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Donnerstag, 3. Dezember 2020

Buxtehude, Dieterich - Sämtliche Cembalowerke

Gelungene Gesamteinspielung


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Cembalist Simone Stella legt eine überzeugende und musikalisch abwechslungsreiche Gesamtaufnahme von Dieterich Buxtehudes Schaffen für Cembalo vor.

Während Dieterich Buxtehudes Orgelwerke sich längst der allgemeinen Verbreitung erfreuen und in einer ganzen Reihe bedeutender Gesamteinspielungen vorliegen, ist das Œuvre für Cembalo bislang – von Ausnahmen wie Ton Koopmans Annäherung im Rahmen der ‚Opera Omnia‘ einmal abgesehen – doch eher im Hintergrund geblieben. Produktionen wie die vorliegende Neuaufnahme sämtlicher Cembalowerke durch den italienischen Cembalisten Simone Stella sind daher grundsätzlich begrüßenswert, zumal die Veröffentlichung von Brilliant Classics auch ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen kann. Begleitet von einer ordentlichen, leider wieder einmal nur in englischer Sprache vorliegenden Einführung in diesen Bereich von Buxtehudes Schaffen, weisen die vier CDs mit einer Spieldauer von über viereinhalb Stunden eine ausgewogene Mischung der vom Komponisten bedienten Gattungen – nämlich einerseits Suiten mit stilisierten Tanzsätzen, andererseits Variationswerke unterschiedlichen Umfangs – auf, wodurch dafür gesorgt wird, dass jede Scheibe in sich relativ abwechslungsreich ist.

Was Stella auf dem klanglich facettenreichen Nachbau eines Cembalos von Johannes Ruckers (Antwerpen 1638) darbietet, kann sich auf jeden Fall hören lassen: Die langsamen Sätze der Suiten im sogenannten ‚Stylus phantasticus‘ werden kunstvoll interpretiert, in einzelnen Fällen wie der Sarabande I aus der Suite e-Moll BuxWV 237 oder den Allemandes aus den Suiten g-Moll BuxWV 242 und – hier besonders schön aufgrund der zurückhaltend zarten Registrierung – e-Moll BuxWV 235 wirkt der Vortrag geradezu deklamiert und verdeutlicht eine auf die melodischen Spannungen und Entspannungen hin gerichtete Lektüre des Notentextes, wodurch der Musik trotz vieler agogischer Verzögerungen und Schwankungen ein organischer Fluss zuwächst. In den affektreicheren Molltonarten übernimmt Stella diese Vortragsweise vielfach auch in die raschen Sätze, deren Tempi er dann etwas zügelt, so dass seine Courantes und Gigues dieser Interpretationsart angepasst werden.

Diese Art der Wiedergabe findet in jenen Stücken ihren Höhepunkt, die eigentlich aus dem Orgelrepertoire stammen (BuxWV 163, 165, 166, 168 und 179), die Stella jedoch ganz folgerichtig in seine Gesamteinspielung integriert hat, da sie ‚manualiter‘, also allein mit zwei Händen und ohne Gebrauch des Pedals, ausführbar sind und zudem idiomatische Eigentümlichkeiten der Cembalomusik aufweisen. So überzeugt beispielsweise die Wiedergabe des ausgedehnten Praeludiums g-Moll BuxWV 163 durch die Herausarbeitung der kontrastierenden Charaktere in den einzelnen Abschnitten, wobei der ‚sprechende‘ Charakter ein Gegengewicht zu den fugierten Passagen bildet, wie der Cembalist beispielsweise auch in der Toccata G-Dur BWV 165 einem virtuosen, stellenweise improvisatorisch wirkenden Anfangsteil die strenge einer – allerdings agogisch subtil aufgelockerten – Fuge entgegenstellt.

Ansprechend ist auch Stellas Zugang zu den Variationswerken: Besonders schön arbeitet er etwa den Moment der Aufhellung von Moll nach Dur in den Variationen zur Aria 'Rofilis' d-Moll BuxWV 248 heraus. Gelungen sind zudem die Variationen zur Aria 'More Palatino' C-Dur BuxWV 247, deren vorwiegend heiteren Tonfall der Cembalist durch seine wechselnden Registrierungen unterstützt, so dass der zwölfteilige Zyklus – wie auch die Variationen über die Aria C-Dur BuxWV 246, in deren 'Variatio 9' er den Eindruck eines Fantasierens aus dem Stehgreif erweckt – insgesamt sehr abwechslungsreich wirkt. Stellas Gefühl für den dramaturgischen Aufbau von Variationen kommt schließlich auch im umfangreichsten Zyklus dieser Art, den 'Partite diverse sopra una aria d’Inventione' G-Dur BuxW 250, zum Ausdruck, wo er die einzelnen, kaum je mehr als einminütigen Teile über die Aria 'La Capricciosa' zu überraschend vielseitig wirkenden musikalischen Szenen formt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Buxtehude, Dieterich: Sämtliche Cembalowerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
30.12.2011
Medium:
EAN:

CD
5028421943121


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Brilliant classics

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Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


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