> > > Stravinsky, Igor: Scherzo fantastique
Samstag, 3. Dezember 2022

Stravinsky, Igor - Scherzo fantastique

Allégresse générale


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jukka-Pekka Sarastes Einspielung von Strawinskys 'Feuervogel' ist gelungen. Eine äußerst willkommene Überraschung ist allerdings das 'Scherzo fantastique', das die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Jukka-Pekka Saraste hat sich als Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Köln, zumindest was sich in Tonträgerveröffentlichungen niederschlug, als versierter Gestalter von Werken des frühen 20. Jahrhunderts empfohlen. Nach seinem erfolgreichen Einstand mit Mahlers Neunter Sinfonie erscheint nun, ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk, bei Profil Edition Günter Hänssler ein Strawinsky-Programm. Es vereint mit der Ballettmusik 'L’Oiseau de feu' (Der Feuervogel) einen ‚Dauerbrenner‘ und ein eher selten auf Konzertprogrammen zu findendes Werk, das 'Scherzo fantastique' op. 3. Die Kombination ist auch historisch schlüssig, schließlich war das 'Scherzo fantastique' das erste Stück von Strawinsky, das Diaghilew hörte und in ihm den Entschluss bestärkte, den jungen und weitgehend unbekannten russischen Komponisten mit der Komposition des 'Feuervogels' zu beauftragen. Mit ebendiesem Stück gelang Strawinsky bekanntlich der Durchbruch.

Die Gewichtung zwischen beiden Werken scheint eindeutig: Dem knapp dreiviertelstündigen Ballett steht ein kaum mehr als zehn Minuten dauerndes Orchesterstück gegenüber. In Sarastes Einspielung wird sie aber auf den Kopf gestellt: Das 'Scherzo fantastique' ist die Hauptattraktion dieser insgesamt überzeugenden Aufnahme. Doch nicht nur das – es ist eine der hinreißendsten Darstellungen dieses Stück, die der Tonträgermarkt überhaupt zu bieten hat. Jukka-Pekka Saraste lockt aus dem höchst präzise agierenden Klangkörper silbrig schimmernde Farben, ein Glitzern und Funkeln der Streicher und Bläser, verbunden mit einer quicklebendigen, perlenden Bewegung.

Die exzellenten Holzbläser begeistern mit delikaten Staccati, denen es trotz der filigranen Tongebung nie an Farbigkeit mangelt, die Streicher versehen die flinken, federleichten, perlenden Figuren mit einem hellen, zart leuchtenden Klang. Der vitale Elan wird von Jukka-Pekka Saraste durch rhythmische Impulse unterstrichen. Am besten gefällt indes die Herausarbeitung des ‚Fantastischen‘: Den etwas mysteriösen Charakter der chromatischen Läufe unterstreicht Saraste ebenso wie schräg aufeinander zu laufende Bewegungen von absteigenden Oberstimmen und ansteigendem Bass. Neben den hervorragend gestalteten Anteilen der Holzbläser und Streicher können auch die schwerelos-duftig gesetzten Klangfacetten der Trompeten für sich einnehmen. Auch das Trio gerät bezaubernd: Saraste drosselt das Tempo nicht zu stark und achtet selbst in den weiter ausgreifenden sanglichen Linien auf einen steten Zug nach vorn. Das kantable Element kommt, gerade in den Holzbläserkantilenen, voll zur Geltung, doch hemmt Saraste – wie dies überhaupt für seine Interpretationsästhetik charakteristisch scheint – durch geschmackvoll eingesetzte Rubati nie den Lauf der Musik. Der für das Trio eingedunkelten Farbe (etwa der Flöte) weicht im wiederaufgenommenen Scherzo-Teil dann eine umso stärker strahlende Leuchtkraft.

Von diesem Farbvermögen profitiert auch der 'Feuervogel'. Jukka-Pekka Saraste verbindet orchestrale Präzision im Zusammenfügen der Stimmen und Stimmungen mit einer handwerklich gekonnten Schattierung der Instrumente und Klangfarben. So gelingen teils berückende Momente. Doch so blitzsauber das auch alles gespielt ist: Manches hätte man noch ein wenig drängender, vielleicht auch risikoreicher angehen können. So scheint der 'Tanz des Feuervogels' (Nr. 4) einen Tick zu langsam und auch der 'Höllentanz' hätte noch ein wenig zupackender und energisches ausfallen können.

Dies sind allerdings nur Kleinigkeiten, von denen die Freude über diese auch klangtechnisch aufgrund der plastischen, farbenreichen Darstellung gelungene Einspielung nicht getrübt wird. Als Resümee lässt sich der letzte Teil des 'Feuervogels' zitieren: Allégresse générale.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Stravinsky, Igor: Scherzo fantastique

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
Medium:
EAN:

CD
881488110418


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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