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Donnerstag, 21. Oktober 2021

Consortium Classicum - Bläserserenaden - Werke von Dvorak, Hartmann & Mendelssohn

Entdeckungsreise


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Interpretationen romantischer Bläserserenaden von Dvorák, Hartmann und Mendelssohn sind von kleinen Schwachen durchsetzt. Allerdings ist das eine Klage auf hohem Niveau.

Antonin Dvoráks d-Moll-Serenade ist das bekannteste Werk unter den hier eingespielten Bläserserenaden. Es wird auch unter nichtprofessionellen Musikern häufig gespielt, wenn sich eine derart große Besetzung zusammenfindet. Die Musik hat durch die Beimischung von Elementen slawischer Volkstänze insbesondere im Menuett-Satz einen funkensprühenden Charakter, ist aber in noch stärkerem Maße von der Sanftheit der Dvorák’schen Musiksprache geprägt. Es erstaunt nicht, dass sich das von vielen bekannten Musikerpersönlichkeiten geprägte Consortium Classicum den furiosen Mittelteil des zweiten Satzes sowie den 'Allegro'-Teil des Schlusssatzes in (allzu) rasantem Tempo vornimmt. Man bewundert die Musiker für ihre Virtuosität, aber Dvoráks Musik ist selbst auf dem Gipfel ihrer Lebhaftigkeit eigentlich zu schön, um über sie hinwegzuspielen. Die beifallheischende Geste, die sich dahinter verbirgt, würde zu einer Live-Performance passen, auf CD wirkt sie hingegen auf Dauer ermüdend. Andererseits bleibt dadurch aber auch kaum Zeit für unangebrachte Schwelgereien: Die musikalischen Phrasen sind kurz und knackig, was wiederum weniger Dvoráks Werk, dafür aber der Serenade von Johann Peter Emilius Hartmann, einem Zeitgenossen Dvoraks, sehr gut zu Gesicht steht.

Zweiter Dorn im Fleisch dieser Aufnahme ist der Klarinettenton Dieter Klöckers. Als Musiker muss man Klöcker einfach großen Respekt entgegenbringen, und es hat sich kaum jemand für entlegene Repertoires derart stark gemacht wie er. Sein Ton allerdings ist recht dünn und substanzlos. Das merkt man besonders beim Klarinettensolo im 'Andante' von Dvoráks Serenade auf unangenehme Art und Weise: Wie sich dort die Klarinette geradezu stechend bemerkbar macht, dürfte nicht jedem gefallen, zumal es dem Charakter des Stücks zuwiderläuft. Leider gibt es vereinzelt noch weitere auffällige Stellen auf der Aufnahme, man höre zum Beispiel das Scherzo der Hartmann-Serenade: Musikalisch ist es höchst schwungvoll interpretiert, aber die Läufe der Klarinette sind nur im Piano schön zu nennen.

Ungeachtet der kritischen Bemerkungen ist diese Aufnahme romantischer Bläserserenaden eine wertvolle Schatzkammer. Mendelssohns Werk für die große Bläserbesetzung ist zu Unrecht selten zu hören: Es erinnert in seiner Leichtfüßigkeit an die 'Sommernachtstraum'-Ouvertüre, ist aber festlicher im Ton. Die beiden Hörner haben hier viel zu tun und schlagen sich vorzüglich. Hartmanns viersätzige Serenade steht derjenigen Dvoráks in nichts nach, was ihren lebhaften Charakter und die abwechslungsreichen Sätze anbetrifft. Insbesondere die Kontraste innerhalb der Sätze sind angenehm überraschend, aber sehr elegant eingearbeitet. Ein Beispiel: Der erste Satz beginnt mit einer langsamen Einleitung, gefolgt von einem Sonaten-'Allegro', doch dessen lyrisches Thema wird des öfteren zum Innehalten gebracht. Es entstehen kurze, wie spontan anmutende Einfälle, die den ganzen Satz formen und die vom Ensemble in aller Ruhe ausgeführt werden. Überhaupt ist die Hartmann-Interpretation am besten gelungen. Der vierte Satz ähnelt in seinem Charakter dem ersten und im besten Sinne lässt sich auch Ähnliches über dessen interpretatorischen Zugriff sagen. Die Sätze zwei und drei sind wie Feuer und Wasser; gerade im zweiten Satz hat man nicht das Gefühl, dass die Virtuosität hier Selbstzweck ist. Alles in allem hat man hier eine CD mit größerenteils rarer Musik vorliegen. Da fallen die kleineren kritischen Anmerkungen nicht allzu sehr ins Gewicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Oliver Schulz,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Consortium Classicum - Bläserserenaden: Werke von Dvorak, Hartmann & Mendelssohn

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
01.01.1995
Medium:
EAN:

CD
760623041629


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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