> > > Reich, Steve: The Dessert Music
Freitag, 7. August 2020

Reich, Steve - The Dessert Music

Orchestraler Minimalismus


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Steve Reichs 'Three Movements' und 'The Desert Music' liegen in einer sehr ansprechenden Aufnahme vor, die sich damit schmücken darf, vom Komponisten höchstselbst geadelt worden zu sein.

Einer der schönen Aspekte zeitgenössischer Musik ist der, dass man mitunter die Chance hat, einen Kommentar des Komponisten selbst zur Interpretation seines Werkes zu erhalten. Im Falle von Steve Reich und Kristjan Järvi ist dies für den Dirigenten ein besonders glücklicher Umstand, hat doch der Komponist diese Aufnahmen als die besten bezeichnet, die von 'Three Movements' und 'The Desert Music' je gemacht wurden. Die wenigsten Dirigenten können sich wohl damit schmücken, derart gelobt zu werden.

Three Movements

 

Kristjan Järvi setzt mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich das dreisätzige Werk überzeugend um. Die minimalen Veränderungen in den von den Streichern gespielten Akkorden sorgen dafür, dass man sich als Hörer auf einer musikalischen Reise wiederfindet, die – auch wenn es von Reich ausdrücklich nicht gewünscht wird – beinahe tranceartige Züge aufweist. Die Musiker spielen mit der Klangverteilung im Raum; es ist ein ständiges, schnelles Hin und Her, die räumliche Orientierung des Hörers scheint direkt beeinflusst werden zu sollen. So steigert sich der erste Teil der Three Movements, bis ganz abrupt und unvermittelt der zweite Satz beginnt. Beinahe melodisch und eingängig wirkt die Komposition an dieser Stelle. Nachdem das Streichermotiv in den anderen Stimmen imitiert wird, sorgen tiefe Paukenklänge für einen räumlichen Klang. Auch hier arbeitet Reich nach dem Prinzip der langsamen, schrittweisen Veränderung des Tonmaterials. Der dritte Satz besteht – wie schon das erste – vorwiegend aus einem übermäßigen Akkord. Besonders auffallend ist die Rhythmik dieser drei ‚Bewegungen‘ mit ungeraden Taktarten und konsequenten Synkopierungen, die von den Musikern präzise und souverän umgesetzt werden und so ihre Wirkung entfalten können.

The Desert Music

'Desert Music' ist aufgrund der Besetzung mit Chor und Orchester eines der ungewöhnlicheren Stücke Reichs. Die großen, satten Klänge dieser Besetzung verhindern jedoch keinesfalls die typische Wirkung auf den Hörer, die Reichs Kompositionen hervorrufen. Bereits nach den ersten Akkorden fühlt man sich in einer warmen Musikwelt aufgehoben, die von diffusem Licht beschienen wird. Auch ohne die Bezeichnung 'Desert Music' stellten sich ähnlich gelagerte Assoziationen ein. Diese ‚musikalische Wüste‘ hat jedoch nichts Bedrohliches; viel eher beeindruckt sie, wie eine weitläufige, vielleicht steinige Landschaft.

Well, shall we think or listen?

Die Texte des Chores stammen aus Werken des amerikanischen Dichters William Carlos Williams. Und die Frage, die im zweiten Teil 'Moderate' gestellt wird, ist in der Tat eine essentielle, wenn man sich mit Reichs Musik beschäftigt. Die Musik weckt mitunter große Emotionen, ohne sich vordergründig mit Gefühlen zu beschäftigen. So nimmt sie dem Hörer die Entscheidung ‚think or listen‘ nicht ab, sondern lässt bis zum Ende beide Möglichkeiten. Das ist das Besondere dieses Albums: Es gibt mehr als eine Möglichkeit diese Musik wahrzunehmen, weshalb sie sicherlich die meisten Hörer nicht allzu schnell langweilen dürfte.

Diese Aufnahmen von Steve Reich besonders gelobt und herausgehoben. Unter diesen Umständen fällt es natürlich schwer, die Aufnahmen zu bewerten. Eine Kritik an der Interpretation bedeutete in diesem Fall eine direkte Kritik am Verständnis des Komponisten von seinen eigenen Werken. Da aber sowohl die Kompositionen als auch die Interpretation vielschichtig sind und einen hohen Unterhaltungswert darstellen, besteht zu Kritik eigentlich kein Anlass.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Maximilian Theisen,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reich, Steve: The Dessert Music

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
17.06.2011
Medium:
EAN:

SACD
095115509128


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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