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Samstag, 26. September 2020

Mahler, Gustav - Autopsy of a Genius

Kennern und Liebhabern


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine würdige Annäherung an Gustav Mahler mit den Mitteln des Films.

Unter dem selbstbewussten Titel ‚Mahler – Autopsy of a Genius‘ legt Euroarts einen Dokumentarfilm Andy Sommers vor. Anlass ist die hundertste Wiederkehr des Todesjahrs Gustav Mahlers. Es handelt sich der Machart nach um eine gediegene Fernsehproduktion. Auf übertriebene Zugeständnisse an das (unterstellte) Unterhaltungsbedürfnis des Publikums hat man erfreulicherweise verzichtet, auf filmkünstlerische Experimente ebenso. Die Gliederung des Ganzen ist zweckmäßig und durchschaubar geraten; sie folgt in groben Zügen Mahlers Lebensgang. Die Aufgabe, wesentliche von unwesentlichen biographische Informationen zu trennen, ist überzeugend gelöst: In weniger als eineinhalb Stunden wird ein gehaltvoller Überblick über Leben und Schaffen Mahlers geboten. Eine tiefgründige Wesensschau oder musikwissenschaftlich instrumentierte Einführung in einzelne Kompositionen wird man nicht erwarten dürfen, wenngleich die zahlreichen Auskunftspersonen, darunter Claudio Abbado, Pierre Boulez, Jonathan Nott und Thomas Hampson, erhellende Einblicke bieten, gelegentlich auch zu Details Mahler’schen Komponierens, etwa den viel diskutierten Hammerschlägen der Sechsten Sinfonie.

Henry-Louis de La Grange, der beinahe neunzigjährige, noch immer von Leidenschaft glühende Mahler-Gelehrte, Autor der umfänglichsten aller Biographien und Sammler von Archivmaterial und Devotionalien, fungiert als Cicerone und führt an Originalschauplätzen zwischen Wien und New York durch Vita und musikalische Vorstellungswelt des Komponisten. De La Grange gibt Gewähr für kompetente, dem wissenschaftlichen Konsens entsprechende Einordnungen, darüber hinaus setzt er persönliche Akzente. Den Antisemitismus Richard und Cosimas Wagners nennt er unverblümt beim Namen, den ‚Philosemitismus‘ Franz Josephs, Johannes Brahms’ und Eduard Hanslicks ebenso. Die Glanzzeit der Wiener Hofoper unter Mahlers Ägide wird gebührend gewürdigt. Nicht antisemitische Hetze, sondern Arbeitsüberlastung habe – meint de La Grange – bei Mahlers Demission 1907 den Ausschlag gegeben.

Die Filmerzählung schließt mit Bildern vom Grab auf dem Grinzinger Friedhof in Wien – de La Grange berichtet, fast schluchzend, von Mahlers letzten Stunden – und Reflexionen Claudio Abbados zum morbiden Wesen der Neunten Sinfonie. Das Ganze des Films ist mit Ausschnitten Mahler’scher Sinfonien und Lieder unterlegt. Wie nebenbei werden verschiedenartige Interpretationsansätze zwischen romantisierender Einfühlung (Bernstein) und kühler Vivisektion (Boulez) vorgeführt. Ausgerechnet das berüchtigte Adagietto der Fünften wird in der dieses Mal verzerrenden, sentimental befrachteten Lesart Bernsteins geboten. Alles in allem ist eine gehaltvolle, zurückhaltend stilisierte Mahler-Hinführung mit Mitteln des Films gelungen. ‚Kenner’ werden nicht allzu viel Neues erfahren, doch einiges Vergnügen finden.

Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Autopsy of a Genius

Label:
Anzahl Medien:
EuroArts
1
Medium:
EAN:

DVD
880242588388


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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