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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Balfe, Michael William - Songs and Ballads

Balfe wiederentdeckt


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Raritäten aus dem Liedschaffen Englands. Sally Silver und Richard Bonynge legen ein überzeugendes Plädoyer für Songs und Ballads von Michael William Balfe ab.

Der Ire Michael William Balfe (1808–1870) ist selbst in seiner britischen Heimat nicht unbedingt ein Komponist, an den man sich gut erinnert. Dabei war sein 'Bohemian Girl' (London 1843) einer der ganz großen europäischen Opernerfolge des 19. Jahrhunderts. Die den Moden der Zeit folgende Zigeuneroper war nicht sein einziger, jedoch sein nachhaltigster Erfolg. Richard Bonynge hat die Oper Anfang der 1990er Jahre eingespielt. Der junge Balfe verkehrte in Italien und Frankreich mit Größen wie Cherubini und Rossini, hatte zunächst eine Karriere als Sänger und sang unter anderem an der Mailänder Scala (an der Seite der Malibran) den Otello Rossinis. Seinen Durchbruch als Opernkomponist hatte er dann Mitte der 1830er Jahre in London. Unter seinen über 30 Opern ist auch ein 'Falstaff', der erst kürzlich vom Irischen Rundfunk wieder entdeckt und aufgenommen wurde.

Songs & Ballads

Richard Bonynge hat sich immer wieder Balfes angenommen. Auch die jetzt beim Schweizer Label Guild erschienene CD mit achtzehn ‚Songs and Ballads‘ geht auf seine Initiative zurück. Es ist eine Auswahl aus den über 250 Liedern Balfes, die größtenteils in London entstanden und in englischer Sprache vertont sind. Die typischen Texte (sie sind in im Beiheft abgedruckt) beschäftigen sich mit den zeittypischen Themen, die in den Salons des viktorianischen Englands Mode waren: hoffende Herzen, fragende Liebe, Lob der Freundschaft, Landschaftslyrik, besungene Rosen, ländliche Idylle und dergleichen mehr.

Die südamerikanische Sopranistin Sally Silver ist die Interpretin dieser wieder entdeckten Lieder. Die Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Stimme sind den Liedern absolut angemessen, ja machen sie jeweils zu eigenständigen Miniaturen. Mit klarer, jugendlich-unbekümmerter Lyrik beginnt sie M. J. Andrews schwärmerisches 'Ah! Would that I could love thee less', das die CD eröffnet. Eine Mischung aus Charme und Bestimmtheit gelingt ihr in 'O smile as thou wert wont to smile' auf eine Text Alfred Burns. Ihr sicher geführter, heller Sopran beeindruckt durch mit einer klaren Phrasierung, die zu farbreichen Schattierungen fähig ist. Das reicht von intimen Liebesworten bis hin zu der tänzerisch akzentuierten Erzählung von 'I’m a merry Zingara'. In den unteren Registern gewinnt die Stimme eine angenehme Wärme, ausgeglichen sind ihre bruchlos geführten Register; beides exemplarisch im französischen Chanson 'Le Crépescule' auf einen Text de Lamartines zu verfolgen. Wie groß Sally Silvers Ausdruckspalette ist, zeigt ein Vergleich der Tennysons-Vertonung 'Falling River', der in ihrer Interpretation die Simplizität eines ‚folk tune‘ erhält und des stets schlicht bleibenden, vorwärts drängenden Liebeswunsches des die CD beschließenden 'Oh take me to thy heart again'.

Richard Bonynge begleitet kongenial am historischen Piano mit genauem, unprätentiösen Anschlag, wenn es darum geht harmonische Stütze zu sein und rhythmischen Akzente in den lebendigeren Passagen. Immer wieder blitzen kleine Nebengedanken oder Echos in der Begleitung auf, jedoch nur, um die Songs zu illustrieren, die Melodielinie weiter zu führen. Der Stimme gewährt Bonynge dabei jedoch stets den Vortritt. Das gemeinsame Musizieren ist mit den sensiblen Reaktionen beider Interpreten in idealer Weise gelungen.

Das Booklet gibt einen Überblick zu Balfes Leben und Schaffen, auf die Lieder wird dabei leider nicht explizit eingegangen. Dennoch: die CD, die in überzeugendem, womöglich die Atmosphäre eines viktorianischen Salons als Vorbild habenden Klangbild daherkommt, ist ein angenehm überraschendes Hörerlebnis. In dieser Qualität würde man sich die Begegnung mit Balfes Liedern gerne auch einmal im Konzertsaal wünschen. Und Sally Silver sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Frank Fechter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Balfe, Michael William: Songs and Ballads

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
05.08.2011
Medium:
EAN:

CD
795754735925


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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