> > > Vivaldi, Antonio: L´Estro Armonico Op.3, Volume II
Donnerstag, 22. Oktober 2020

Vivaldi, Antonio - L´Estro Armonico Op.3, Volume II

Ein Stück venezianischer Lebensfreude


Label/Verlag: Arts music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‘L´estro armonico’

Hört man den Namen Vivaldi ist man geneigt, zunächst an ‘Die vier Jahreszeiten’ zu denken. Wer einmal vor der Gesamtausgabe des Komponisten gestanden und gesehen hat, wie sich Buchrücken an Buchrücken reiht, dem wird klar, dass dieses Meisterwerk nur einen kleinen Teil im Gesamtschaffen des ‘prete Rosso’ einnimmt.
Aus diesem reichhaltigem Werk stellt ‘L´estro armonico’ einen sehr interessanten Zyklus aus zwölf Konzerten dar. Die zwölf Konzerte lassen sich in vier Gruppen unterteilen, von denen jede drei umfasst. Je eines für vier Violinen, eines für zwei und für eine Einzelne. In einem 1997 in Italien von Francesce Malipiero herausgegebenem Notendruck steht im Vorwort zu lesen: ‘Antonio Vivaldi stellte sich seinen Zeitgenossen mit zwei Werken von farbloser Herkömmlichkeit vor’. Gemeint sind damit seine zwölf ‘Sonate a tre’ op.I, sowie seine 12 ‘Sonate’ für Violine und Bass op.2 . ‘Wenige Jahre später jedoch, mit dem Erscheinen der 12 Concerti op.III ..... trat das ganze Ausmaß der eigenständigen und kraftvollen Persönlichkeit des venezianischen Komponisten zutage’. Bezeichnenderweise ließ Vivaldi den Zyklus bei Estienne Roger drucken, der damals in ganz Europa für die Qualität seiner Drucke bekannt war. Dieser Umstand lässt einerseits erkennen, welche Reputation Vivaldi damals schon hatte, andererseits welche Bedeutung er einer schnellen, von einem qualitativ hochwertigen Druck repräsentierten Verbreitung des Werkes beimaß.
Es stellt sich die Frage, welche Überlegungen Antonio Vivaldi dazu bewogen haben mögen, diesen Namen, der sich mit ‘harmonischer Eingebung’ übersetzen lässt, für seinen Zyklus zu wählen. Betrachtete er diese schöne Instrumentalmusik nicht als sein eigenes Werk? War es für ihn mehr eine Eingebung von anderer Stelle, die ihn dazu bestimmt hatte, diese zwölf Konzerte in die Welt zu setzen? Als zusätzlicher Beweis für die Qualität des Zyklus mag gelten, das kein Geringerer als J.S. Bach sechs der zwölf Konzerte für seine Zwecke in eine andere Instrumentierung übertrug.

Beim Hören der CD wird schnell deutlich dass die Musik hier von einem Ensemble musiziert wird, welches den teilweise sehr hohen Ansprüchen, wie sie vor allem in den schnellen Solopassagen auftreten, voll gerecht wird. Bemerkenswert ist, dass für diese Aufnahme eine Barockgitarre hinzugezogen wurde, was bei anderen Aufnahmen nicht der Fall ist. Ihr voller und weicher Klang rundet das akustische Gesamtbild gut ab. Als Beispiele dafür seien auf dieser CD die Konzert neun und zehn genannt. Hier kommt die Klangfülle besonders schön zur Geltung. Gleich zu Beginn wird deutlich, welche Professionalität diese Aufnahme repräsentiert. Die Tuttis werden kräftig akzentuiert, die Phrasierung wird geschmeidig und gefühlvoll gespielt, die Dynamik hat die nötige Differenzierung, ohne dabei aus dem Rahmen zu fallen. und an den Tonansätzen ist die virtuose Bogenführung der Streicher unverkennbar. Die verschiedenen Konzerte enthalten eine sehr große Bandbreite musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten, welche durch die professionelle Interpretation, in Verbindung mit der guten Aufnahmequalität, voll zum Tragen kommen. Sämtliche musikalischen Parameter stehen in dieser Aufnahme in stimmigem Verhältnis zueinander. Das Booklet bekundet der Academia Bizantina stilistische Genauigkeit, fantasievolle Interpretation und technische Perfektion. Diesem Urteil ist nichts hinzuzufügen.

