> > > Brahms, Johannes: Die Orchesterwerke
Samstag, 14. Dezember 2019

Brahms, Johannes - Die Orchesterwerke

Gelungene Sammlung


Label/Verlag: Antes Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Angesichts des Umfangs dieser Ausgabe könnte man schon fast ins Schwärmen geraten: Die vier Sinfonien, die Tragische Ouvertüre op. 81, die Akademische Festouvertüre op. 80 und die Variationen op. 56a über ein Thema von Haydn in einer Box mit 4 CDs vereint, das ist eine gelungene Zusammenstellung. Wenn man also nach der Zweckmäßigkeit beurteilen möchte, ist es natürlich immer von Vorteil ein solch komplette Sammlung dieses großen Komponisten im Schrank stehen zu haben. Hier sind eigentlich die wichtigsten Werke für Sinfonisches Orchester vereint, die man sonst nur selten in einer solchen praktischen Konstellation findet. Johannes Brahms, ein Minimalist? ?Die Basslinie ist heilig [?], der feste Grund, auf dem ich meine Geschichten baue.? Dieses Zitat zeigt seinen Kompositionsstil deutlich auf. In seinen Sinfonien arbeitete Brahms stets mit dem Prinzip der ?entwickelnden Variation?, das heißt, es besteht ein einziger thematischer Kern, aus dem durch ständige Veränderung und Fortspinnung neue Formen entstehen, die bei genauer Betrachtung jedoch immer auf ihren Ursprung zurückzuführen sind. Brahms hat im Laufe seiner Arbeit als Komponist diesen Kompositionsstil nahezu perfektioniert, so dass er sogar von einigen nachfolgenden großen Komponisten wie Gustav Mahler teilweise übernommen worden ist.
Angesichts der Tatsache, dass den Sinfonien hier unter anderem die Variationen über ein Thema von Haydn hinzugefügt sind, kann man anhand dieser Sammlung aus 4 CDs den Grundgedanken dieser Methode und die Entwicklung von Johannes Brahms in seinem Schaffen gut nachvollziehen. Sie erschienen 1864, zwölf Jahre vor der ersten Sinfonie, sind also in gewisser Weise Vorstudien zu seinem sinfonischen Schaffen, er behielt nämlich auch einen starken innerlichen Verbund und Zusammenhang der einzelnen Variationen untereinander bei, was bis dahin nicht der Fall gewesen war, denn oft waren Variationen vor Brahms ein Konglomerat unterschiedlichster Formen und Charaktere, die ohne besondere inhaltliche Verknüpfung aneinandergereiht waren.

Der Klang der Aufnahme
Man kann nicht leugnen, dass bei dieser Aufnahme mit einer großen Präzision gearbeitet wurde, sowohl auf Seiten des Orchester als auch der Technik. Es herrscht eine Klarheit und Stimmigkeit über den gesamten Verlauf der Werke, was offensichtlich das oberste Gebot der Aufnahmeleitung war. Leider geht diese bis ins kleinste Detail ausgereifte Präzision zu Lasten des Gesamteinklangs, der nicht das Schillern und die Größe hat, die man von romantischen Werken erwarten würde. Vor allem die Holzbläser wirken in den cantablen Stellen im Piano oft etwas flach und weisen nur wenig der charakteristischen Dichte auf, die man in den Werken von Johannes Brahms erwartet und auch häufig wiederfindet. Keinesfalls kann man jedoch den Musikern vorwerfen, sie hätten diese Aufnahme emotionslos eingespielt. Vielmehr muss man dem Tontechniker vorwerfen, der offensichtlich an den pompösen Tutti-Stellen einen zu aggressiven, verschwommenen und undurchsichtigen Klang vermeiden wollte, dass er vergessen hat, diesen Effekt an den ausgedünnten und leisen Stellen aufzuheben und die Instrumente glänzen zu lassen. Trotzdem: Eine gelungene Sammlung großer romantischer Orchestermusik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Kai Linsenmaier,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms, Johannes: Die Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Antes Classics
1
20.08.2002
3:34:48
1991
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4014513020987
BM-CD 16.9001

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Brahms, Johannes


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Dirigent(en):Bachmann, Robert
Orchester/Ensemble:Royal Philharmonic Orchestra


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Antes Classics

Zu Beginn der 90er Jahre wurde die ANTES EDITION gegründet, in der hochwertige E-Musik auf Tonträger und im Notendruck erscheint unter dem Motto: Hohe Qualität, unvergleichliches Repertoire und Förderung junger Talente. So wird Komponisten und ausübenden Musikern ein kreatives und aktives Forum der klassischen Musik geboten. Veröffentlicht wurden bisher mehr als 250 CD-Produktionen mit ausgefallenen Kammermusikwerken und herausragenden Interpretationen des bekannten Repertoires. Einen besonderen Schwerpunkt stellt eine Reihe zeitgenössischer Werke aus Estland dar. Gerade die Tatsache, dass Estlands Avantgarde nicht an der Richtschnur westlicher Tendenzen in der Neuen Musik zu messen ist, macht sie so interessant.

Eine Vielzahl hervorragender Kritiken und Informationen wurden publiziert.

ANTES EDITION ist ein Label der BELLA MUSICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER


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