> > > Chopin, Frédéric: Balladen Nr. 1 - 4
Samstag, 20. Juli 2019

Chopin, Frédéric - Balladen Nr. 1 - 4

Altbewährtes von Chopin in runder Neuinterpretation


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Amir Katz setzt die Einspielung von Werken Chopins fort. Nach den 21 Nocturnes legt er mit einer annehmlich runden Interpretation der Balladen und Impromptus nach.

Um aus der Interpretationsgeschichte und dem diskographischen Umfeld herauszuragen, müsste man diesen Stücken wahrlich ungeahnte Dimensionen entlocken. Ob das bei den Balladen und Impromptus Frédéric Chopins überhaupt möglich ist, muss noch bewiesen werden. Mit der Interpretation von Amir Katz stellt sich die Frage, ob das überhaupt nötig ist. Der Pianist gibt in seiner Darbietung ein geschmeidiges, abgerundetes Bild der Chopin‘schen ‚Gassenhauer‘ ab.

Der in Israel geborene Amir Katz (geboren 1973) hat sich auf das Repertoire der Romantiker von Schubert über Mendelssohn bis hin zu Chopin spezialisiert. Erst im letzten Jahr erschien eine Einspielung der 21 Nocturnes von Chopin bei Oehms Classic. Katz ist bekannt dafür, die Stücke, die er spielt, akribisch zu hinterfragen. Die Intentionen des Komponisten, die analytische Auslegung und die subjektive Erfahrung eines Stücks versucht er in seinem Vortrag zu vereinen. In einem Interview im Rahmen der Veröffentlichung der Nocturnes gab er an, die Stücke als Zyklus zu begreifen. Auch die Interpretation seiner neusten CD spricht für diesen Gedanken. Wenngleich die Auffassung als Zyklus als Eigensinnigkeit des Interpreten und nicht des Komponisten zu verstehen ist, trägt sie doch zur Annehmlichkeit des Spiels bei.

Viele Züge der Balladen und Impromptus haben sich in unseren Ohren durch Hörerfahrungen verfestigt. Katz gelingt es, durch die Verklammerung der Stücke eine übergreifende Spannung zu entwickeln, die ein Durchhören der gesamten Aufnahme genüsslich macht. Die zweite Ballade, mit 'Andantino' überschrieben, tritt so sanft ein wie ein langsamer zweiter Satz im Anschluss an den krachenden Eingriff am Ende der Ballade Nr. 1, wie ein Seufzer nach einem Schnappatem. Insgesamt verliert sich die Gestaltung nie in unnötigen, schmachtenden Aufenthalten, sondern geht fließend voran. Technische Anstrengungen sind durch die Stabilität im Tempo kaschiert. Im Kontrast zur oft sich wiederholenden, einfachen Melodie wünscht man sich, öfter die gegenläufigen Mittelstimmen herauszuhören, um nicht den Glaube an die Vielschichtigkeit der Werke zu verlieren. Der Klang, den Katz‘ Anschlag bewirkt, ist bestimmt von den zwei Extremen der Empfindung, die besonders den Balladen innewohnen: energische Härte zum einen, sanfte Milde zum anderen. Insbesondere in den lyrischen Passagen und kleinfigürlichen Auszierungen passt der filigrane Ton gut.

Trotz des fein gearbeiteten und sinnfälligen Vortrags ist spätestens im dritten Impromptu ein Punkt erreicht, wo sich die bekannten Züge verselbstständigen und der individuellen Note zur Gefahr werden. Man ist wieder an den vorab gestellten Fragen angelangt, bemerkt, dass man sich selbst im Kreis dreht, wie auch die Musiker, die immer wieder auf dieselben Werke zurückgreifen, und stellt fest, dass eine gewisse Konstanz, solange sie nicht bloße Nachahmung ist, nicht schaden kann. Amir Katz‘ Bemühung, Altbewährtes zu würdigen, wird auch in der Widmung der Platte offenbar. Sie gilt seinem Freund und Partner, dem Sänger Pavol Breslik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Sophia Gustorff Kritik von Sophia Gustorff,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chopin, Frédéric: Balladen Nr. 1 - 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
13.02.2012
Medium:
EAN:

CD
4260034864023


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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