> > > Scarlatti, Alessandro: Concerti grossi Nr. 1-6
Dienstag, 17. September 2019

Scarlatti, Alessandro - Concerti grossi Nr. 1-6

Concerti vom älteren Scarlatti


Label/Verlag: Arts music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wiedervorlage von einiger Frische: Alessandro Scarlattis Concerti grossi mit Ottavio Dantone und der Accademia Bizantina.

Abseits des Musikdramas ist Alessandro Scarlatti (1660-1725) vermutlich noch immer eine eher unterschätzte Größe, obwohl sein instrumentales wie vor allem sein kirchenmusikalisches Schaffen durchaus über bemerkenswerte Qualitäten verfügen. So auch jene sechs Concerti grossi, die Benjamin Cooke 1740, fünfzehn Jahre nach Scarlattis Tod, in London veröffentlichte: Sie spiegeln die für Scarlattis Musik generell prägende Mischung aus souverän beherrschter althergebrachter Technik, untrüglichem Gespür für den sicheren Affekt und jenem Schuss individueller Eingebung wider, der jeden großen vom bloß soliden Komponisten unterscheidet. Letzteres äußert sich in manch bemerkenswerter harmonischer Wendung, in der kunstvollen Verschleierung der technischen Grundlagen und in einer für diese Gattung geradezu prägnanten melodischen Erfindung.

Gerundet wird das Programm durch drei continuobegleitete Sonaten für solistisches Violoncello: Hier sind vergleichbare Qualitäten wie in den Concerti präsent, vielleicht noch mehr auf die expressiven Möglichkeiten des solistischen Instruments konzentriert. Auch fällt neben den Spannungsfeldern, die die Einzelsätze untereinander bilden die ansprechende melodische Invention ins Ohr.

Elegant und harmonisch

Die vorliegende Platte ist die Wiederveröffentlichung einer im Jahr 2000 entstandenen Aufnahme. Ottavio Dantone hatte die Accademia Bizantina schon vor gut einem Jahrzehnt zu einem klanglich eleganten, leicht und doch mit einiger Größe agierenden Ensemble geformt. Das Klangideal ist nobel zu nennen und will bei aller Registerplastizität harmonische Momente nicht verleugnen. Dantone legt großen Wert auf eine detailreiche artikulatorische Arbeit: Auch Bewegungen unterhalb der Oberfläche werden ausgeleuchtet, nichts wird mit breitem Pinsel gezeichnet, schmale Linien dominieren das Bild, klare Konturen sorgen für eine ansprechende Durchhörbarkeit.

Der Basso continuo ist fein abgestimmt und grundiert das Geschehen agil, wenngleich hier und da noch deutlichere Impulse für das Ensemblegeschehen denkbar wären. Gerade das lösen die Continuo-Spieler in der Begleitung des Cellisten Mauro Valli bei der Interpretation der Sonaten dagegen geradezu mustergültig ein – mit Frische und klanglicher Differenz. Valli kultiviert dazu einen feinen, gedeckten Ton ohne Härten, durchaus mit virtuosem Potenzial, vor allem aber mit lyrischen Qualitäten.

Dantone wählt für seine Interpretation maßvolle Tempi, meidet Extreme und findet doch zu einem klar gezeichneten Tableau. Harmonisch ist auch das Klangbild zu nennen: Es ist warm, dennoch detailreich, sehr plastisch und präzise, getragen von einer ansprechenden Räumlichkeit. Die Register sind ausgeglichen abgebildet; allenfalls eine Spur mehr Brillanz hätte der Wirkung noch gut tun können.

