> > > Justin Heinrich Knecht: Grande Symphonie: Orchesterwerke & Arien
Donnerstag, 29. September 2022

Justin Heinrich Knecht: Grande Symphonie - Orchesterwerke & Arien

Musikgeschichtlich interessant


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Justin Heinrich Knechts Musik ist nicht unbedingt originell, aber unterhaltsam. Allerdings hätte man mit etwas mehr Engagement zu Werke gehen dürfen.

Der erste Eindruck der Musik von Justin Heinrich Knecht bestätigt seine Einordnung als ‚Kleinmeister‘. Denn wirklich viel Neues oder Bahnbrechendes scheint dieser Komponist nicht zu sagen zu haben. Doch bei näherer Betrachtung könnte doch mehr an diesem Zeitgenossen Mozarts und Beethovens zu finden sein. Sein 'Portrait musical de la Nature ou Grande Symphonie' wird im Booklet zur vorliegenden Aufnahme als Vorläufer von Beethovens ‚Pastorale‘ bezeichnet. In Bezug auf die Gattungsgeschichte der charakteristischen Musik mag dies richtig sein – klanglich scheint es allerdings etwas hoch gegriffen. Die Tatsache, dass Knecht seiner Sinfonie aber ein ausführliches Programm zugrunde gelegt hat, lässt aufhorchen.

In fünf (!) Sätzen lässt er eine ‚schöne Landschaft‘ mit ‚Bächlein‘ und ‚springenden Schafen‘ vor dem inneren Auge entstehen. Dann folgt eine Verdüsterung der Szene, Wolken und ein Gewitter ziehen auf, was sich dann im dritten Satz entlädt. Allmählich beruhigt sich die Natur wieder und hinterlässt ‚volle Freude‘. Der süßlichen Beschreibung ist die komponierte Musik angemessen. Mit einem Beethoven kann sie sich jedoch nicht vergleichen, so fortschrittlich die Intention von Justin Heinrich Knecht auch ist. Und spätestens wenn der Hörer in der Ouvertüre zu 'Die Aeolsharfe oder Der Triumph der Musik und Liebe' Mozarts 'Entführung aus dem Serail' erkennt, ist der Eindruck bestätigt, dass es sich bei Knecht weniger um einen Vorreiter als um einen Nachfolger handelt.

Mehr Mut

Neben einer weiteren Ouvertüre erklingen auf dieser bei Carus veröffentlichten Aufnahme außerdem drei Arien aus der komischen Oper 'Der Schulz im Dorfe oder Der verliebte Herr Doctor' und eine 'Bravour-Aria zur Musikalischen Szene auf des Königs Geburts- (oder auch Namens-)fest gehörig'. Die Hofkapelle Stuttgart musiziert unter der Leitung von Frieder Bernius. Es ergibt sich ein feiner, gefälliger Klang. Bernius führt seine Musiker sicher, aber unspektakulär durch die Partitur. Die Sopranistin Sarah Wegener ist mit ihrer leuchtenden Stimme, ihrem hellen, glockenklaren Timbre ein kleines Juwel inmitten der Musiker, jedoch erhalten die Arien durch ihre Interpretation auch nicht mehr Gehalt.

Bei den meisten der erklingenden Werke handelt es sich um Ersteinspielungen. Wie auch im informativen Booklettext beschrieben, ist die Beschäftigung mit dem Komponisten und damit eine solche CD-Veröffentlichung musikgeschichtlich äußerst interessant. Jedoch muss ehrlicherweise hinzugefügt werden, dass die Musikwelt auch in Zukunft ohne das Werk von Justin Heinrich Knecht auskommen kann. Weitere Aufnahmen würde man sich aber etwas mutiger musiziert wünschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Justin Heinrich Knecht: Grande Symphonie: Orchesterwerke & Arien

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.01.2012
047:045
2011
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350832282
8322800


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"Frieder Bernius versteht es wie kein anderer, weniger bekannten Komponisten abseits der großen musikalischen Metropolen wieder mehr Aufmerksamkeit und Gehör zu verschaffen. Nach der viel beachteten Einspielung der Oper Die Aeolsharfe (2009) von Justin Heinrich Knecht (1752 - 1817) widmet er sich nun ein weiteres Mal diesem vergessenen Komponisten der Mozartzeit. Zu hören sind Orchesterwerke und Arien, die belegen, dass Knecht im schwäbischen Biberach und später in Stuttgart von den musikalischen Entwicklungen in den Metropolen weder vollkommen abgeschnitten war, noch ihnen etwa indifferent gegenüberstand, sondern sie kreativ auch mit eigenen Ansätzen und Lösungen bereicherte. Knechts Grande Symphonie wird immer wieder als wichtiger Vorläufer von Beethovens Pastorale gennant. Da das Werk aber heute fast gänzlich unbekannt ist, schließt die vorliegende CD eine echte Lücke."


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Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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