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Montag, 14. Juni 2021

Salam, Paz & Shalom - Canticum Novum

Flächig und rhythmisch


Label/Verlag: Ambronay Editions
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Canticum Novum präsentiert auf einer vor allem atmosphärisch dichten Platte manche Wurzel iberischen Musizierens.

Auf seiner aktuell vorliegenden Platte widmet sich das französische Ensemble Canticum Novum unter dem Titel ‚Paz, Salam & Shalom’ jenem faszinierenden kulturhistorischen Umfeld, das Spanien in jener Zeit bot, als die drei großen Buchreligionen noch in einem fruchtbaren, weitgehend friedlichen Austausch miteinander standen und Iberien in vielerlei Hinsicht prägten. Von dieser Sphäre hat sich schon manch interessantes Projekt programmatisch ambitionierter Ensembles der Alten Musik inspirieren lassen – stellvertretend kann die intensive Beschäftigung Jordi Savalls mit diesem Themenkreis genannt werden.

Die Produktion des vom Altisten Emmanuel Bardon geleiteten Ensembles Canticum Novum fügt sich auf durchaus respektablem Niveau in diese Reihe ein, auch durch die harmonische Programmwahl überzeugend: Einen wesentlichen Kern bilden die ‚Cantigas de Santa Maria’ aus der Herrschaftszeit König Alfons’ des Weisen. Diese Gesänge aus dem 13. Jahrhundert sind mit ihrer kreativen Substanz gewissermaßen eine sichere Bank in jedem Programm dieses Zuschnitts, so auch hier. Erweitert wird das Programm um Musik der sephardischen Tradition, die mit bemerkenswerten Farben ebenso Räume für spielerische Improvisation öffnen wie es die Vorlagen moslemischer Prägung tun. Zwei affektive Sphären werden von den Akteuren dabei durchmessen – einerseits sind tänzerische, stark rhythmisierte Impulse präsent, andererseits sind es vor allem große, lyrische Klangflächen, die intensive Wirkungen entfalten.

Kundig und mit Klangphantasie

Das kreative Ensemble Canticum Novum bewegt sich sehr sicher und kundig in diesem schriftlich wenig fixierten Umfeld. Die Sopranistin Barbara Kusa sendet hell leuchtende Strahlen in den Klangstrom und ist mit dieser Klarheit der vokale Höhepunkt der Produktion. Der Altus von Emmanuel Bardon hat eine lyrisch-klagende Note, der Bass von Yves Bergé wirkt rau, erdig und ungekünstelt – wie überhaupt der klassische vokale Wohlklang nicht im Zentrum der interpretatorischen Aufmerksamkeit steht. In der finalen 209. Cantiga vereinen sich die drei Vokalisten schließlich zu einem atmosphärisch dichten Zusammenklang.

Verschiedene Zupf- und Streichinstrumente kommen zum Einsatz, eine Flöte und diverse Perkussionsinstrumente. Damit ist die Formation erklärtermaßen nicht auf puristischer Originalklangsuche und besetzt die Stücke doch nicht beliebig. Zu Grunde liegt dem Ensembleansatz ein feines, hörendes Musizieren, jeder noch so kleine Beitrag ist relevant, etwa die vielfältigen Beiträge der Perkussionisten. Etliche quasi improvisatorische Flächen werden mit Klangphantasie und manueller Exzellenz durchmessen, schöne Tempowechsel fließend entwickelt. Die Vokalstimmen dominieren gemeinsam mit der Flöte das lineare Moment, das farbige Schlagwerk bringt intensive rhythmische Impulse ein.

Klanglich ist das Geschehen klar, mit einer schönen räumlichen Note, zugleich in plastischer Struktur abgebildet. Das Booklet ist fotografisch schlicht exzellent zu nennen, kann aber trotz seiner viersprachigen Ausführung nicht ganz über seinen eher kargen, zudem einigermaßen vage bleibenden Inhalt hinwegtäuschen. Die Musiker bewegen sich frei und doch in respektvoller ästhetischer Dezenz in den alten Vorlagen, deuten farbig und doch sensibel. Man ist in dieser musikalischen Überlieferung gut beraten, nicht allzu akademische Ansätze zu verfolgen – etliche namhafte Interpreten alter und ältester Musik halten es mit Erfolg so. Und auch hier sind – bei allem hörbaren Respekt für die historische Überlieferung – die Impulse aus dem freien Musizieren interpretatorisch besonders ertragreich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Salam, Paz & Shalom: Canticum Novum

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ambronay Editions
1
16.09.2011
Medium:
EAN:

CD
3760135100330


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Ambronay Editions

Autour du Festival de musique ancienne créé en 1980, activité emblématique du CCR, Ambronay développe un ambitieux programme d'insertion professionnelle de jeunes artistes et créateurs, accorde une place importante à la pratique amateur et à l'action culturelle, propose une offre patrimoniale riche et variée et engage une réflexion approfondie sur les rapports entre culture, tourisme et économie avec la mise en place d'un centre de séminaires et d'un club d'entreprises. L'ensemble de ces activités bénéficie d'une diffusion internationale via le label de disques Ambronay Éditions.


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