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Freitag, 23. August 2019

Donizetti, Gaetano - Lucia di Lammermoor

Getrieben


Label/Verlag: Mariinsky
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nachdem Natalie Dessay in aller Welt als Lucia reüssiert hat, kann man ihre Interpretation nun auch auf CD erleben - als Studio-Aufnahme beim Haus-Label des Mariinsky Theaters unter Leitung von Valery Gergiev.

Obwohl sie, was Kunstfertigkeit und emotionalen Tiefgang angeht, durchaus nicht einzig dasteht im Sopran-Repertoire, gilt Donizettis Lucia di Lammermoor als Divenrolle schlechthin. Die Partie nach Maria Callas, Joan Sutherland und Edita Gruberová einzuspielen, erfordert daher neben adäquatem Können auch eine ordentliche Portion Selbstvertrauen. Eine, die Vergleiche mit großen Vorbildern nicht scheuen muss, weil sie etwas Eigenes zu sagen hat in dieser Partie, ist Natalie Dessay. Nachdem die Sängerin in aller Welt als Lucia reüssiert und bei mehreren TV-Übertragungen mitgewirkt hat, kann man ihre Interpretation nun auch auf CD erleben – als Studio-Aufnahme beim Haus-Label des St. Petersburger Mariinsky Theaters unter Leitung von Valery Gergiev.

Der im Opernbereich anerkannte, manchmal leider nur punktuell wahrgenommene Dirigent sorgt am Pult des delikat spielenden Mariinsky-Orchesters zwar nicht für eine Donizetti-Sternstunde, breitet die Partitur aber schön, differenziert und stilsicher genug aus, um Kritik jedweder Art auf ein hohes Grundniveau zu zwingen. Durch die Plastizität des SACD-Mehrkanal-Tons (und Gergievs präzise Vermittlung zwischen Musikern, Chor und Solisten) besonders eindrücklich gelingen die Ensemble-Szenen, und hier vor allem das Tableau zu Beginn des ersten und das rhythmisch vertrackte Sextett am Ende des zweiten Aktes.

Nicht nur die Nebenrollen sind mit (soliden bis guten) Hauskräften besetzt, sondern auch die Hauptpartie des Enrico. Vladislav Sulimsky, der international bisher kaum bekannt ist, obwohl er mit dem Mariinsky Theater bereits an vielen wichtigen Häusern zu erleben war, präsentiert seinen kraftvoll-kernigen, in allen Lagen gut geführtem Bariton mehr als vorteilhaft und kann sich auch gestalterisch an der Seite einer so intensiven Partnerin behaupten. Dessays bewusste, von ihr selbst immer wieder hervorgehobene Fixierung auf die darstellerische Durchdringung einer Rolle ist per se löblich, gibt es doch genügend Beispiele für schauspielerisch unengagierte Opernsängerinnen und -sänger. Bedenklich scheint allein, dass man geneigt ist, in dieser Schwerpunktsetzung einen impliziten Erklärungsversuch für den kritischen stimmlichen Zustand der französischen Koloraturkönigin zu sehen, der zuletzt im Rahmen der Wiener Traviata-Premiere Anlass zu Diskussionen gab.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dessays Studio-Lucia lässt diese Probleme nur in sehr abgeschwächter Form hörbar werden. Die Stimme klingt zwar nicht mehr so kristallklar, so mühelos wie vor 10 Jahren, hat aber immer noch das exquisite Timbre, die Schlankheit und Akribie der Ausführung, um in 'Regnava nel silenzio' und der Wahnsinnsszene ohne Einschränkungen zu überzeugen. In den Duetten und Ensembles muss sie – den Mikrofonen sei Dank – ihre relativ schwach ausgeprägte Mittellage nicht über Gebühr forcieren und kann alle Nummern mit sicher angesteuerten und ausgehaltenen Spitzentönen beenden. Eine Besonderheit stellt sicherlich ihr 'Spargi d’amaro pianto' dar, dessen Nachdruck neben den Verzierungen im Wiederholungsteil (und Gergievs subtil-eisernem Zug am Tempohebel) auch auf Dessays enorme Fähigkeit zur Ausdruckssteigerung zurückzuführen ist: Lucia ist nicht einfach wahnsinnig, kein Klischee, sondern eine Getriebene, die sich ihrem Ende bereitwillig entgegenstürzt.

Die sängerisch beste Leistung allerdings kommt – wenig überraschend und doch erfreulich – von Piotr Beczala, der in seinem Fach heute unübertroffen sein dürfte und als Edgardo mit historischen Idealen auf Tuchfühlung geht. Nicht nur singt er Lucias Geliebten mit tenoralem Strahl und völlig mühelosen Höhen – er konzentriert sich bei der Gestaltung auch aufs Wesentliche, übersetzt Gefühle eins zu eins in Töne. Sogar seine Schluchzer klingen authentisch und zeigen die große Arie 'Fra poco a me ricovero' als das, was sie im Kern ist: ein Liebes-Lamento.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Alexander Meissner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Donizetti, Gaetano: Lucia di Lammermoor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Mariinsky
2
01.08.2011
Medium:
EAN:

SACD
822231851226


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Mariinsky

Das Mariinsky-Theater gehört zu den renommiertesten Opernhäusern der Welt. Zu Sowjetzeiten in Kirow Theater unbenannt, trägt es seit 1992 wieder seinen ursprünglichen Namen. Seit 1996 ist Valery Gergiev dem Haus als künstlerischer Leiter und Intendant verbunden. Auf dem hauseigenen Label werden die herausragende künstlerische Leistung dieses traditionsreichen Hauses dokumentiert. Das Repertoire umfasst neben Oper auch das große symphonische und konzertante Repertoire des 19. und 20. Jahrhunderts.


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