ein Teil bedeutender Komponisten sah die Gattung Symphonie mit Beethoven abgeschlossen. Andere brachen zu neuen Ufern auf. Eines war jedoch sicher: Einen einheitliche Meinung zur Symphonie an sich gab es nicht mehr. Und somit war eine entsprechende Rezeption vorprogrammiert. Dennoch fand Bruch in Henschel, von Bülow und Joachim Dirigenten von Bedeutung, die sich seines Werkes zu Recht annahmen.
Leider ist heute aus der zweiten Hälfte kaum mehr in Erinnerung als die Debatte um die Symphonien Brahms und Bruckners (Das gilt nur für den deutschsprachigen Raum!). Hört man jedoch in die Interpretation Honecks rein, so kommt man zu den Entschluss, dass man sich zu Unrecht auf die Symphonien der beiden großen Meister beschränkt.

Max Bruchs E-Dur Symphonie wird hier in alle seinen Facetten vorgestellt! Und endlich ist auch die anfängliche Zurückhaltung des Orchesters verschwunden. Die vielen kleinen, scheinbar belanglosen Einfälle des Komponisten werden plastisch dargestellt; das Scherzo sprüht voll tänzerischen Frohsinns; Das Adagio erklingt elegisch, manchmal melancholisch. Der erste Satz, klassisch mit einer langsamen Einleitung, könnte an der einen oder anderen Stelle noch etwas mehr Energie versprühen; jedoch die schnelle Bildfolge ? vom Komponisten so gewollt und somit zuweilen an Brahms erinnernd ? ist derart gelungen gestaltet, dass man bei Hören nie das Bewusstsein für die Form des Satzes verliert. Dem Finalsatz gewinnt das Orchester die vielleicht schönste Melodie des ganzen Werkes bravourös ab; Dennoch kann das Orchester nicht ganz den formalen Gegenpol zum Kopfsatz bilden.
Trotz mancher interpretatorischer Schwächen zeigt diese Aufnahme auf erfreulich hohem Niveau, dass die Werke Max Bruchs größere Beachtung verdienen. Zudem eröffnet sich der Wunsch, weitere Werke ?neben den allzu bekannten ? von ihm auf Tonträgern zu finden!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Florian Karl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruch, Max: Symphony No.3 - Suite on Russian Themes

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
05.08.2002
59:09
1987
2002
EAN:
BestellNr.:
0747313598526
8.555985

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Bruch, Max


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Dirigent(en):Honeck, Manfred
Orchester/Ensemble:Hungarian State Orchestra


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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