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Dienstag, 7. Dezember 2021

Kammerchor I Vocalisti - Domine Deus - Chormusik des 20. & 21.Jahrhunderts

Sakral modern


Label/Verlag: Rondeau
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf einer jüngst veröffentlichten Einspielung interpretiert der Kammerchor I Vocalisti geistliche Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Eine kleine schwarze Jesusfigur an einem abstrakt anmutendem Kreuz auf schmutzigweißem Untergrund, dazu der Titel ‚Domine Deus‘: Das Cover der neuen CD des Kammerchors I Vocalisti, erschienen bei Rondeau Productions, lässt wenig Zweifel daran, dass die Aufnahme der geistlichen Musik gewidmet ist – und zwar der neuen und neuesten, wie der Untertitel ‚Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts‘ verrät. Ein eher unkonventionelles Programm also, das sich Komponisten zuwendet, die man sonst nicht allzu häufig hört.

Nachkriegsgebete und Vater unser

Einen Großteil der Aufnahme nimmt die 'Missa Rigensis' von Ugis Praulins in Anspruch, eine Vertonung der lateinischen Messetexte, denen das katholische Gebet 'Actus caritatis' zugefügt wird. Musikalisch zeichnet sich das Werk besonders durch – an die Renaissance erinnernde – polyphone sowie minimalistisch anmutende Passagen aus. Sehr berührend und beeindruckend ist Rudolf Mauersbergers recht bekanntes 'Wie liegt die Stadt so wüst', das der Komponist unter dem Eindruck der Zerstörung Dresdens am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 schrieb. Das spätromantisch anmutende Stück bildet durch tonale Wechsel und Intervallzusammensetzungen den Text deutlich ab. György Deak-Bardos‘ (1905-1991) 'Eli, Eli!‘ liegen Jesus letzte Worte am Kreuz, ‚Gott, warum hast Du mich verlassen‘, zugrunde. Da die Kompositionsmittel teilweise an das vorhergegangene Stück erinnern, wirkt es in musikalischer Hinsicht etwas farblos. Dagegen sticht Jozsef Karais (*1927) 'De profundis' als relativ modernes Werk deutlich hervor. Das atonale Stück, das teilweise auf aleatorischen Modellen fußt, zeichnet sich durch komplexe Klangteppiche, Sprechchöre und Glissandopassagen aus. Kurt Hessenbergs (1908-1994) 'Oh Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens' entstand, ähnlich wie Mauersbergers Komposition, nach Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs 1946. Spätromantische Harmonien und Polyphonie, zeitweise choralhaft anmutende Passagen, sind für dieses Werk bezeichnend. Abschließend erklingt eine Vertonung des 'Vater unser' aus der Feder des Komponisten Aleksander S. Vujic (*1945). Die Stimmführung dieses Werks, in dem die Bassstimme eine tragende Rolle einnimmt, wirkt instrumental, Rhythmus und Harmonik scheinen sich an poppigere Klänge anzulehnen.

Rund und stimmig

Wahrlich erfreulich an der Aufnahme ist die Leistung der 40 Sänger und Sängerinnen des Kamerchores I Vocalisti. Das norddeutsche Ensemble unter der Leitung Hans-Joachim Lustigs zeichnet sich durch einen schlichten, schlanken Klang aus, der sich zu dem geistlichen Repertoire gut fügt. Die Einheitlichkeit der Stimmen ist bemerkenswert und darf anderen Chören gerne als Vorbild dienen. Die Interpretation der Werke ist eindeutig und expressiv. Passend zudem, dass die CD in einer Kirche aufgenommen wurde. Der natürliche und nicht zu ausgeprägte Raumklang vermittelt auf unaufdringliche Weise Konzertatmosphäre. Da schaut man auch gerne mal über kleine Unsauberkeiten oder Schwächen hinweg. Ein kleiner Mangel der Einspielung ist allerdings, dass der Klang tontechnisch nicht immer optimal ausgesteuert wirkt. So klingen die Soprane vereinzelt unnatürlich schrill.

