> > > Dussek, Franz Xaver: Three Sinfonias
Mittwoch, 13. November 2019

Dussek, Franz Xaver - Three Sinfonias

Tschechische Rarität


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


?Was wäre der moderne Mensch ohne Internet und ohne die Google-Suchfunktion!??, dachte sich der Rezensent als er eine CD mit Werken von Franz Xaver Dussek erhielt und ihm die im Bücherregal vorhanden Lexika den Dienst verweigerten. Wer war dieser Franz Xaver Dussek, den Zeitgenossen zu den bedeutendsten Cembalisten und Pianisten zähl-ten?
Um das Jahr 1770 ließ sich Dussek in Prag nieder und erwarb dort in kurzer Zeit einen hervorragenden Ruf als Pianist, Musiklehrer und Komponist. 1777 heiratete er seine ehemalige Schülerin Josepha Hambacher, eine berühmte Sängerin und Pianistin. Ein Besuch bei ihren Verwandten in Salzburg führte zur Bekanntschaft mit Wolfgang Amadeus Mozart. Zwischen beiden Musikern entstand mit der Zeit eine tiefe Freundschaft. So vollendete Mozart seine Partitur zu ?Don Giovanni? (1787) und wahrscheinlich auch ?La clemenza di Tito? (1791) als Gast der Dusseks in deren 1784 erworbenen Sommerresidenz, der Villa Betramka in Kosire bei Prag.
Die Quellen weisen Dussek als einen der prominentesten und beliebtesten Komponisten seiner Zeit in Prag aus. Er schrieb zahlreiche Sonaten, Variationen und Konzerte für Cembalo und Klavier sowie Sinfonien und Streichquartette. Trotz seiner beachtlichen Popularität in Prag, drang sein Ruhm kaum über die Grenzen der Stadt hinaus. Ursache hierfür waren wahrscheinlich strenge Beschränkungen, die seine Förderer der Veröffentlichung seiner Werke auferlegten. Was für damalige Zeiten durchaus nicht ungewöhnlich war.

Es ist mal wieder das Label Naxos, dass uns die Werke eines fast vergessenen Komponisten ins Gedächtnis zurückruft. Zusammen mit dem 1995 gegründeten und auf historischen Instrumenten spielenden Orchester Helios 18 unter Leitung von Marie-Louise Oschatz hat man sich dreier viersätziger Symphonien Dusseks aus der Sammlung des Grafen Clam Gallas angenommen: Sinfonia g-moll (Altner G2), Sinfonia es-moll (Altner Eb3) und Sinfonia f-moll (Altner F4). Ob die Nummern eine chronologische Reihenfolge bezeichnen ist unbekannt.
Mit gutem Grund waren die Prager Bürger des 18. Jahrhunderts von Dusseks Kompositionen begeistert. Dussek weiß ausgezeichnet mit der Orchesterinstrumentierung umzugehen. Er kennt Stärken und Schwächen eines Klangkörpers. Bei den hier eingespielten Sinfonien, die in der Struktur sehr der sogenannten ?Wiener Sinfonie? ähneln, ist besonders auf die Verwendung der Holzbläser zu achten. So lässt Dussek sie eine Vielzahl einzelner Figuren übernehmen, was für die damalige Praxis eher ungewöhnlich ist. Allerdings bleiben wichtige thematische Aufgaben den Streichern vorbehalten.
So fortschrittlich und beliebt Dusseks Kompositionen auch waren. Einem direkten Vergleich mit den Werken seines Freundes Mozart, halten sie kaum stand. Dafür ist sein Kompositionsstil zu konservativ. Einen Vergleich mit seinen Landsmännern Vanhal und Kozeluch braucht Dussek hingegen nicht zu scheuen.

Unterstützt von einer ausgewogenen Aufnahmetechnik widmen sich Helios 18 und Marie-Louise Oschatz recht ordentlich den ausgewählten Sinfonien. Hier wird zumeist sauber und engagiert musiziert. Einzig etwas mehr Ausdruck und Differzierung in der Dynamik wünscht man sich, da Dusseks Musik sonst leicht in Gefahr gerät langweilig zu werden. Oschatz unternimmt leider kaum den Versuch, Ecken und Kanten der Sinfonien zu entdecken und diese auszuspielen. Potential bieten Dusseks Sinfonien allemal. Man muss nur bemüht sein, diese auch zu finden.
Trotzdem: Eine schöne Aufnahme, die Lust auf weitere Einspielungen mit Dusseks Werken macht. Hierzu trägt nicht zuletzt auch das insgesamt informative CD-Booklet bei. Die biographischen Hinweise zum Orchester und seiner Leiterin findet der geneigte Leser allerdings nur in Englisch vor.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Boris Boechel,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dussek, Franz Xaver: Three Sinfonias

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
11.02.2002
68:53
2001
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0747313587827
8.555878

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Dussek, Franz Xaver
 - Sinfonia in G major, Altner G2: I. Allegro assai -
 - Sinfonia in G major, Altner G2: II. Andante grazioso -
 - Sinfonia in G major, Altner G2: III. Minuetto -
 - Sinfonia in G major, Altner G2: IV. Presto -
 - Sinfonia in E flat major, Altner Eb3: I. Maestoso - Vivace -
 - Sinfonia in E flat major, Altner Eb3: II. Andante -
 - Sinfonia in E flat major, Altner Eb3: III. Minuetto -
 - Sinfonia in E flat major, Altner Eb3: IV. Allegro -
 - Sinfonia in F major, Altner F4: I. Vivace -
 - Sinfonia in F major, Altner F4: II. Andante -
 - Sinfonia in F major, Altner F4: III. Minuetto -
 - Sinfonia in F major, Altner F4: IV. Allegro assai -


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Interpret(en):Helios 18,
Oschatz, Marie-Louise


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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