Interessant ist ein Vergleich mit der nur ein Jahr später entstandenen Aufnahme der Concerti durch Europa Galante unter Fabio Biondis Leitung, 2002 bei Virgin erschienen: Biondi setzt im Vergleich zu Dantone stärker auf schärfere Kontraste, auf den gelegentlich vordergründigen Zugriff, Härten und Ruppigkeiten nicht meidend, dafür aber mit mehr virtuoser Brillanz punktend. Im Vergleich dazu wirkt Dantones Ansatz geduldig ausmusiziert, vor allem in den harmonischen langsamen Sätzen. Vielleicht wäre in einzelnen der raschen Sätze ein Funke jenes Biondischen Überschwangs wünschenswert gewesen. Doch macht Dantones Interpretation in ihrer noblen Eleganz auch ohnedies einen harmonischen Eindruck.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Scarlatti, Alessandro: Concerti grossi Nr. 1-6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arts music
1
24.06.2011
64.11
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
600554775883
47758-8


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"Die Accademia Bizantina, gegründet 1983 in Ravenna, Italien, vereinigt eine Gruppe von außerordentlichen Musikerpersönlichkeiten, die sich dem Originalklang und der historischen Aufführungspraxis widmen. Sie sind zu einem der berühmtesten Ensemble für authentische Aufführungspraxis geworden. Der Solist in dieser Aufnahme ist Mauro Valli, der als ein Spezialist für alte Musik bekannt ist und Solocellist des Ensembles Accademia Bizantina war. Er spielt ein Barockcello aus dem Jahre 1738. Freuen Sie sich auf diese Veröffentlichung, die in überragender Soundqualität mit 24 bit / 96 kHz Technik aufgenommen wurde und bereits 2003 auf CD bei Arts Music erschien. Ab Juni 2011 ist diese Aufnahme, die viele sehr gute Kritiken bekommen hat, nun auch endlich als hochwertige Hybrid SACD im Mehrkanalton erhältlich. klassik-heute.de: 9 von 10 Punkten; „eine Stunde ungetrübter Musikfreude“ (D. Huchting) Répertoire: 9 von 9 Punkten; „Dantone ist lebendig, besonnen und voller Kontraste.“ (S. Gregory) Classics Today.com: „Hörer, die Corellis Werke schätzen, werden die von Scarlatti sicher genießen.“ (J. Greene) klassik.com: „spannende und vor allem außergewöhnlich wertvolle Einspielungen (...) Man wünscht sich mehr davon!“ (F. Bayer) La Citadella: CD des Monats Le Scelte Compact: 5 Sterne Alte Musik Aktuell: Platte des Monats 3/2002: „Zuhören macht Spaß, weil man spürt, dass den Ausführenden das Musizieren ebenfalls viel Spaß gemacht hat.“ (Robert Strobl) Goldberg: Das Beste aus 2001: „diese Aufnahme ist zweifelsfrei eine außergewöhnliche ‚Entdeckung‘“ (D. Fabris)"


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Arts music

ARTS wurde 1993 gegründet. Seither haben wir mehr als 6200 Tracks (das sind über 400 Datenträger) mit Klassischer Musik der letzten 5 Jahrhunderte veröffentlicht. Neben Alter Musik und Zeitgenössischem befindet sich in unserem Katalog auch Musik der größten Interpreten der letzten Jahrzehnte sowie Musik sehr erfolgreicher junger Künstler, die Ihren künstlerischen Zenith noch vor sich haben und diesen mit uns verbringen werden. Die Musikrichtungen reichen von Sakral bis Oper, Kammermusik bis Symphonik, Lied bis Operette. Große Werke Mozarts, Beethovens, Schuberts usw. sind ebenso vertreten wie Raritäten von Rossini, Verdi, Händel und vielen mehr.
Die ARTS Produkte heben sich nicht nur durch ihre exquisiten Inhalte und den herausragenden Künstlern und Interpreten hervor, sondern zeichnen sich auch durch die bisher unübertroffenen, kristallklaren 24bit/96kHz Aufnahmetechnik sowie der außerordentlichen Gestaltung der Booklets in vier bis fünf unterschiedlichen Sprachen aus.
Jedes Jahr veröffentlichen wir zwischen 25 und 30 neue Titel auf CD, Hybrid SACD, DVD-Video oder DVD-Audio, die sowohl bei der nationalen als auch der internationalen Presse großen Anklang finden.
Mit unserem starken künstlerischen Hintergrund haben wir die höchsten erstrebenswertesten Ziele erreicht: den Aufbau eines internationalen Vertriebsnetzwerkes sowie die Etablierung und Platzierung der Marke ARTS im internationalen Markt.


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