> > > Furioso, Orlando: Madrigali Sul Poema Di Ludovico Ariosto
Samstag, 6. März 2021

Furioso, Orlando - Madrigali Sul Poema Di Ludovico Ariosto

Inspirierender Orlando


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine interessante Formation, gebildet aus versierten Vokalisten: Das Ensemble La Compagnia del Madrigale bietet ein rundum niveauvolle Platte mit Madrigalen des 16. Jahrhunderts.

Ludovico Ariosts (1474-1533) großes Versepos ‚Orlando Furioso’ war im Verlauf des 16. Jahrhunderts nicht nur literarisch außerordentlich einflussreich – auch auf die musikalische Welt hatte das erstmals 1516 veröffentlichte Werk größte Auswirkungen. Spätestens die dritte, erweiterte Ausgabe des Jahres 1532 löste einen wahren Boom von madrigalischen Vertonungen aus. Selbst die Behauptung, dass Ariost mit seiner umfangreichen Dichtung der Entwicklung des Madrigals einen deutlichen Schub gegeben hat, ist nicht allzu gewagt.

Dabei ist eine Unterscheidung nötig: Wenn in der Gegenwart vom Madrigal gesprochen wird, ist ganz überwiegend das reife, hochexpressive Madrigal Monteverdis, Marenzios, Gesualdos oder d’Indias gemeint. Auch die Praxis der Alten Musik widmet sich vor allem diesem Repertoire. Dabei ist das ältere Madrigal, um das es auf der vorliegenden Platte geht, musikhistorisch ebenso interessant, zeigt sich bei näherem Hinsehen, dass sich etliche der bedeutendsten Komponisten des 16. Jahrhunderts dieser erblühenden Gattung mit einigem Ertrag gewidmet haben. Die Liste der im Programm vertretenen Namen liest sich entsprechend beeindruckend: Neben Orlando di Lasso, Cipriano de Rore, Philippe Verdelot oder Giaches de Wert stehen Giovanni Pierluigi da Palestrina, Alessandro Striggio, Andrea Gabrieli, Alfonso Ferrabosco oder gar William Byrd. Sie alle haben sich, beginnend mit der frühen, noch verhaltenen Arbeit Bartolomeo Tromboncinos, fruchtbar mit Ariosts Epos befasst und entlang dieser Verse ihre immer befreiter wirkende Kunst entfaltet. Denn unterschieden ist dieses ältere Madrigal vom uns vertrauteren Modell des beginnenden 17. Jahrhunderts vor allem durch eine deutlich gedämpftere Expressivität, die ihre wortdeutenden Qualitäten aus der Mitte des dichten kontrapunktischen Satzes heraus entfaltet.

Bemerkenswerter Erstling

In etlichen der wichtigen italienischen Vokalensembles ist in den vergangenen Jahrzehnten ist eine enorme madrigalische Expertise kumuliert worden – Rinaldo Alessandrinis Concerto Italiano und Claudio Cavinas La Venexiana seien stellvertretend für diese hohe Qualität genannt. Aus Mitgliedern dieser beiden Formationen hat sich nun La Compagnia del Madrigale formiert, in der Besetzung mit den Sopranen Rossana Bertini und Nadia Ragni, der Altistin Elena Carzaniga, den Tenören Giuseppe Maletto, Raffaele Giordani und Paolo Borgonovo, dem Bariton Marco Scavazza sowie dem Bass Daniele Carnovich. Alle sind aus wichtigen Produktionen in etlichen Konstellationen bekannt und stehen für höchstes vokales Niveau. Dass die drei- bis sechsstimmig agierende Formation diese sehr präsenten Einzelstimmen aus dem Stand zu einem bemerkenswert fein balancierten Ensembleklang zusammenführt, ist demnach zwar keine Überraschung, aber doch sehr positiv zu vermerken.

Die Vokalisten sind bei den jüngeren Madrigalen besonders versiert, finden sich aber dank ihrer umfassenden Erfahrung im geistlichen Repertoire der Renaissance ebenso mühelos im älteren Idiom zurecht. Beeindruckend sind neben der ebenso stabilen wie freien Intonation die Momente gesammelter Deutung, zu denen sich die Akteure immer wieder konzentrieren. Auch die Wahl der Tempi verdient Erwähnung, widersteht das Ensemble doch zuverlässig der Gefahr, die Sätze angesichts ihrer  strukturellen Dichte mit zu wenig Frische zu versehen. Artikulatorisch dominiert natürlich die lange Linie, wobei in dieses Geflecht eingewobene knappere Gesten durchaus im Detail aufflammen lassen, was sich im späteren Madrigal expressiv Bahn brechen sollte.

Der Klang ist erfrischend klar, relativ direkt, skelettiert den Ensembleeindruck aber keineswegs. Eine schöne Staffelung sichert die gelungene Balance aller Register. Im durchgehend viersprachigen Booklet sind sämtliche Texte Ariosts abgedruckt, auch der ebenso umfassende wie fundierte Einführungstext ist sehr überzeugend gelungen. La Compagnia del Madrigale präsentiert einen nobel gesungenen, programmatisch fein disponierten Erstling: Denn die Auswahl der Sätze spiegelt nicht nur die Vielfalt der musikalischen Ariost-Rezeption der Zeit, sondern versammelt auch Verse aus den inhaltlichen Schlüsselepisoden des Orlando-Epos’. Das Ensemble deutet mit dieser Platte an, wo kompositorische Perlen zu finden sind und dass es sich lohnt, das bislang eher im Schatten der jüngeren Überlieferung stehende ältere Madrigal-Repertoire weiter zu sichten. Mehr erfreuliche Platten sind also von diesem neuen und zugleich so erfahrenen Ensemble zu erhoffen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Furioso, Orlando: Madrigali Sul Poema Di Ludovico Ariosto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.09.2011
Medium:
EAN:

CD
8033891690465


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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