> > > Khachaturian, Aram: Concerto-Rhapsody for Cello and Orchestra
Samstag, 26. September 2020

Khachaturian, Aram - Concerto-Rhapsody for Cello and Orchestra

Mehr als nur Säbeltanz


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sehr eindrückliches Plädoyer für Aram Khatschaturjan und seine Musik.

Der Name Khatschaturjan ist zwar nicht unbekannt, aber wohl längst nicht so geläufig wie man meinen sollte. Und schon gar nicht so, wie der Komponist es verdient hätte. Viel schlimmer steht es um seine Musik. Der Säbeltanz lässt sich als genialer Wurf zwar nicht unterkriegen, aber wer könnte spontan andere Melodien Khatschaturjans summen? Und über die Biographie des Armeniers könnte vermutlich kaum jemand erschöpfende Auskunft erteilen.

Peter Rosen könnte das ändern. Sein Film über Khatschaturjan ist insgesamt ziemlich beeindruckend. Zunächst muss man sich daran gewöhnen, dass die Geschichte vom Komponisten selbst erzählt wird. Die Stimme bekommt er von Eric Bogosian geliehen, der in auch für deutsche Ohren sehr klar verständlichem Englisch spricht. Untertitel kann man natürlich trotzdem zuschalten. Diese Perspektive stellt ein gewisses Problem dar, denn man weiß nie genau, was Khatschaturjan tatsächlich selbst gesagt oder geschrieben hat, und was ihm nur in den Mund gelegt wurde. Man muss also leider auf die verantwortungsbewusste Arbeit der Autoren vertrauen. (Freilich wäre das im Grunde auch nicht anders, wenn aus der neutralen Perspektive erzählt würde.)

Ein Punkt, wo man mit der Darstellung des Films möglicherweise nicht einverstanden sein könnte, ist Khatschaturjans Stellung gegenüber dem sowjetischen Regime. Fest steht, dass sich der Komponist nicht aktiv zur Wehr gesetzt hat, dass er ferner nicht emigriert ist, obwohl er dazu reichlich Gelegenheit gehabt hätte. Fest steht auch, dass er 1948 als formalistischer Komponist denunziert, davor und danach aber mit hohen Auszeichnungen versehen wurde.

Die Produzenten haben erstaunlich viel historisches Filmmaterial ausfindig gemacht, das meistens mit neuer, kommentierender Tonspur versehen wurde. Historische Interpretationen (die Ballettaufzeichnungen!) stehen neben neu eingespielten, dirigiert in letzterem Fall durch den berufenen armenischen Dirigenten Loris Tjeknaworjan. Außerdem wurden Interviews mit Weggefährten Khatschaturjans geführt und alles sehr schlüssig montiert.

Die bei EuroArts erschienene DVD verfügt über drei Bonustracks, von denen einer mindestens ebenso spannend ist wie der Film selbst. Es handelt sich um einen Konzertmitschnitt der Konzertrhapsodie für Cello und Orchester. Aram Khatschaturjan steht selbst am Pult, Solist ist Mstislaw Rostropowitsch (auch er kommt übrigens im Film zu Wort). Das Bild der Aufzeichnung ist schwarzweiß, der Ton mit üppigem Hall versehen. Ein faszinierendes Dokument und natürlich eine absolut authentische Interpretation.

Die beiden anderen Bonustracks sind weniger spektakulär. Eine Dokumentation über den Dreh der Dokumentation, immerhin 17 Minuten lang, kann man sich mal anschauen und weiß hinterher, wie großartig das Filmteam gearbeitet hat. Schließlich folgt der dritte Satz aus Khatschaturjans Klavierkonzert. Hier sollte man die durchaus gelungene Interpretation, wiederum mit Loris Tjeknaworjan am Pult und Dora Serviarian-Kuhn am Klavier, lieber ohne Bild anhören. Zu sehen ist nämlich keine Konzert- oder Studiosituation, stattdessen ist der Musik eine unerträglich hektische Bildmontage unterlegt. Die DVD verfügt sogar über einen Text im Beiheft, der gar nicht schlecht, aber leider anonym verfasst ist.

Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Khachaturian, Aram: Concerto-Rhapsody for Cello and Orchestra

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
11.07.2011
Medium:
EAN:

DVD
880242582782


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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