> > > Strauss, Richard: Ariadne auf Naxos
Sonntag, 15. September 2019

Strauss, Richard - Ariadne auf Naxos

Legendär


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese 'Ariadne' ist ein Muss für jeden Opernliebhaber - einer der ganz großen, legendären Abende der Wiener Staatsoper.

Es gab sie und es gibt sie noch, die magischen Opernabende, die eine künstlerische Höhe und Kraft der Ausstrahlung und Interpretation erreichen, die nicht im Vorfeld von den Medien gemacht ist. Abende, die aufgrund ihrer künstlerischen Substanz strahlen. Einer dieser Abende ist die legendäre Premiere von Richard Strauss’ 'Ariadne auf Naxos' am 20. November 1976 in der Wiener Staatsoper. Der österreichische Rundfunk war damals live dabei, und diesem Umstand verdankt sich der klanglich exzellent aufbereitete Mitschnitt dieser auch nach über 25 Jahren bemerkenswerten und atmosphärisch dichten Aufführung.

Am Pult: Strauss-Kenner Karl Böhm, der das süddeutsch-österreichische Idiom der Musiksprache als junger Dirigent noch vom Münchner Meister selbst lernte. Bereits 1944 hatte er am selben Ort die Festaufführung der 'Ariadne' zu Strauss’ 80. Geburtstag dirigiert (auch hiervon ist übrigens ein Mitschnitt überliefert, der auf diversen Labels erschienen ist). Böhms ungemein differenzierte Lesart dieser verspielten und unter seiner Leitung niemals distanziert oder schwülstig werdenden Musik hat Referenzcharakter. Hier bekommen die kleinsten Nebenstimmen Bedeutung, es atmet, pulsiert und pocht hitzig, leidenschaftlich, humorvoll überdreht und mit einer faszinierenden Gratwanderung zwischen Parlandostil, dem fast – aber eben nur fast – überdrehten Spiel der Commedia dell’arte und dem fast – aber eben nur fast – großen Pathos der Tragödie in den sich unwiderstehlich steigernden letzten 30 Minuten Oper. Die Wiener spielen dabei mit einer beseelten Wärme der Streicher und einer musikantischen Unbekümmertheit der Bläser, dass es eine wahre Freude ist.

Auf solchem Fundament lässt es sich trefflich agieren und singen. Walter Berry, der Mozart-erfahrene Kammersänger der Staatsoper, bietet als Musiklehrer seine gesamte sängerische Autorität auf und ist im Vorspiel ungewöhnlich präsent. Wie überhaupt die Personage des Vorspiels Kabinettstück an Kabinettstück reiht, auch, weil sie das rechte Komödienidiom trifft. Heinz Zedniks Tanzmeister und Barry McDaniel (Harlekin), Kurt Equiluz (Scaramuccio), Manfred Jungwirth (Truffaldin) und Gerhard Unger (Brighella) sind Sängerdarsteller, wie man sie selten findet. Hier gehen Singen und Darstellen eine Verbindung ein, die sich auch bei der bloßen akustischen Wiedergabe als mustergültig erweist. Deutlich merkt man, dass hier kein bunt zusammengewürfelte Sängerriege auf der Bühne steht, sondern eine Ensemble, das rollendeckend besetzt ist, eine klares Verständnis der Rollen mitbringt, geradezu schlafwandlerisch aufeinander reagiert und eine Tradition pflegt, die im Spielbetrieb der meisten heutigen Bühnen verloren gegangen ist. Die Quartette der Commedia-Truppe im Opernteil wird man kaum besser hören können.

Der Abend ist aber auch und vor allem bemerkenswert, weil er damals zwei jungen, noch wenig bekannten Sängerinnen ein Podium bot, das den Beginn zweier Weltkarrieren bedeuten sollte. Für beide war die Wiener Staatsoper die Wiege ihres Durchbruchs. Agnes Baltsa, die griechische Mezzosopranistin, debütierte an diesem Abend in der Rolle des Komponisten: emotional, mit knabenhafter Schwärmerei, mit groß aufblühender, farbiger Stimme. Und Edita Gruberova etablierte sich mit ihrem Zerbinetta-Debut für mindestens zwanzig Jahr als führende Vertreterin dieser Partie. Manche Raffinesse (manche mögen sagen: Künstlichkeit), die sie in späteren Jahren ihrer großen Szene 'Großmächtige Prinzessin' abgewinnen wird, mag hier noch fehlen, doch die frische Keckheit, die scheinbare Unbekümmertheit, die elegante Linienführung, das brillante Feuerwerk der Koloraturen, die Nonchalance ihrer Rolleninterpretation ist begeisternd und eines jener vokalen Ereignisse, das man nicht mehr vergisst, wenn man es einmal gehört hat. Die Ovationen für sie, so ist nachzulesen, müssen endlos gewesen sein.

Die Titelpartie ist mit Gundula Janowitz mit einer der international führenden Fachvertreterinnen der Zeit ideal besetzt. Die Steigerung von Klage und Sehnen hin zum Todes- und Liebesrausch ist mit der trunkenen Klangschönheit ihres in unzähligen Schattierungen strömenden, dabei stets hellen Soprans gestaltet. Ihre angenehm vibratoarme Stimme macht sie zu einer idealtypischen Rollenvertreterin, der man heute, da die Partie meist dramatischer besetzt wird, nur noch selten auf der Bühne begegnet. An ihrer Seite steht einer der besten Interpreten des Bacchus überhaupt: James King. Sein eleganter, zwischen lyrischer Emphase und kraftvoller Beständigkeit mühelos wechselnder Tenor ist von einer Leuchtkraft geprägt, die ihn gerade in seinen großen Strauss- und Wagner-Rollen zum exemplarischen Interpreten werden ließ. Die große Duett-Szene ist ein berauschendes Fest der Stimmen.

Diese 'Ariadne' gehört in jede Sammlung. Sie ist nahezu allen erhältlichen Studioproduktionen weit überlegen und hat zahlreiche Momente, die man sich anders nicht mehr vorstellen mag, wenn man sie hier einmal gehört hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Frank Fechter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Ariadne auf Naxos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
15.11.2011
Medium:
EAN:

CD
4011790817224


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


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