> > > Dvorák, Antonín: Sinfonien Nr. 2 & 6
Mittwoch, 12. August 2020

Dvorák, Antonín - Sinfonien Nr. 2 & 6

Dvořák ohne Biss


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dvořáks Symphonien Nr. 2 und 6 werden von der Tschechischen Philharmonie Prag und Zdeněk Mácal sehr klangschön, aber etwas zu zahm interpretiert.

Dieser Dvořák überzeugt nicht ganz. Erstens ist die Zweite Symphonie relativ unbekannt und kann, verglichen mit der Wirkung der späteren Meisterwerke Dvořáks, nicht mithalten, zweitens scheint die Interpretation auch in der Sechsten Symphonie des inzwischen bekannten und erfolgreichen Dvořák, der längst seine typische Klangsprache gefunden hat, zu zahm.

Der damals 70-jährige Zdeněk Mácal leitet die Tschechische Philharmonie Prag in zwei Aufnahmen vom September 2006, und dabei kommt ein sehr schöner, gleichmäßig fließender Orchesterklang heraus. Der Beginn der Sechsten Symphonie zum Beispiel ist vielversprechend. Die Holzbläser spielen ihre lyrischen Einwürfe schön luftig und leicht, schnell wird man in die pastorale Stimmung versetzt, die diesen Satz zu guten Teilen ausmacht. Der Klang der Produktion ist ziemlich ehrlich; einzelne Instrumente scheinen nicht zu stark hervorgehoben. Die in Prag aufgezeichneten Aufnahmen erscheinen in modernster Klangtechnik auf zwei Super Audio-CDs im Fünfkanal Surround-Sound.

Aber der Schönklang hat eben doch seine Schwächen. Fast zu ausgewogen erscheint die Orchesterbalance, da dürfte an entsprechenden Stellen zum Beispiel das Blech manchmal ein wenig mehr strahlen, denn etwas matt wirkt es schon. Und für den üppigen Hall hat man beim Label Exton dann offenbar doch ein wenig zu tief in die technische Trickkiste gegriffen: So klingt kein echter Konzertsaal. Außerdem wirken die Konturen oft zu weich. Ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren aus Klangtechnik und Interpretation mag Schuld daran sein, jedenfalls kommt ein Satz wie der berühmte Furiant der Sechsten Symphonie bis zu seinem doch eigentlich so rasanten Schluss nicht richtig auf Touren. Dabei ist das Grundtempo gar nicht zu langsam gewählt, vielmehr vermisst man entschlossene Akzente und einen gewissen Biss.

Auch in anderen Sätzen fällt auf, dass das Orchester satter klingen könnte, dass ein schwungvollerer Zugriff angebracht wäre. So bleibt auch im Finale der Sechsten Symphonie der Klang nobel und vornehm, die Spielfreude scheint jedoch gedämpft; ein Klangrausch bleibt aus. Man wird zwar manchmal durch Nebenstimmen überrascht, die man in anderen Aufnahmen nicht hört, aber dafür fehlt die nötige Dramatik. Für die zweite Symphonie gilt im Grunde dieselbe Diagnose: Schwungvoller und zupackender könnte man sich auch hier besonders Scherzo und Finale vorstellen. Das japanische Beiheft enthält in englischer Übersetzung einen soliden Text zu den Werken, nicht jedoch zu den Interpreten.

Interpretation:
Klangqualität:
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Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorák, Antonín: Sinfonien Nr. 2 & 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
2
01.07.2011
Medium:
EAN:

SACD
4526977050030


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

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