Aufgenommen wurde diese CD- wie auch die erste – in der zweiten Märzhälfte 2001 in Ravenna, genauer gesagt im dort befindlichen Salle del Reffettorio des Museo di San Vitale Die Streicher verbinden sich mit der bereits erwähnten Barockgitarre und dem Cembalo zu einem berückenden Klangereignis. Mal wettern die kräftigen Tutti, mal schreitet die Musik erhaben dahin, mal eilt sie in mit halsbrecherischer Virtuosität musizierten Sechzehntel- und Zweiunddreißigstelfiguren einher, um dann wieder in den Largosätzen eine geradezu wohlwollende Ruhe zu verströmen.
Dies wird schon im ersten Konzert deutlich, wo Andante, Adagio und Allegro einander abwechseln. Im zweiten Satz wird die ganze Fülle der vier Soloviolinen ausgespielt, Motive folgen in rascher Reihenfolge und überlagern einander anmutig. Als besonderer Leckerbissen präsentiert sich Konzert Nr. 8. Der einführende Allegrosatz wird von einer Vielzahl rhythmischer Wechsel und Wiederholungen beherrscht, das Klangbild in hohem Maße von Achteln und Sechzehnteln dominiert. Der Mittelsatz (Larghetto e spiritoso) erklingt wehmütig, fast sehnsüchtig. Im abschließenden Allegro werden die schnellen Solopassagen mit beängstigendem Tempo gespielt, dennoch erklingt jeder Ton präzise und genau. Die kräftigen Tutti wirken nach dem fast schon melancholischem Mittelteil noch kontrastierender als bei vergleichbaren Stellen anderer Konzerte des Zyklus. Hier muss das Herz jedes Liebhabers höher schlagen. Bis zum Schlussakkord des zwölften Konzertes lässt die Qualität der Einspielung keine Wünsche offen. Man muss Ottavio Dantone und seinen MusikerInnen jenen Respekt zollen, der ihnen für solche Leistungen gebührt.

Es ist die hohe Virtuosität, welche vorliegende Aufnahme zu einem Genuss für den Zuhörer macht. Ein großer Abwechslungsreichtum rhythmischer Strukturen, harmonische Vielseitigkeit und die nötige Anzahl interpretatorischer Vorschreibungen bedingen eine Kontinuität innerhalb der zwölf Konzerte, die nach mehrmaligen Hören immer offensichtlicher ins Bewusstsein tritt.
Das Booklet informiert in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch ausführlich über interessante formale und stilistische Charakteristika der sechs Konzerte. Gut nachvollziehbar wird beschrieben, wie Vivaldi zahlreiche Anregungen und Möglichkeiten zu einer Konzertreihe zusammenfügte, die heute wie damals Zeugnis von seiner Kreativität ablegt
Das Ensemble Accademia Bizantina zeichnet sich durch eine rege internationale Konzerttätigkeit, zahlreiche CD-Aufnahmen sowie Einspielungen für Rundfunk und Fernsehen aus. Im Jahr 1996 übernahm mit Ottavio Dantone ein hochkarätiger Musiker die Leitung des Ensembles.
Diese Einspielung ist eine würdige Bereicherung jeder klassischen Tonträgersammlung, ebenso ein geeignetes Mittel um hin und wieder das eigene Wohnzimmer geschmackvoll zu beschallen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Kritik von Martin Kofler,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Vivaldi, Antonio: L´Estro Armonico Op.3, Volume II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Arts music
1
26.01.2005
54:02
2000
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0600554764726
47647-2

