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Samstag, 23. Oktober 2021

Bizet, Georges - Die Perlenfischer

Definitive Einspielung


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die definitive Aufnahme von Bizets 'Die Perlenfischer' kommt neu beim Label Guild heraus.

Georges Bizets 1863 an der Pariser Opéra Comique uraufgeführte Oper 'Die Perlenfischer' war zu Lebzeiten des Komponisten kein großer Erfolg. Dabei entsprach das Libretto mit seinem exotischen Schauplatz Ceylon und dem Motiv der ‚heiligen Jungfrau’ durchaus der damaligen Mode. Doch erst nach dem Tode des Komponisten und dem Welterfolg seiner 'Carmen' erhielt Bizets erster Versuch auf dem Gebiet des ‚drame lyrique’ erneut Aufmerksamkeit. Da war die Originalpartitur jedoch bereits verlorengegangen, so dass die Rezeptionsgeschichte des Werkes bis heute durch verschiedene Fassungen geprägt wird, die vor allem den Schluss des Dreiakters betreffen. Die 1886 uraufgeführte Fassung verhalf 'Les pêcheurs des perles' zu internationalem Erfolg und liegt auch der Aufnahme von 1953 zugrunde, die nun beim Label Guild neu herauskommt.

Verführerisches Timbre

Im Zentrum der Einspielung stehen als Liebespaar die frankokanadischen Sänger Pierrette Alarie und Léopold Simoneau. Beide waren auch im wirklichen Leben verheiratet, begannen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg glänzende Karrieren in Europa und zählten zu den gefragtesten Sängern der Opéra Comique. Als Léïla und Nadir verfügen sie nicht nur über die notwendigen vokalen Mittel, gestalterische Leichtigkeit, Schönheitssinn und Eleganz, sondern auch über das bei der französischen Oper so unentbehrliche Sprachgefühl. Damit machen sie ihre Rollen auch dort glaubhaft, wo das Libretto nach heutigen Maßstäben seine Schwächen hat. Zu den Höhepunkten ihrer Interpretation gehört das makellose Duett im zweiten Akt, in dem sie gemeinsam zu atmen scheinen und ihrem Ruf des ‚Mariage vocal parfait’ (perfekte vokale Ehe) alle Ehre machen. In der geradezu schmeichelnd gesungenen Arie 'Je crois entendre encore' zeigt Simoneau sein herrliches Mezza voce und eine elegante Leichtigkeit, in der sich nicht zuletzt auch die Gestaltungskunst des vornehmen Mozart-Sängers offenbart, als der Simoneau in den Fünfzigerjahren gefeiert wurde. Léïlas Récit und die Cavatine im zweiten Akt gestaltet Alarie mit verführerischem Timbre, leuchtenden Piano-Effekten, gallischer Brillanz und einer unfehlbaren Diktion, die auch bei den waghalsigsten Koloraturen nicht versagt.

Geschmack und Delikatesse

Textverständlichkeit demonstriert auch René Bianco (Zurga), der im berühmten Duett mit Simoneau ('Au fond du temple saint') seine Qualitäten als Ensemblesänger unter Beweis stellt und im dritten Akt eine glaubhafte Wandlung vom Rivalen Nadirs zum Retter des Liebespaares durchmacht. Xavier Depraz verleiht der Nebenrolle des Nourabad Gewicht und eigenes Profil. Jean Fournet, der von 1944 – 57 Direktor der Pariser Opéra Comique war, dirigiert das Orchestre des Concerts Lamoureux mit Theatersinn, Delikatesse und herzerwärmender Liebe zum Detail. Auch wenn es inzwischen rekonstruierte Fassungen der Partitur gibt, die wohl näher an den Intentionen Bizets liegen, muss diese Aufnahme immer noch als die definitive Einspielung von Bizets 'Perlenfischer' gelten. Als besonderen Bonus gibt es dazu auf der vorliegenden CD ein französisches Arienprogramm (Aufnahme 1953) aus Opern von Georges Bizet, Jacques Offenbach, Charles Gounod, Léo Delibes und Ambroise Thomas, in denen Pierrette Alarie als wandelbare Sängerin mit berückender Eleganz, jungendlichem Feuer und hinreißendem Charme glänzt – französische Oper auf höchstem Niveau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bizet, Georges: Die Perlenfischer

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
26.09.2011
Medium:
EAN:

CD
795754238327


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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