> > > Debussy, Claude: Hommage à Debussy, Werke für Klavier Vol. 1
Samstag, 21. September 2019

Debussy, Claude - Hommage à Debussy, Werke für Klavier Vol. 1

Hochkarätig


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die erste Folge der bei Genuin erscheinenden Reihe sämtlicher Klavierwerke Claude Debussys kündigt einen überzeugenden Zyklus an. Julia Steinbachs fein schattierter Vortrag ist sehr ansprechend.

2012 sei das ‚Jahr der Außenseiter‘, war im Januar in einer deutschen Tageszeitung zu lesen. Von wegen: Claude Debussys (1862−1918) diesjähriges Jubiläum ist vielleicht nicht ganz so rund wie etwa das Chopins im letzten Jahr. Ein Außenseiter ist er aber gewiss nicht. Debussy zählt mit zu den verantwortlichen Baumeistern der Brücke, die die Musik des 19. Jahrhunderts mit der Moderne verbindet. Und natürlich ist sein 150. Geburtstag Grund genug, sich seiner bzw. seiner Musik zu erinnern. Das Leipziger Label Genuin tut dies mit der Reihe ‚Hommage à Debussy‘, die sämtliche Werke für Klavier von Claude Debussy beinhalten wird. Für die vier Teile konnten vier junge Pianisten unterschiedlicher Nationen gewonnen werden. Den Auftakt machte die brasilianisch-französische Künstlerin Juliana Steinbach.

Eine besondere Qualität verleiht den Aufnahmen die Verwendung eines modifizierten Blüthner-Instrumentes. Es handelt sich um einen modernen Konzertflügel, der ‚in seinem Toncharakter dem Original [Debussys] so gut wie möglich‘ angepasst wurde. Er weist klanglich etwas mehr Härte und weniger Sättigung auf als man von neuen Instrumenten gewohnt ist. Die Stücke werden damit historisch eingefärbt. Das große Booklet der ganzen Kollektion liefert darüber – offensichtlich auch aus Werbezwecken der Firma Blüthner − zahlreiche Informationen.

Mit dem Repertoire der ersten CD werden ganz unterschiedliche Stationen Debussys Œuvre vorgestellt: Die 'Valse romantique' und die 'Mazurka' (1890/91) verweisen, wie die Titel bereits zu erkennen geben, auf die erste Hälfte des vorvergangenen Jahrhunderts. Musikalisch macht sich dies bemerkbar durch die Nähe zu Chopin und den damit verbundenen romantischen Gestus mit einigem Rubato, charakteristischer Harmonik und einem sich immer wieder aufbäumendem Satz – alles weitgehend im Rahmen der klassischen Mittel. In den zwei 'Images'-Serien (1905 und 1907) scheinen traditionelle Formelemente überwunden zu sein: Die Musik gestaltet in den Sätzen bestimmte Bilder aus und lässt sich, losgelöst von den herkömmlichen Regeln, auf die damit verbundenen Eindrücke und Stimmungen ein. Dazwischen liegt eine Mischung aus Alt und Neu, wie in der Suite 'Pour le piano' (1896−1901). Mit den drei Sätzen Prélude, Sarabande und Toccata werden etablierte Satzbezeichnungen aufgegriffen und durch den unkonventionellen Stil für seine Zeit aktualisiert.

Juliana Steinbachs (* 1979) Spiel besticht durch ein großes dynamisches Spektrum und einen beredten Umgang damit. So wird im dritten Satz der 'Suite bergamasque' (1890) 'Clair de lune' allein durch das brillante Piano atmosphärische Intimität erzeugt. Steinbach verliert sich aber nicht in fragilen Klangschatten, sondern – und das muss bei Debussy hochgehalten werden – greift auch mal ordentlich in die Tasten. Nur so kommt das 'Prélude' der Suite in angemessener Breite zur Geltung und erfüllt den Kontrast zu den leisen Passagen. Es bereitet Freude, den pochenden Puls innerhalb einiger Sätze mitzuverfolgen, z. B. in den metrisch strengen 'Toccata' oder 'Mouvement'. Das durchweg sicher angepasste Tempo wirkt sich jedoch auch gelegentlich zu Lasten des übergeordneten dramaturgischen Zusammenhalts aus. Eine insgesamt hochkarätige Einführung in die Klavierwerke Debussys, die viel mehr Geschick in der Umsetzung des Ausdrucks als technisches Können fordern.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Sophia Gustorff Kritik von Sophia Gustorff,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Debussy, Claude: Hommage à Debussy, Werke für Klavier Vol. 1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
24.02.2012
Medium:
EAN:

CD
4260036252262


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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