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Dienstag, 7. Juli 2020

Puccini, Giacomo - Tosca

DAS ist Toscas Kuss


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vielleicht erinnern sich einige der Leser noch an das filmische Experiment, Puccinis Paradeoper ‘Tosca” durch die Filmaufnahme an denjenigen Schauplätzen zu adeln, die den Gang der Handlung begleiten - zu den entsprechenden Tageszeiten. Man sah zum Schluss, wenn man denn bis zwei Uhr nachts ausgeharrt hatte, die füllige, schlecht intonierende Sängerin in rollengerecht divenhafter Indigniertheit vom Söller der Engelsburg kippen, dramatisch kontrastiert vom tiefschwarzen römischen Nachthimmel und einigen wenigen Straßenbeleuchtungen im Hintergrund. Skepsis schien angebracht gegenüber der Verfilmung durch Benoit Jacquot , die bei Arthaus/Naxos erschienen ist, obwohl die Besetzung mit Angela Gheorghiu und Roberto Alagna - dem nun getrennten damaligen Traumpaar des veristischen Opernfachs - dafür sprach, dass der Musik dieselbe Aufmerksamkeit widerfahren würde.

Ein preisverdächtiger ‘Soundtrack”

Es ist daher schön, schreiben zu können, dass die Skepsis jedoch in keinem wesentlichen Punkt bestätigt wurde. Die Szenerien von Sant Andrea bis zum Palazzo Farnese sind hervorragend gemachte Studionachbauten (Freunde des librettogetreuen Bühnenbildes kommen hier voll auf ihre Kosten), die den Sängerdarstellern eine ebenso dezente wie anschauliche Folie bieten. Diese und ihre Leistungen stehen unwidersprochen im Vordergrund, der Vorwurf geschmäcklerischer Ausstattungsregie wäre unbegründet. Die zweite Folie, um nicht zu sagen, das Geschehen kommentierende Gestalt, ist das Covent Garden Orchester unter dem ebenso kraftvollen wie präzisen, ebenso leidenschaftlichen wie lyrischen Zugriff Antonio Pappanos, der sich mit dem ‘Soundtrack” so etwas wie die Goldene Ehrennadel des Puccini-Dirigats verdient hätte. Der süßlichen Sentimentalität, die Spötter beständig an Puccinis Musik wahrnehmen wollen, geht er durch feste Tempovorgaben und einen gleißend kalten Orchesterklang aus dem Weg, zu dem ihn nicht zuletzt der Polizeistaat der Handlung ausreichend berechtigt. Doch erschöpft er sich seine Deutung gottlob nicht etwa in einer orchestralen Tour de force, die sich durch Metrik und Kraftmeierei den Fährnissen des Sentiments zu entziehen sucht: die lyrischen Momente zwischen Tosca und Cavaradossi im ersten Akt, die ungemein zärtlich aus dem dröhnenden Truppenschritt des Tutti hervorstehen, zeigen Pappanos wahre Meisterschaft.

Schade lediglich, dass Alagnas Darstellungskunst sich bei allem musikalischem Schmelz an ein Publikum wendet, das weiter als 30 Meter von ihm entfernt ist. Sein Silberblick, der leidvoll in geahnten Fernen des Glücks zu schwimmen scheint, trifft nur selten die bezaubernde Sängerin in Kussweite. Die Mimik pendelt zwischen drei Ausdrücken (Erstaunen,Liebe,Leid,Leid,Leid).
Schade für Angela Gheorghiu, die mit dem Facettenreichtum ihrer mimischen Darstellung ihre musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten (kein Makel - von Intonation und Phrasierung bis hin zu ihrem berückenden messa di voce einfach umwerfend) ungeheuer zu potenzieren versteht. Auf ihren bohrend kuhäugigen Furor, gekleidet in blutrote Robe, trifft im Scarpia Ruggero Raimondis jene delikate Bosheit in Musik und Darstellung, die Raimondi zu so etwas wie dem role model für diese Bühnenfigur gemacht hat. Nur diesmal kann man ihn und seinen genüsslich zuckenden Mund in Großaufnahme genießen, unbestreitbar der größte Vorteil dieser Produktion gegenüber abgefilmten Bühnenversionen. Wen kümmert es da noch, dass das Booklet nichts außer der Titelliste enthält, und das einzige Feature der klanglich hervorragend abgemischten DVD (verfügbar sind Tonspuren in PCM Stereo, und den 5.1-Formaten DTS und Dolby digital, Untertitel werden in Italienisch und Deutsch angeboten) eine Sammlung von Werbetrailern des Labels ist. Eine wirklich überzeugende filmische Umsetzung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Kritik von Carsten Hinrichs,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Puccini, Giacomo: Tosca

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
10.06.2002
117:00
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
4006680107042
100 704


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Puccini, Giacomo


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Dirigent(en):Pappano, Antonio
Interpret(en):Orchester des Royal Opera House, Covent Garden,
Orchester/Ensemble:Orchester des Royal Opera House, Covent Garden


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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