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Sonntag, 19. September 2021

Werke von Chausson, Debussy & Fauré - Trio op.3

Getragene Eleganz


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Trio Parnassus spielt ein stimmungsvolles Programm französischer Werke, das in einem fließenden, dunkel gefärbten Klangcharakter ein gemeinsames Zentrum hat.

Ein Gespür für Klangfarben und Stimmungen wird dem Trio Parnassus von zahlreichen Kritikern nachgesagt – eine ideale Voraussetzung für das hier eingespielte Programm, bestehend aus Werken französischer Kammermusik des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Die Musiker des Trios, seit 1982 in wechselnder Besetzung auftretend, sind flexibel in der Auswahl ihres Repertoires: Sie haben konsequent auch gegen die Verführungen einer historisch informierten Aufführungspraxis an ihrem eigenen Klang und mit modernen Instrumenten gearbeitet und bewegen sich von dieser soliden Basis aus in jeder Stilistik mit sicherem Tritt.

Zugeben, die große Vielseitigkeit des Ausdrucks benötigt diese Aufnahme nicht: Die Trios von Ernest Chausson und Gabriel Fauré sind sich einander klanglich sehr nahe, lediglich Ausschnitte aus Claude Debussys Oper 'Pellèas et Melisande', von dem Lütticher Kompositionslehrer Hubert Mouton (1872-1954) reduziert auf einen Melodienquerschnitt, sticht hier – auf eine wiederum gemäßigte Art und Weise – hervor. Ein spätromantisches Ausdrucksspektrum dominiert, doch das wird durch den Nuancenreichtum der Musik und dessen Umsetzung durch die Interpreten leicht ausgeglichen.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Trios von Chausson und Fauré liegen offen zutage: Im romantischen Ausdruckscharakter der Melodien etwa oder in der satztechnischen Anlage, in der die beiden Streicher häufig dialogisieren, während das Klavier ein Klangfundament liefert. Beide Werke haben eine reiche harmonische Klangwelt, wobei allerdings Faurés spätes Werk einen spröderen Charakter besitzt; es ist insgesamt knapper und in starkem Maße konzentriert auf die Melodieführung.

Die Musiker beginnen Chaussons Trio op. 3 in einem enorm spannungsgeladenen, gleichzeitig melancholischen Tonfall, der sich später auch bei Fauré wiederfindet. Das erwähnte Dialogisieren zwischen Yamei Yu, Violine, und Michael Groß, Cello, ist bei Chausson gleich im ersten Satz sehr ausgeprägt zu hören, während Chia Chous Spiel am Klavier eher als Farbschatten wahrgenommen wird. Hinter- und Vordergrund vertauschen sich allerdings am Ende des Satzes, wenn Chou eine Melodie in die wuchtigen Schlussakkorde der Streicher hineinspielt. Hier zeigt sich die perfekte Klangbalance des Ensembles in Kombination mit der ebenbürtigen Aufnahmetechnik von MDG in feinstem Gewand: Man hört die lauten und leisen Klangelemente gleichzeitig, der Ton hat einen besonderen Facettenreichtum.

Was das klangliche Ausdrucksspektrum betrifft, setzt der dem ersten in Melodien und im Dialogisieren der Instrumente ähnliche dritte Satz noch einen drauf. In diesem langsamen Satz sind die langen Spannungsbögen durch gewichtiges, wellenartiges An- und Abschwellen bei stets gleich bleibender Intensität des Ausdrucks geprägt. Im letzten Satz setzen die Musiker noch eine unangestrengte Virtuosität hinzu, bei der der Wechsel in lyrische Passagen mühelos gelingt. Im Ganzen entsteht ein rundes Klangbild, das schwulstfrei daherkommt und den tief romantischen Ausdrucksgeist des Werkes nicht forciert hervorbringt, sondern ihm stattdessen eine deutlich spürbare emotionale Tiefe verleiht. Der langsame Satz des Fauré-Trios wird ähnlich nuanciert interpretiert: Getragen, aber nicht klebrig im Tempo. Der letzte Satz ist ein fast schon asketisches Finale, das aber von einem großartigen Ensemble großartig aufgespielt wird.

Das Opern-Potpourri aus Debussys 'Pelleas et Mélisande' beginnt ruhig, doch seine Herkunft von einer größeren musikalischen Form wird kaum kaschiert. Der Streichersatz ist sehr dicht; das Werk hat einen größeren dynamischen Spielraum als die beiden Trios. Auch hier beweist das Trio Parnassus sein Können durch die mühelos erscheinende Ausnutzung dieser Spielräume. Was Ensemblekunst angeht, muss man bei dieser CD keinerlei Abstriche machen. Die Zusammenstellung der Werke ist sehr gelungen. Man darf mit Recht behaupten, dass die Einspielung sich unter die vorbildlichsten dieser Werke einreihen kann. Ein rundum informatives Booklet rundet das Ganze positiv ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Oliver Schulz,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Werke von Chausson, Debussy & Fauré: Trio op.3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
14.10.2011
Medium:
EAN:

CD
760623171128


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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