> > > Beethoven, Ludwig van: Sinfonien Nr. 1-9
Mittwoch, 2. Dezember 2020

Beethoven, Ludwig van - Sinfonien Nr. 1-9

Gewichtiges Bündel


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Durchaus eine Referenzeinspielung: Philippe Herreweghe leitet sämtliche Symphonien Beethovens.

Philippe Herreweghe zählt zu den eingesessenen Protagonisten der historisch informierten Aufführungspraxis. Fast ist man versucht zu sagen: Er zählt bereits zu deren Urgesteinen. In jedem Falle und ohne jenen leichten Vorbehalt ist sein Collegium Vocale Gent einer der Felsen, auf die die Bewegung der Alten Musik ihre Kirchenmusik gebaut hat; die berühmten Interpretationen der Bach’schen Kantaten sind dessen nur zu deutlicher Ausdruck. Mit dem Royal Flemish Philharmonic, der Herreweghe seit 1999 in leitender Position vorsteht, ist nun eine Sammlung sämtlicher neun Symphonien von Ludwig van Beethoven erschienen. Die über einen recht weiten Zeitraum hinweg entstandenen Aufnahmen (2004-2009) sind bereits teilweise in Einzelteilen erschienen. Wie verstreute Ländereien sind die neun Symphonien nun zu einem Erbe auf fünf CDs gebündelt.

Sowohl der breite Repertoirefächer, über den Dirigent und Orchester verfügen, als auch Herreweghes intensive Schwerpunktsetzung in der ‚alten‘, zumindest aber vorromantischen Musik erweisen sich als Motor einer individualisierten und verständnisvollen Lesart dieses künstlerischen Höhenkamms. Aber nicht nur aus der Perspektive von Herreweghes Kernrepertoire erscheint Beethoven hier als moderne Musik. Für die neun Beethovensymphonien als Ganzes braucht man freilich mehr als ein Orchester. Neben der Royal Flemish Philharmonic entfesselt Herreweghe so in der Neunten auch die Fähigkeiten seines Collegium Vocale Gent und der Accademia Chigiana Siena, zudem sind die Solisten Christiane Oelze (Sopran), Ingeborg Danz (Mezzosopran), Christoph Strehl (Tenor) und David Wilson-Johnson (Bass-Bariton) zu hören.

Die Interpretation dieser sämtlich fähigen Musiker zeigt eine Einlässlichkeit im Moment, die an Detailversessenheit grenzen würde, wären da nicht auch die großen Spannungsbögen, die sich durch die großflächigen Tableaux der Symphonien ziehen. Durch den Kopfsatz der Fünften etwa jagen Schauer körnigen Eises. Unnachgiebig und ohne alle Gefühligkeit schreitet der dritte Satz voran und wendet das wie mit Herbst durchsetzte, grüblerische Sinnen des zweiten langsam in einen Aktionsradius des Äußeren. Ebenso bringt er die Wendung, den Knackpunkt, an dem offenbar wird, dass ein Werk, das den schweren Titel des Schicksals auf seinen Schultern trägt, nicht tragisch enden muss, nur weil es tragisch begann. Die Aura eines Sieges in, durch und vielleicht auch gegen das Schicksal bereitet sich langsam vor: Es kommt zur Blüte, nicht zum Ausbruch. Plötzlich ist da der vierte Satz und öffnet einen Rundblick von Intensität und Weite. Und wie viele Bilder könnte man nicht über dem Höreindruck der Neunten ausbrüten! Aber natürlich sind diese Interpretationen, wie es auf dem Titelblatt der Partitur der ‚Pastorale‘ heißt, ‚Mehr Ausdruck der Empfindung(en) als Malerei‘.

Was aber diese Gesamteinspielung so empfehlenswert als Referenzaufnahme macht, ist nicht nur ihre Intensität und Bildkraft, sondern gerade ihre Transparenz und Sorgfalt. Auch die Mittelstimmen kommen zu ihrem Recht und ihrer Deutlichkeit, die Schichtung dieser monumentalen Gebilde wird sichtbar wie am Abbruch eines Gebirges, das der beethovenschen Kraftgenius entzwei gespalten hat. Das ausgewogene Klangbild der SACD spielt diesen interpretatorischen Leistungen aufs Beste in die Hände.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonien Nr. 1-9

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
5
18.11.2011
Medium:
EAN:

SACD
827949031267


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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