> > > Dvorák, Antonín: Streichtrio op.74 & op.75a
Donnerstag, 21. März 2019

Dvorák, Antonín - Streichtrio op.74 & op.75a

Romantischer Tanz


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Auryn Quartett präsentiert in Ergänzung durch Christian Altenburger und Patrick Demenga kleine Kostbarkeiten des Kammermusikschaffens Antonín Dvorák.

Das Auryn Quartett wurde in jüngster Zeit insbesondere für ihre Haydn-Einspielungen von der nationalen wie internationalen Musikkritik in den höchsten Tönen gelobt. ‚Auryn‘, das Amulett aus Michael Endes ‚Unendlicher Geschichte‘ soll Inspiration verleihen. Der Name hatte wohl bei der Gründung des Auryn Quartetts 1981 Weisungsgabe. Inspiration erhielt das junge Ensemble damals zunächst beim Amadeus Quartett in Köln und anschließend beim Guarneri Quartett. Die inzwischen berühmten vier Musiker spielen auf nicht weniger berühmten Instrumenten: Matthias Lingenfelder auf einer Stradivari, Jens Oppermann auf einer Petrus Guarneri, Stewart Eaton auf einer Amati und Andreas Arndt auf einem Amati-Violoncello.

Das Streichsextett op. 48 – musikalische Umsetzung slawischer Tanzeslust

Das Streichsextett op. 48, das Dvorák 1878 in Prag innerhalb von 13 Tagen komponierte, ist in die sogenannte ‚slawische Periode‘ des Komponisten einzuordnen. Die Bezeichnung rührt vor allem daher, dass Dvorák kurz vorher den ersten Teil seiner 'Slawischen Tänze' fertig gestellt hatte und in seine Kompositionen vor allem slawisch-volkstümliche Elemente integrierte. So auch in diesem Streichsextett. Er selbst sagte, es sei ‚von ähnlichem Stil wie die Tänze oder die Rhapsodien‘. Vor allem das tänzerische Element der slawischen Volksmusik findet ins Sextett Einzug. So ist der zweite Satz mit 'Dumka' überschrieben, eine Bezeichnung für einen ukrainischen Volksliedtypus. In diesem Satz integriert der Komponist unter anderem Bausteine einer Polka, eines Zigeunerliedes und eines Wiegenliedes als musikalische Charaktere. Auch der dritte Satz lässt volkstümliche Momente durch die Überschrift 'Furiant' erahnen. Für die Interpretation des Sextetts hat das sich das Auryn Quartett Unterstützung durch den erfahrenen Kammermusiker Christian Altenburger und den international bekannten Cellisten Patrick Demenga geholt.

‚Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben‘ – ein Zitat von Johannes Brahms, das auf den ersten Satz des Streichsextetts voll und ganz zutrifft. Alle paar Sekunden, so hat der Hörer das Gefühl, trumpft der Komponist mit einem neuen, noch lyrischeren, noch schöneren Thema auf. In den fünfzehn Minuten Spieldauer ist Abwechslung garantiert. Das wird durch die Interpretation der sechs Künstler ebenfalls unterstützt. Trotz der geringen Musikeranzahl schafft es das Ensemble, einen voluminösen Streichorchesterklang zu suggerieren: Die rasant wechselnden Stimmungsveränderungen in der Komposition werden einfühlsam nachempfunden, süßen Geigenklängen wird ein brausendes Bassfundament entgegengestellt. Die Klangwirkung unterstützt eine exzellente Aufnahmequalität, die sogar (für den geneigten Hörer) im Booklet detailliert beschrieben und erklärt wird.

Der zweite Satz 'Dumka' ist in seinem tänzerischen Charakter wundervoll vom Sextett nachgezeichnet. Spielerische Pizzicati im Violoncello, tänzelnde Artikulation in den Violinen und sangliche Melodiebögen wechseln sich reizvoll ab. Die Spielfreude des Sextetts ist beinahe hörbar. Im dritten Satz, dem 'Furiant', liegt das Thema zwar in der Violine, sie dominiert das Geschehen jedoch nicht, da das Sextett auf ein solides Bassfundament setzt. Bemerkenswert ist auch die Themenführung zu Beginn des vierten Satzes in der Viola. Obwohl das Thema oft wiederholt wird, ist dessen Abtönung jedes Mal ein wenig anders. Die vierte Variation dieses Satzes schafft Erinnerung an die slawischen Tänze durch ein romantisch getragenes Thema im Violoncello.

Kurzweilige Unterhaltung in den beiden Terzetten

Das Terzett op. 74 aus dem Jahr 1887 war quasi ein Auftragswerk: Dvorák verfasste es für einen bei seiner Schwiegermutter zur Untermiete lebenden Chemiestudenten, der nach neuem Spielmaterial für seinen Geigenunterricht suchte. Ein Terzett ist eigentlich eine Bezeichnung aus dem Gesangsbereich. Der Titel wird dem Hörer jedoch sofort plausibel, da die drei Instrumente (zwei Violinen und eine Viola) sanglich schwelgen. Die Interpretation von Christian Altenburger, Matthias Lingenfelder und Stewart Eaton hebt genau diesen Aspekt besonders hervor. Obwohl – oder vielleicht gerade weil – das Violoncello als Fundament fehlt, vermittelt das Streichtrio klangliche Geschlossenheit. Dabei spielt die Gewichtung von Oberstimme und Viola eine Rolle: Beide sind klanglich stark kontrastierend zueinander konzipiert, das heißt, die Viola bietet in ihrem satt ausgeführten Klang ein Gegengewicht zur sphärisch-leichtfüßigen Interpretation der Violine. Dies wird vor allem im zweiten Satz deutlich. Dort kontrastieren dicht geführte Achtel in der Viola zu einer schwebenden Melodie im tänzerischen Dreivierteltakt. Obwohl das zweite Terzett in der Spielerkonstellation anders ist (Matthias Lingenfelder, Jens Oppermann und Stewart Eaton), wird hier die sanfte Interpretation des Terzett op. 74 fortgeführt, als spielten dieselben Personen. Im Terzett op. 75a finden sich (soweit der Komparativ hier angebracht ist) noch sanglichere, eingängigere Melodien, die Ohrwurmqualität haben. Hierbei paart sich Spielfreude mit romantischer Schwärmerei, die vom Ensemble auch genau so vermittelt wird. Die Aufnahme ist für alle Dvorák-Fans eine echte Fundgrube, denn sie bietet ‚große Klänge‘ in kleiner Besetzung. Abgerundet wird dieser Eindruck von einem detailliert gestalteten Booklet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorák, Antonín: Streichtrio op.74 & op.75a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
16.05.2011
EAN:

4009850019602


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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