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Montag, 26. Juli 2021

Johannes Eccard: Fröhlich will ich singen - Sacred and secular songs

Renaissance-Lieder in prächtigem Gewand


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Des 400. Todestages des Komponisten Johannes Eccard gedenkt der Staats- und Domchor Berlin, unterstützt von der Lautten Compagney Berlin, mit einer klangprächtigen Aufnahme.

Das Jahr 2011 stand musikalisch ganz im Zeichen Franz Liszts. Bücher und CDs feierten den Klaviervirtuosen als modernen Menschen mit visionären Musikidealen. Daneben wirkt ein anderes musikalisches Jubiläum sehr viel unzeitgemäßer: der 400. Todestag des Renaissance-Komponisten Johannes Eccard (1553–1611). Eccard war als Schüler Orlando di Lassos in Norddeutschland tätig und wurde bis ins 19.Jahrhundert als Meister des protestantischen Kirchenlieds verehrt. Im Laufe des 20.Jahrhunderts geriet dieses Oeuvre aber auch immer mehr in Vergessenheit, so dass seine nun einsetzende Wiederentdeckung viele musikalische Überraschungen bereithält. Denn neben seinen unzähligen Sakralwerken sind es besonders seine weltlichen Lieder, die begeistern.

Johannes Eccard stammte aus dem thüringischen Mühlhausen, wo er vom dortigen Kantor seine erste musikalische Ausbildung erhielt. Über die Stationen Erfurt und Weimar landete Eccard mit achtzehn Jahren als Sänger in der Münchner Hofkapelle, wo er von Orlando di Lasso die von diesem entwickelte neuartige Mischung polyphoner und homophoner Satzweisen kennenlernte. Fünf Jahre später fand er bei den Fuggers in Augsburg als Musiker eine Anstellung, doch konnte er im Jahr 1579 eine noch lukrativere Stelle am Brandenburger Hof in Königsberg antreten. Hier wirkte er erst unter Teodoro Riccio, bis er zu dessen Nachfolger werden konnte. Am Ende seiner Karriere war er Domkantor und Hofkapellmeister in Berlin. Im Zentrum seines Schaffens stehen ca. 250 geistliche und weltliche mehrstimmige Lieder, die mit ihren eingängigen Melodien und schönen Aussetzungen schnell zum Kompositionsideal nachfolgender Generationen werden sollten.

Nun sind zum Ende des Jubiläumsjahrs 2011 zwei neue CDs erschienen, die sich Eccards Liedschaffen widmen. Jede von ihnen hat ihr eigenes Programm, so dass es kaum zu Überschneidungen zwischen den beiden Platten kommt. Sowohl interpretatorisch als auch in der Programmauswahl setzen beide ganz unterschiedliche Akzente. Während sich die CD der Opella Musica und dem Ensemble NOEMA mit kleiner Besetzung und filigraner Feinarbeit der Musik nähert, wartet die Neuerscheinung ‚Fröhlich will ich singen‘ des Staats-und Domchors Berlin unter Kai-Uwe Jirka mit fast schon barocker Klangpracht und berauschender Klangfülle auf. So kann nun jeder Interessent entscheiden, welcher Interpretation er den Vortritt gibt.

Die vorliegende CD des Staats-und Domchors besticht durch ihren großen Wohlklang und farbige Üppigkeit. Einen beträchtlichen Anteil trägt dazu das farbenreiche Spiel der Lautten Compagney Berlin bei, die mit ihrer opulenten Begleitung den glänzenden Rahmen für die mehrstimmigen Chorwerke bildet. Die Mitwirkung dieses äußerst versierten Spezialensembles verhindert auch, dass der etwas breiter angelegte Chorklang ins Romantisch-schwere abrutscht. Ganz im Sinne ihres Gründers Wolfgang Katschner experimentieren die Musiker mit spannenden klanglichen und rhythmischen Effekten wie im Spaßlied 'Der Musik Feind seind Ignoranten'. Während das Ensemble NOEMA auf ihrer CD mit sechs Instrumentalisten auskommt, wartet die Lautten Compagney mit fünfzehn Musikern auf, die unter anderem Dulzian, Zink, Blockflöte, Laute, Harfe und Orgel spielen. So entsteht ein weit gefächertes Klangspektrum, aus dem Jirka nur stilsicher die passenden Klangfarben herausstellen muss.

Der von Jirka geleitete Knabenchor agiert dazu schwungvoll und intonationsrein. Im Gegensatz zu anderen Einspielungen dieses Chors ist die vorliegende Aufnahme wunderbar ausbalanciert, harmonisch und tonschön. Die Solisten können ebenso überzeugen wie die Tuttisänger. Jeder Ton der Aufnahme atmet prachtvolle Schönheit und tänzerische Leichtigkeit, ein Verdienst, der Jirka nicht hoch genug anzurechnen ist. Schließlich ist es sehr viel einfacher, verzweigte Chorsätze mit einem kleinen Gesangsensemble von gestandenen Profisängern fein und durchsichtig zu zaubern als mit einem normal großen Knabenchor. Dennoch gelingt ihm hier dieses Kunststück, und es ist eine wahre Freude, den Musikern zuzuhören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Johannes Eccard: Fröhlich will ich singen: Sacred and secular songs

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.11.2011
058:10
2011
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350834491
8344900


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"Anlässlich des 400. Todestages von Johannes Eccard (1553-1611) erscheint bei Carus eine zweite CD mit weltlichen und geistlichen Vokalwerken. Der Staats- und Domchor Berlin und die Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Kai-Uwe Jirka stellen die Werke Eccards, die stilistisch an vergleichbare Werke von Orlando di Lasso erinnern, in teilweise überraschenden und immer farbigen Arrangements vor. Zahlreiche der hier eingespielten Lieder stammen aus der 1578 veröffentlichten Sammlung Newe deutzsche Lieder mit Vieren und Fünff Stimmen und werden erstmals auf CD veröffentlicht."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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