> > > Claudio Arrau: The Emperor
Mittwoch, 23. September 2020

Claudio Arrau - The Emperor

Kein Kaiser


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Claudio Arrau hat Großes geleistet - und Besseres verdient als sinnleere Lobhudeleien.

Euroarts hat zwanzig Jahre nach dessen Tod eine Dokumentation zu Claudio Arrau, dem letzten Enkel-Schüler Liszts, herausgebracht. Im Stil einer Fernsehreportage wird über Arraus Besuch in der chilenischen Heimat berichtet. Siebzehn Jahre, nachdem er das Land verlassen hatte, kehrte er 1984, triumphal empfangen, nach Santiago zurück und führte zwei Mal, in Stadttheater und Kathedrale, Beethovens Fünftes Klavierkonzert, das ‚Kaiserkonzert‘, auf. Die zweite Aufführung ist in kompletter Länge dokumentiert worden.

Hier liegt keine kohärente Filmerzählung vor, zu unruhig zeigen sich Kameraführung, Bildgestaltung und Schnitt. Der Kommentar in englischer Sprache – deutsche, französische und spanische Untertitel stehen zur Verfügung –, wird von Interviewstrecken unterbrochen und erschöpft sich, wie diese, in hymnischen Ergüssen ohne Aussagekraft. Mit amerikanischer Liebe zur Übertreibung und Idolatrie, die zum demütig seiner Sache ergebenen Arrau nicht passt, wird nach Kräften bramarbasiert. Dabei hat es Arrau wahrhaftig nicht nötig, sich hartnäckig als ‚Kaiser‘ der Pianisten verunglimpfen zu lassen.

Der Skandal dieses Films liegt darin, dass die politischen Zeitumstände weitgehend ignoriert werden –1984 liegt Chile unter dem Joch Augusto Pinochets. Solche Blindheit mag ihre Gründe haben: Es handelt sich um eine amerikanische Produktion, und gerade im Land Ronald Reagans, dem jedes verbrecherische Regime lieb war, sofern es den Kommunismus zu bekämpfen vorgab, war die öffentliche Meinung zugunsten Pinochets voreingenommen.

Auch Arraus Leben unter dem Hakenkreuz bleibt unberücksichtigt: Der in Deutschland bei Martin Krause ausgebildete Pianist war bis 1940 in Berlin ansässig. Man verlegt sich auf Harmlosigkeiten: Biographische Informationen (meistens von anekdotischer Art) beschränken sich weitgehend auf Kindheit und Jugend. So ist der junge Arrau auf Photographien in bayerischer Tracht zu sehen, als Klavierschüler in Deutschland.

Die Aufführung des Fünften Beethoven-Konzerts mit dem Sinfonieorchester der Universität Santiago, angeleitet von einem grotesk taktierenden Kapellmeister, leidet unter dumpfer Kathedralenakustik. So ergibt sich ein indiskutabel topfiges Tutti, viele instrumentale Details bleiben im Dunkeln. Die Musiker geben ihr offensichtlich ihr Bestes. Dennoch fehlt es an Homogeneität und klanglicher Differenzierung. Intonationstrübungen sind unüberhörbar.

Arrau bietet wie stets eine technisch souveräne, maßvoll episierende Lesart, die keines Mummenschanz, übertriebener Agogik oder Dynamik bedarf. Der Ton ist brillant ohne Härte, Akkorde werden vorbildlich transparent angeschlagen, Akkordbrechungen perlen, das Pedal erzeugt Atmosphäre und Duft, ohne je zu vernebeln. Arraus Tempi halten sich in der Mitte. Die zeitlupenhafte Breite und didaktisierende Deutlichkeit einiger später Einspielungen begegnet hier nicht. Angesichts der sympathischen, aber höhere Ansprüche enttäuschenden Orchesterleistung sind Arraus Beethoven-Zyklen mit dem Concertgebouw-Orchester und der Sächsischen Staatskapelle vorzuziehen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Claudio Arrau: The Emperor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
09.05.2011
Medium:
EAN:

CD DVD
880242586483


Cover vergössern

EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag EuroArts:

  • Zur Kritik... Komponisten-Feuerwerk: Das Silvesterkonzert 2017 ist nicht nur gute Werbung für die Berliner Philharmoniker, sondern auch ein schönes Zeugnis von der langen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Mutti und Sohn: Diese 'Lucrezia Borgia' aus San Francisco lebt von der Überzeichnung. Das gilt leider auch für die musikalische Seite, die zum Teil sehr ansprechende Leistungen präsentiert, aber nicht rundum zufrieden stellen kann. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Skalpell und Silberstift: Niveau und Klasse – bei Bělohlávek gewinnen solche Floskeln Sinn. Weiter...
    (Daniel Krause, )
blättern

Alle Kritiken von EuroArts...

Weitere CD-Besprechungen von Daniel Krause:

blättern

Alle Kritiken von Daniel Krause...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Zunehmende Kompaktheit: Diese zweite cpo-Veröffentlichung mit Musik des Holländers Leopold van der Pals zeigt vor allem anhand dreier konzertanter Werke die erstaunliche Entwicklung seiner Tonsprache. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Faszinierende Klangfarben: Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden überzeugen mit Werken von Richard Strauss. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Glanzvoll: Cinquecento mit Renaissancerepertoire der Habsburgerhöfe: Es ist auch auf dieser Platte mit Musik von Johannes de Cleve das pure Vergnügen, den fünf Vokalisten zuzuhören. Repertoireabeit kann glanzvoll sein. Cinquecento beweist es. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Jupiter

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2020) herunterladen (3402 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Carl Heinrich Graun: Polydorus

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich