> > > Monteverdi, Claudio: Il Terzo Libro di Madrigali, 1592
Samstag, 22. Januar 2022

Monteverdi, Claudio - Il Terzo Libro di Madrigali, 1592

Transparenz und Wohlklang


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als der fünfundzwanzigjährige Claudio Monteverdi 1592 sein drittes Madrigalbuch veröffentlichte, widmete er es Vincenzo Gonzaga, dem Herzog von Mantua, der ihn nur kurz zuvor an seinen Hof geholt hatte. Monteverdi war ein Neuling in der ehrgeizigen Musikkultur des norditalienischen Stadtadels. Höflinge und Emporkömmlinge wetteiferten um die trickreichsten Vertonungen der pastoralen und antikisierenden Liebeslyrik ihrer Zeit. Den gefeierten Dichtern Torquato Tasso und Battista Guarini riss man ihre noch frischen Zeilen aus den Händen, um sie zu Noten zu setzen. Die so entstehenden Madrigale wurden zu Sammlungen, den Madrigalbüchern, zusammengefasst und gedruckt veröffentlicht, um in den Residenzen des adeligen Jetsets zu Ferrara, Florenz und Verona von versierten Sängern musiziert zu werden.

Monteverdis drittes Madrigalbuch war sein erstes, das weithin Beachtung fand. Namhafte konservative Kritiker warfen ihm unbillige Effekthascherei vor, doch der Zeitgeist war mit ihm: auch seine älteren Kollegen begannen, mit Melodie und Dissonanz zugunsten der Textausdeutung zu experimentieren. Es entstand ein neuer Stil, ein nuovo stilo, der weltlichen Vokalliteratur. Mit seiner dritten Sammlung bewies Monteverdi, dass es ihm weder an Meisterschaft im tradierten polyphon geprägten Kompositionsstil mangelte, noch an der nötigen Chuzpe, Neues auszuprobieren und die Dehnbarkeit der formalen Regeln seiner Zeit zu strapazieren.

Es ist daher eine ausgezeichnete Wahl des italienischen Ensembles La Venexiana, gerade die dritte Madrigalsammlung des jungen Monteverdi einzuspielen. La Venexiana haben auf ihrem spanischen Partnerlabel Glossa bereits mehrere maßgebliche Aufnahmen der Madrigalliteratur des späten Cinqucento und frühen Seicento vorgelegt. Ihre gepriesene Einspielung von Gesualdos viertem Madrigalbuch gewann voriges Jahr den Grammophon Preis für Alte Musik. Auch ihre neuesten 62 Minuten fünfstimmiger Vokalkunst bleiben keine Perfektion schuldig.

Dies liegt zum einen an dem ausgesuchten Zusammenklang der Einzelstimmen, deren Miteinander im Timbre und Gegeneinander im Vokalklang eine gläserne Durchsichtigkeit der Stimmführung erzielt. Die Aufnahmetechnik unterstützt diese Stärke, wenn sie den oberen Stimmen die eine Stereoseite, den mittleren Stimmen die andere zuweist, den Bass jedoch beiden Seiten zumischt. Da ist es ein leichtes und äußerst vergnügliches Unterfangen, den einzelnen Stimmen zu folgen und somit die Pfeiler der harmonischen Architektur freizulegen. Was erst die Qualität ihrer Verstrebungen hervortreten lässt. La Venexiana wissen, dass die affektive Textausdeutung die ‚Raison etre’ dieser Madrigale ist, nicht aber das Handwerk ihrer Interpreten sein kann.
Daher sind die Seufzerfloskeln, die chromatischen Abstiege und dissonanten Sprünge explizit und bewusst, jedoch stets präzis und unaufdringlich musiziert. Umso effektvoller, wenn das Ensemble die unbehaglich fugierenden Linien in einer subtilen Wendung zu lichtem Zusammenklang führt, wie etwa in ‚Perfidissimo Volto’. Umso überzeugender, wenn La Venexiana polyphones Geplätscher und ruhige harmonische Schichtung gleichermaßen mit einem warmen und mediterranen Klang darbieten, wie in Guarinis Lied an den Frühling, ‚O Primavera’. Das junge italienische Ensemble hat eine erstklassige Aufnahme vorgelegt, die mit gestalterischer Noblesse und transparenter Ausführung die Madrigalkunst Monteverdis zugänglich macht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Monteverdi, Claudio: Il Terzo Libro di Madrigali, 1592

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Glossa
1
01.09.2002
62:35
2001
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
8424562209107
GCD 920910

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Monteverdi, Claudio


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Interpret(en):La Venexiana,


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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