> > > Jansa Duo - Rare Chamber Music Vol. III: Werke von Paganini, Hoffmann & Hermann
Dienstag, 12. November 2019

Jansa Duo - Rare Chamber Music Vol. III - Werke von Paganini, Hoffmann & Hermann

Beeindruckende Virtuosität


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch im dritten Teil seiner Serie mit seltener Kammermusik beeindruckt das Duo Jansa mit Werken von Paganini, Hoffmann und Hermann durch sein extrem virtuoses und musikalisches Spiel. Bravo!

Dies ist nun schon die dritte SACD einer Serie von musikalischen Raritäten in der Besetzung Violine und Cello, die das Jansa Duo zusammengestellt und in überzeugender Manier eingespielt hat. Nach spätromantischen Kompositionen auf der ersten und einem Plädoyer für den so gut wie unbekannten Beethoven-Zeitgenossen H. A. Hoffmann (1770-1842) auf der zweiten Platte, bewegt sich die dritte Ausgabe nun wieder in Richtung Romantik mit einem weiteren Werk von Hoffmann, drei Duettinos von N. Paganini (1782-1840) und einem Grand Duo von Fr. Hermann (1828-1907).

Es kommt wahrscheinlich selten vor, dass Stücke von N. Paganini auf einer CD als die am wenigsten virtuosen bezeichnet werden können. Allerdings beabsichtigte er, wahrscheinlich auch um eines besseren Verkaufserfolgs willen, dass seine drei Duetti Concertanti auch für ‚Liebhaber‘ spielbar sein sollten. Natürlich sind die jeweils zwei Sätze je Duo trotzdem virtuos geschrieben, enthalten aber keine Besonderheiten wie Flageoletts oder Pizzicato mit der linken Hand. Vielmehr verwöhnen sie Spieler und Zuhörer mit angenehmen Melodien in bester italienischer Operntradition und Rondosätzen mit zahlreichen Tanzelementen.

H. A. Hoffmann war bei Paganinis triumphalen Konzerten in Frankfurt am Main im Winter 1829/1830 Konzertmeister des den großen Teufelsgeiger begleitenden Sinfonieorchesters. Dabei schaute er sich bei diesem für sein letztes komponiertes Werk, sein Duo in E-Dur op.10, einige technische Raffinessen ab. Das einsätzige, über 25 Minuten lange Stück, fordert den beiden Virtuosen alles ab: viele Doppelgriffe, unter anderem in der dramatisch-düsteren Introduktion, extreme Lagen, virtuose Begleitfiguren, Oktavläufe, die schließlich gegen Ende des Satzes in einer groß angelegten Kadenz münden, bei der sich die Virtuosität nur noch um ihrer selbst willen zur Schau stellt. Man könnte denken, dass sich Hoffmann, angeregt von Paganini, auf die Violine beschränken würde; aber nein, er verlangt vom Cello-Part den gleichen Grad an Virtuosität, wie von der Geige – dabei kommt man schon beim Hören ins Schwitzen.

Fr. Hermann ist heute genauso unbekannt wie H. A. Hoffmann. Er gehörte zu den ersten Studenten am von F. Mendelssohn gegründeten Leipziger Konservatorium und studierte bei diesem und später bei N. W. Gade Komposition und Violine bei F. David, in dessen Gewandhausquartett er direkt nach seinem Studium und der Aufnahme ins Orchester die Bratsche übernahm. Wenig später wurde er auch ans Konservatorium berufen, dem er bis zu seinem Tod als Lehrer verbunden blieb. Die Nähe zu Mendelssohn hört man an den Begleitfiguren, die viel weniger plakativ virtuos sind als noch bei Hoffmann, sondern sich voll in den Dienst der Musik stellen. Insgesamt wirkt das Duo wie ein Doppelkonzert ohne Orchester, wunderbar klangvoll komponiert durch seine vielen Doppelgriffe und schnellen Begleitfiguren.

Wie schon auf der letzten SACD lässt das Spiel des Jansa Duo keine Wünsche offen. Ganz im Gegenteil ist man immer wieder überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit Christine Rox und Klaus-Dieter Brandt die größten technischen Schwierigkeiten meistern und dazu auch noch ständig den musikalischen Ablauf im Auge bzw. Ohr haben, als wäre es ein Leichtes. Dazu kommt ein beeindruckendes, an der Arbeit in „historisch informierten“ Ensembles geschultes Gefühl für Klangfarben und –nuancen, wie man es nicht oft zu hören bekommt. Der Klang der Aufnahme wirkt zunächst sehr direkt, fängt aber gerade dadurch alle Farbschattierungen perfekt auf und bettet sie in eine angenehme Räumlichkeit ein. Besondere Erwähnung muss auch noch der Booklettext finden, der auf immerhin 11 Seiten die Komponisten und Stücke vorstellt, und das jeweils in deutscher und englischer Sprache. Auf den Punkt gebracht: eine in jeder Hinsicht empfehlenswerte SACD! Wir freuen uns auf weitere Entdeckungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Jansa Duo - Rare Chamber Music Vol. III: Werke von Paganini, Hoffmann & Hermann

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.07.2011
Medium:
EAN:

SACD
4260052380963


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Hermann, Friedrich
 - Grand Duo brillant für Violine und Violoncello in g-Moll, op.12 - Allegro con fuoco
 - Grand Duo brillant für Violine und Violoncello in g-Moll, op.12 - Adagio
 - Grand Duo brillant für Violine und Violoncello in g-Moll, op.12 - Allegro moderato
Hofmann, Heinrich
 - Duo für Violine und Violoncell in E-Dur, op.10 - Introduzione Adagio Allegro
 - Duo für Violine und Violoncell in E-Dur, op.10 - Allegro risoluto
 - Duo für Violine und Violoncell in E-Dur, op.10 - Cadenza - Coda
Paganini, Niccolò
 - Duetto I in Es-Dur - Allegro
 - Duetto I in Es-Dur - Rondo Allegretto
 - Duetto II in g-Moll - Allegro
 - Duetto II in g-Moll - Rondo Presto
 - Duetto III in A-Dur - Allegro
 - Duetto III in A-Dur - Polonese Andantino con brio


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
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