Cover vergössern

Vivaldi, Antonio


Cover vergössern

Dirigent(en):Dantone, Ottavio
Interpret(en):Montanari, Stefano (Violin)
Donatis, Fiorenza de (Violin)
Zinzani, Paolo (Violin)
Mirri, Laura (Violin)
Valli, Mauro (Cello)
Accademia Bizantina,


Cover vergössern

Arts music

ARTS wurde 1993 gegründet. Seither haben wir mehr als 6200 Tracks (das sind über 400 Datenträger) mit Klassischer Musik der letzten 5 Jahrhunderte veröffentlicht. Neben Alter Musik und Zeitgenössischem befindet sich in unserem Katalog auch Musik der größten Interpreten der letzten Jahrzehnte sowie Musik sehr erfolgreicher junger Künstler, die Ihren künstlerischen Zenith noch vor sich haben und diesen mit uns verbringen werden. Die Musikrichtungen reichen von Sakral bis Oper, Kammermusik bis Symphonik, Lied bis Operette. Große Werke Mozarts, Beethovens, Schuberts usw. sind ebenso vertreten wie Raritäten von Rossini, Verdi, Händel und vielen mehr.
Die ARTS Produkte heben sich nicht nur durch ihre exquisiten Inhalte und den herausragenden Künstlern und Interpreten hervor, sondern zeichnen sich auch durch die bisher unübertroffenen, kristallklaren 24bit/96kHz Aufnahmetechnik sowie der außerordentlichen Gestaltung der Booklets in vier bis fünf unterschiedlichen Sprachen aus.
Jedes Jahr veröffentlichen wir zwischen 25 und 30 neue Titel auf CD, Hybrid SACD, DVD-Video oder DVD-Audio, die sowohl bei der nationalen als auch der internationalen Presse großen Anklang finden.
Mit unserem starken künstlerischen Hintergrund haben wir die höchsten erstrebenswertesten Ziele erreicht: den Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzwerkes sowie die Etablierung und Platzierung der Marke ARTS im internationalen Markt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arts music:

  • Zur Kritik... Junge Beethoven-Interpretin: Maria Mazos Einspielung der beiden Beethoven-Sonaten opp. 53 und 57 überzeugt auf handwerklicher Ebene durch pianistische Versiertheit, entbehrt aber zeitweilig noch der künstlerischen Inspiration und Eigenständigkeit. Weiter...
    (Elisa Ringendahl, )
  • Zur Kritik... Seismograph: In unseren Zeiten akustischer Hochglanzpolitur kann der Wagemut des sizilianischen Pianisten Alessandro Mazzamuto kaum hoch genug geschätzt werden - auch wenn er manchmal fast übers Ziel hinausschießt. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Gabrieli-Porträt: Musik zum Rochusfest aus der Feder Giovanni Gabrielis, in farbigem Klang geboten von den Ensembles Melodi Cantores und La Pifarescha, beide von Elena Sartori ebenso kundig wie temperamentvoll geleitet. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Arts music...

Weitere CD-Besprechungen von Martin Kofler:

blättern

Alle Kritiken von Martin Kofler...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Auf der Suche nach dem richtigen Stil: Mit seiner Neueinspielung von Carl Reineckes Erster Sinfonie macht sich cpo selbst Konkurrenz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Plastische Glaubensbekundungen : Von eindrucksvoller kompositorischer Dichte und Ausdrucksvielfalt sind die beiden Symphonien, die Bernstein in recht jungem Alter schrieb. Die Arktische Philharmonie unter Christian Lindberg spielt das keineswegs unterkühlt in gigantischem SACD aus. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Liebesidylle auf der Alm : Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Martin Christian Schultze: Sinfonia III in D major - Aria praysana

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich