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Dienstag, 27. Juni 2017

Zuccari, Francesco Maria - Cellosonaten

Aus den Tiefen der Archive


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Historisch einschlägig, aber nicht sinnlich durchschlagend: sechs Cellosonaten von Francesco Maria Zuccari.

Die Sonaten für Cello und Continuo von Francesco Maria Zuccari (1694-1788) sind etwas für Enthusiasten des Repertoires und des Soloinstrumentes, denn es ist fraglich, wie groß der Verlust ist, sie nicht zu kennen. Zuccari war als Organist und Chorleiter in Assisi, Padua und Rom tätig, und schuf eine Reihe von Werken für das Cello, darunter auch Etüden, die sich durch hohen technischen Anspruch ausweisen. Die zehn Sonaten, die erst von der jüngsten Forschung ausgegraben, eingerichtet und Zuccari zugeschrieben worden sind, zeigen einen sensiblen Kammermusiker, gediegene melodische Erfindungsgabe, aber ebenso vermittelt sich wenig Erregung und Dringlichkeit. Dass die nun vom Ensemble Musica Perduta mit dem Cellisten Renato Criscuolo vorgelegte Einspielung von sechs Sonaten Zuccaris hauptsächlich antiquarischen Ansprüchen entgegenkommt und hauptsächlich jene Entdeckerfreude hervorrufen wird, die allein aus Sammelleidenschaft entspringt, liegt nun aber daran, dass auch die Interpretation der Werke wenig Erregung vermittelt. So sehr es zu begrüßen ist, dass eingespielt wird, was noch nie eingespielt worden ist, so sehr wird man auch in solchem Falle fordern dürfen, dass die Instrumentalisten Dringlichkeit zu Gehör bringen.

Denn das Ensemble übt, so scheint es, die Zurückhaltung zu sehr. Die Behutsamkeit gegenüber den Werken, die die Musiker auf dem langen Weg aus den tiefen der Archive bis auf den Tonträger begleitet haben, ist so verständlich wie er die Ohren unbefriedigt lässt. Gewiss entstehen aus dieser Zurückhaltung, das sei auf keinen Fall verschwiegen, auch schöne, zarte Momente, deren Fragilität umso berührender gerät, als diese Musik nie ein Aufheben um sich macht. Das aber bleibt episodisch, vorübergehend.

Etwas enttäuschend fällt der spröde, brüchige Klang des Cellos aus, eine Kopie nach Stradivari aus dem Jahr 2003. Zwar wird die harsche Kraft des barocken Klangbildes nachdrücklich entfaltet, aber dem Ton fehlt es an Glanz. Auch was die Beweglichkeit und Phantasie der Gestaltung angeht, hätte man weiter gehen können. Criscuolo vermag die Passagen nicht da durch Raffinesse zu steigern, wo sie konventionell geschrieben sind, aber auch aus manch raffinierter Melodik geht die Sinnlichkeit des Sangbaren zu wenig hervor. Das Klangbild der Continuogruppe (Luca Marzetti, Michele Carreca und Alberto Bagnai) hingegen ist ausgewogen und souverän musiziert.

Man verstehe die Mäkelei nicht falsch. Es handelt sich bei der Musica Perduta um stilsichere und zweifellos verdienstvolle Musiker. Und auch die Sonaten von Zuccari sind schön. Was allerdings nicht gelingt, ist die Entfaltung einer mitreißenden Entdeckung. Es mangelt sicherlich nicht an Begeisterung, eher schon an Begeisterungsfähigkeit, die den Hörer infiziert und einnimmt. Wer sich also um einen möglichst lückenlosen Überblick über das italienische Barockrepertoire für das Cello, darüber hinaus in ambitioniertem Originalklang, verschaffen möchte, hat an dieser Einspielung einen Schatz. Ansonsten kann man in diesem Falle tatsächlich einmal auf das Sieb der Zeit vertrauen, das uns auf Vivaldi verweist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Zuccari, Francesco Maria: Cellosonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
01.01.2012
EAN:

5028421943060


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