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Dienstag, 7. April 2020

Buxtehude, Dieterich - Kantaten und Sonaten

Buxtehude vokal und instrumental


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


William Dongois und sein Ensemble Le Concert Brisé mit einer programmatisch gemischten Buxtehude-Platte.

Um die Anerkenntnis des musikhistorischen Rangs Dietrich Buxtehudes (1637-1707) muss man sich in der Gegenwart kaum mehr sorgen: Zu deutlich sind seine kompositorischen Qualitäten, und erfreulich zahlreich sind inzwischen die seinem Werk gewidmeten, größtenteils niveauvollen Einspielungen. Stand über längere Zeit Buxtehude in seiner Rolle als ein kompositorischer Vorläufer Johann Sebastian Bachs vor allem mit seinem Orgelwerk im Vordergrund, wird der Lübecker Meister inzwischen stärker denn je als musikhistorische Figur eigenen Rechts wahrgenommen. Das liegt sicher daran, dass Buxtehude in seinen vielgestaltigen Arbeiten stets als formal starker, phantasiebegabter Tonsetzer mit einer individuellen Stilistik erkennbar wird. Mit den durch die Tradition des geistlichen Konzerts vermittelten italienischen Impulsen setzte sich Buxtehude fruchtbar auseinander, andere Einflüsse nicht ausblendend, eigene ästhetische Ideen ebenfalls nicht negierend. In letzteren Bereich zählt unbedingt seine überragende Fähigkeit, teils wenig komplexe Reihungsformen auch über sehr weite Strecken hin schöpferisch ertragreich zu machen und abwechslungsreich zu gestalten.

Ansprechende Interpretation, heikle Punkte eingeschlossen

Davon ist auch im Programm der aktuellen Platte des Ensembles Le Concert Brisé zu hören. Es beinhaltet eine Auswahl von Kantaten und ausgreifend dimensionierten Sonaten aus der Feder des norddeutschen Meisters. Den vokalen Part singt die tschechische Sopranistin Dagmar Saskova mit feiner, schlanker, dabei durchaus farbenreicher Stimme, die in dezidiert gestalteten Linien zu einiger beweglicher Eleganz findet. In stärker durchbrochenen, kontrastreicheren Sätzen – etwa in 'O Gottes Stadt' BuxWV 87 – kommen ihre ansprechenden Möglichkeiten vor allem in den bloß continuobegleiteten Passagen sehr schön zur Geltung. Dagegen steht ihre Stimme immer dann unter Druck, wenn Zink und Barockposaune eine klangmächtige instrumentale ‚Gegengröße’ bilden, ergänzt um den freilich feiner klingenden Dulzian.

Dieser Befund beschreibt ein Problem, das in etlichen Passagen der vokal-instrumentalen Sätze präsent bleibt: Die Frage nach einer gelungenen, ansprechend belebten und passgenau in den Raum integrierten Balance zwischen den beteiligten Kräften ist immer wieder heikel. Denn die enorm versierten Instrumentalisten zeigen sich spielfreudig, schwingen sich trotz differenzierter, angenehm variantenreicher Artikulation und der Fähigkeit zur feinen Geste immer wieder auch zu kräftigerer Klangwirkung auf. In diesen Momenten fehlen dem insgesamt guten, stimmungsvollen Klangbild die letzte Präzision und die letzte Fokussierung, speziell bei der sich im Raum üppig entfaltenden Kombination von Zink und Posaune. Feine, das klangliche Tableau angenehm gliedernde Beiträge liefert hingegen die Theorbe in den rezitativischen Abschnitten, auch die Orgel lässt sich mit delikaten Beiträgen hören. Die von William Dongois und seinem Ensemble angeschlagenen entschiedenen Tempi sichern dem Geschehen einen klaren Fluss, aus den verschiedenen Besetzungen ergeben sich plastische dynamische Kontraste.

Dongois gelingt mit seinem Ensemble ein kundiger Blick auf einen interessanten Ausschnitt des Schaffens Dietrich Buxtehudes – zwar sensibel im Ansatz aber doch in relativ großer Klanggeste realisiert. Dabei sind die Sonaten noch schlüssiger gelungen, als die vokal-instrumentalen Sätze, die unter Balanceproblemen leiden, was ein Befund sowohl in klanglicher als auch in interpretatorischer Hinsicht ist. Gleichwohl liegt eine Platte vor, die Buxtehudes Potenziale ebenso zeigt wie diejenigen der Interpreten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Buxtehude, Dieterich: Kantaten und Sonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
01.11.2011
Medium:
EAN:

CD
4015023242401


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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