> > > Bach, Carl Philipp Emanuel: Oboenkonzerte Wq 164 & 165
Montag, 9. Dezember 2019

Bach, Carl Philipp Emanuel - Oboenkonzerte Wq 164 & 165

Musik vom Hofe Friedrich II. von Preußen


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vorliegende Einspielung von Werken C. P. E. Bachs ist schon einige Jahre alt. Sie betont eher das Galante, anstatt die zahlreichen Brüche der Musik zu akzentuieren. Indiskutabel ist leider das Booklet.

Die Oboenkonzerte Carl Philipp Emanuel Bachs entstanden ursprünglich in Berlin als Cembalokonzerte, doch arbeitete der Komponist die Werke selbst für das Blasinstrument um. Auf diese Weise entstanden zwei wichtige Stücke des Oboenrepertoires, die den Ausdrucksgehalt des barocken und frühklassischen Oboenspiels in beispielhafter Qualität verkörpern. Das Konzert in Es-Dur Wq 165 und das Konzert in B-Dur Wq 164 sind die einzigen Konzerte, die Bach für die Oboe geschaffen hat. Im Zentrum seines musikalischen Interesses stand besonders das Cembalo, für das er eine große Anzahl an Sonaten schrieb, die bei seinen Zeitgenossen sehr beliebt waren. Seine Sinfonien wurden in Berlin nicht so geschätzt, weshalb nur fünf von ihnen zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden. Erst nach seinem Wechsel nach Hamburg konnte Bach sich dem sinfonischen Schaffen etwas intensiver widmen, weshalb er in nur drei Jahren zehn Werke dieser Gattung schrieb. Die auf dieser CD erklingende Sinfonie Nr. 5 Wq 177 entstand aber während Bachs Berliner Zeit, im Jahr 1756. Ganz den Konventionen der Zeit entsprechend ist sie nur dreisätzig, da Haydn erst sehr viel später anfing, als dritten Satz ein Menuett einzufügen. Bachs Werk folgt hingegen dem Schema schnell – langsam –schnell und ist geprägt von schnellen, überraschenden Wechseln und Brüchen.

Die vorliegende Einspielung der drei Bach-Kompositionen entstand schon im Jahr 1996 durch den belgischen Oboisten Paul Dombrecht und sein Barockensemble Il Fondamento. Ihr Interpretationsansatz ist entsprechend dem Alter der Aufnahmen auch nicht ganz so pointiert und scharf wie aktuelle Bach-Einspielungen. Statt die unkonventionellen Brüche der Werke in den Vordergrund zu stellen und somit die kompositorische Eigenart des Bachschen Stils herauszuarbeiten, konzentrieren sich Dombrecht und sein Ensemble auf die galanten Seiten der Musik, die sich in eleganten Wendungen und tänzerischem Schwung zeigen. Die Tempi sind in den schnellen Sätzen entsprechend belebt gewählt. Da Dombrecht aber gleichzeitig die Streicher klanglich eher breit agieren lässt, wirkt die Musik vielfach etwas stumpf und eigenartig geglättet. Dies wird besonders in der Sinfonie in e-Moll deutlich, deren musikalischer Ausdruck recht gleichförmig ist. Die beiden Oboenkonzerte profitieren hingegen von Domrechts elegantem Oboenton, den er gekonnt in Szene zu setzen versteht.

Schwerwiegende Kritik muss sich das schlecht konzipierte Booklet gefallen lassen. Es gibt zwar eine deutsche Übersetzung des Einleitungstexts, doch ist dieser grammatikalisch und sprachlich so schlecht geraten, dass man in jedem Satz über erstaunliche Fehler stolpert. Man versteht zwar, was die Autorin über Bach und seine Musik mitteilen möchte, doch es ist wahrlich kein Vergnügen, das zu lesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Carl Philipp Emanuel: Oboenkonzerte Wq 164 & 165

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Passacaille
1
01.02.2012
Medium:
EAN:

CD
5425004849823


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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