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Freitag, 7. Oktober 2022

Bach, Johann Sebastian - Weihnachtsoratorium

Flüsternder Festjubel


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bachs Weihnachtsoratorium legt BR-Klassik in einem DVD-Mitschnitt mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und der Akademie für Alte Musik Berlin unter Peter Dijkstra in einer stilkundigen, plastischen und transparenten Interpretation vor.

Bachs ‚Weihnachtsoratorium‘ gehört zu den favorisierten Weihnachtsmusiken. BR-Klassik legt jetzt den Mitschnitt von Bachs sechs Weihnachtskantaten einer Aufführung an zwei Abenden mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und der Akademie für alte Musik unter Peter Dijkstra im Münchener Herkulessaal vom Dezember 2010 als Doppel-DVD vor. Diese mit dezenten Lichteffekten arbeitende Live-Aufführung unter dem niederländischen Chordirektor des Bayerischen Rundfunks ist in vielem ungewöhnlich: Sucht sie doch – historisch orientiert – nicht mit der großen Klanggeste zu überwältigen, sondern befleißigt sich einer sensibel durchdachten Klangrede, bei der das verkündigende Wort und seine eloquente musikalische Ausformung im Vordergrund stehen.

Die DVD-Produktion ist mit einem deutsch-englischen Textheft versehen, das außer den Texten noch eine kurze Darstellung von Bachs Parodieverfahren enthält. Aufnahmetechnisch lassen die beiden DVDs nichts zu wünschen übrig und fangen außer dem feinsinnigen Klang der Aufführung unter dem viel Lockerheit ausstrahlenden Dijkstra auch die Atmosphäre der beiden Abende im Münchner Herkulessaal ein: seine entsprechend dem Kantatencharakter wechselnde Beleuchtung in verschiedenen Farben und darüber hinaus noch einige dazu passende mittelalterliche Gemälde aus der Alten Pinakothek München. Zu ihnen werden kurz gerafft die Evangelientexte gesprochen. Das geistliche Anliegen, der Christgeburt Rechnung zu tragen, ist also auch jenseits des rein Musikalischen berücksichtigt.

Der in der Besetzung reduzierte Chor des Bayerischen Rundfunks singt mit erstaunlicher Plastizität. Die Transparenz der vokalen Darstellung ist schlichtweg optimal. Der Chorklang ist von eminenter, luftiger Durchsicht. Man könnte ihn glasklar nennen, wenn damit nicht der Eindruck von Härte assoziativ mitschwingen würde. Die Sängerinnen und Sänger des Bayerischen Rundfunkchors intonieren biegsam und weich. Ein Musterbeispiel für diesen fast flüsternd-intimen Chorklang ist der in höchster Stimmkultur fast nur gehauchte Choral 'Ich steh an deiner Krippen hier' in der sechsten Kantate. Leichte Flügelschläge beleben den Lobes-Chor 'Ehre sei dir Gott gesungen' am Beginn der fünften Kantate, dessen homophoner Satz eine besonders gelungene Verbindung mit der hier mit Hörnern besetzten Akademie für Alte Musik Berlin eingeht.

Die Wahl dieses Originalklang-Ensembles aus Berlin erweist sich bei dem reduzierten, dem Wort verpflichteten Chorklang als glücklicher Griff. Auch wenn in den einleitenden Huldigungs-Nummern die Streicher mit ihrer Darmsaitenbespannung von den klangkräftigen Barocktrompeten übertönt werden und es so an klanglicher Ausgeglichenheit mangelt. Es wird von dem Berliner Ensemble durchweg locker, wiegend und flüssig musiziert. An Dijkstras die Taktschwerpunkte swingend betonende Artikulation muss man sich erst einmal gewöhnen. Sie gilt historisch als von barocken Tanzsätzen her verbürgt, hat aber den Nachteil, dass die Verständlichkeit des Textes unter solch metrischem Gleichmaß doch mehrfach leidet. Hier arbeiten Karl Richters kontrastreichere, schlagkräftigere Einspielung mit Münchener Bach-Chor und -Orchester von 1965 und die aktuellen Leipziger Aufführungen Christoph Billers mit den Thomanern und dem Gewandhausorchester doch großzügiger und mit aushohlenderen Klanggesten.

Dijkstra hat sich auch bei der Auswahl seiner Solisten auf stilkundige Persönlichkeiten verlegt. Allen voran ist der Tenor Maximilian Schmitt in den Evangelisten-Rezitativen ein von innerer Begeisterung durchdrungener, plastisch und fesselnd agierender Testo-Erzähler. Seine Tenor-Arien gelingen Schmitt in glänzend durchgehaltenen Koloratur-Markierungen. In ausgesuchter Diktion, mit Wärme und Poesie singt Christian Immler seine Bass-Soli; stellenweise könnten seine Vorträge noch an ausladender Ausformung gewinnen wie in der Arie 'Erleucht auch meine finstre Sinnen' in der Drei-Königs-Kantate.

Wohlgesetzt bringt Rachel Harnisch mit ihrer klaren, noch nicht allzu machtvoll entwickelten Stimme die Sopran-Partien ein; die Echo-Arie 'Flößt, mein Heiland, flößt, dein Namen' gelingt in feiner Abstufung mit der Sopranistin Sonja Philippin. Liebevoll, zart, innig und weich gestaltete Anke Vondung in der Hirten-Kantate ihre Marien-Arien; die Altistin bewältigt den weiten Tonumfang ihrer Partien in ausgeglichener Intonation.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Weihnachtsoratorium

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BR-Klassik
1
21.11.2011
Medium:
EAN:

DVD
4035719005028


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BR-Klassik

BR-KLASSIK, das Label des Bayerischen Rundfunks (BR), veröffentlicht herausragende Live-Konzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), des Chors des Bayerischen Rundfunks, des Münchner Rundfunkorchesters sowie der Konzertreihe musica viva. Dabei ist es ein wesentliches Ziel des Senders, über seine Radio- und TV-Programme hinaus auch digital sowie via CD und DVD allen Musikfreunden weltweit Zugang zu besonderen Aufnahmen zu bieten und auf diese Weise auch jenes Publikum zu erreichen, welches keine Möglichkeit hat, die Konzerte der internationalen Tourneen selbst vor Ort live zu erleben.

Neben den jeweiligen Chefdirigenten wie beispielsweise Mariss Jansons oder Sir Simon Rattle finden sich großartige Künstlerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Bernard Haitink und viele andere mehr.

Die Reihe BR-KLASSIK WISSEN liefert unterhaltsame und kurzweilige Hörbiografien von Jörg Handstein mit vielen Hintergrundinformationen und Musikbeispielen auf jeweils 4 CDs, erzählt von Udo Wachtveitl sowie spannende Werkeinführungen in bedeutende Kompositionen der Musikgeschichte.

Durch die Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE werden historische Aufnahmen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wieder verfügbar. Beispielsweise die legendäre Aufführung des Verdi-Requiems unter der Leitung Ricardo Mutis mit Jessye Norman, Agnes Baltsa, José Carreras und Jewgenij Nesterenko und dem Chor des BR im Jahr 1981 oder etwa denkwürdige Konzertabende mit der Pianistin Martha Argerich: 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr.1 unter Seiji Ozawa.

Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 200 Aufnahmen und hat bereits mehr als 50 renommierte und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den Diapason d’or, den BBC Music Magazine Award und den ICMA.

BR-KLASSIK wird weltweit durch NAXOS vertrieben. Selbstverständlich gehören hierzu auch digitale Portale wie Spotify, Apple, amazon u.v.a.. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK. 


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