Für und Wider

Dank des starken Ensembles ist ‚Domine Deus‘ eine schöne Einspielung. Die recht unbekannten Werke erscheinen allerdings teilweise in ihrer Art recht ähnlich, so dass sie sich manchmal zu wenig voneinander abheben. Obwohl das Konzept mit viel Bedacht gewählt scheint, hätte eine größere stilistische Spannweite auch bereichernd wirken können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Lisa Otto Kritik von Lisa Otto,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kammerchor I Vocalisti - Domine Deus: Chormusik des 20. & 21.Jahrhunderts

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Rondeau
1
01.05.2011
Medium:
EAN:

CD
4037408060394


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Rondeau

Rondeau Production – am kulturellen Puls!

Rondeau Production ist ein Synonym für künstlerisch wie technisch erstklassige Einspielungen von geistlicher Chor- und Vokalmusik. Seit Jahren verbindet das Unternehmen eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Spitzenensembles der Vokalszene: Der Thomanerchor Leipzig, der Windsbacher Knabenchor, der Knabenchor Hannover – gerade hier engagiert sich Rondeau mit Begeisterung für die jungen Talente und stellt ihre beeindruckende Leistungsfähigkeit mit mehrfach ausgezeichneten Aufnahmen unter Beweis. Erstklassige Künstler, deren hohe Ansprüche an sich selbst und der Fokus auf besondere Qualität bedingen die eigene Unternehmensphilosophie und sind der Grundstein für ein in dieser Ausprägung einzigartiges Portfolio an Tonträgern. Eine weitere Öffnung für Orgelmusik mit Künstlern wie Tobias Frank, Oliver Kluge oder Ullrich Böhme sorgt für weitere Klangvielfalt. Neben Labelmanager und Produzent Frank Hallmann garantiert ein kreatives Team musikbegeisterter Mitarbeiter den hohen Standard. Die Aufnahmen entstehen an interessanten und handverlesenen Konzertorten, während Mischung, Mastering und CD-Produktion im hauseigenen Tonstudio in der Leipziger Petersstraße erfolgen. Daher sorgt nicht nur der Sitz in der Bach-Stadt dafür, dass das Label stets am kulturellen Puls agiert.

Geschichte: Aus der Provinz in die weite Welt!

Rondeau Production – das sind über 25 Jahre begeistertes wie begeisterndes Engagement für die Chormusik in Deutschland auf höchstem Niveau. Karl-Friedrich Beringer, langjähriger Leiter des Windsbacher Knabenchores, gründete 1977 gemeinsam mit Herbert Lange das erfolgreiche CD-Label, um die eigenen Tonträger anbieten zu können, und noch immer gehört das Spitzenensemble aus Mittelfranken zu den Zugpferden des Unternehmens. Im Jahr 2005 entschloss sich die Rondeau Production zu einer Erweiterung ihres Angebots und nahm den traditionsreichen Thomanerchor sowie den Knabenchor Hannover als renommiertes Pendant in ihr Portfolio auf. Diesen vokalen Klangkörpern folgten immer mehr namhafte Chöre und Ensembles, so dass sich der Katalog von Rondeau Production mittlerweile wie ein „Who is who?“ der deutschen Vokalszene liest und anhört. Darüber hinaus ergänzte man das Angebot auch in Richtung Orgelmusik, wofür man Interpreten wie Tobias Frank, Oliver Kluge oder Ullrich Böhme gewinnen konnte. Seit 1996 ist Frank Hallmann als Journalist und Diplom-Kirchenmusiker Geschäftsführer von Rondeau Production und damit maßgeblich für das heutige breite wie tiefe Angebot des Unternehmens verantwortlich. Rondeau Production ermöglicht dabei nicht nur die Produktion, sondern auch den weltweiten Vertrieb ausgewählter CDs mit exzellenter Geistlicher Chormusik in hoher Qualität. Für den bundesweiten Vertrieb der Tonträger im Fachhandel sorgt Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs GmbH und fungiert so als wichtiger Partner der Rondeau Production.


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