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Dienstag, 9. August 2022

Pandolfi Mealli, Antonio - Violinsonaten

Rasante Sonatenkunst


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bemerkenswert expressive Sonaten von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli: Gunar Letzbor und sein Ensemble Ars Antiqua Austria können zweifellos überzeugen.

Bis vor wenigen Jahren war der Italiener Giovanni Antonio Pandolfi Mealli fast ausschließlich durch seine drei gedruckt überlieferten Sonatensammlungen greifbar. Über seinen Lebensweg wusste man kaum Näheres, außer, dass er um 1660 für eine gewisse Zeit am Innsbrucker Habsburgerhof angestellt gewesen war. Nun haben die Forschungen des Sizilianers Fabrizio Longo in jüngster Zeit das Bild etwas detailreicher gestaltet: Pandolfi (Mealli war der später angenommene Name seines Stiefvaters) wurde 1629 in Montepulciano geboren, siedelte mit seiner Familie nach Venedig über. Nach seiner Station in Innsbruck war er wohl seit Mitte der 1660er Jahre als Violinist Mitglied der Domkapelle in Messina, verließ diese 1675 nach einem folgenschweren Zwischenfall aber überstürzt: Pandolfi hatte – selbst Geistlicher – während einer Messe am 21. Dezember des Jahres den ebenfalls anwesenden Altkastraten Giovanni Marquett im Affekt erstochen. Pandolfi floh zunächst nach Frankreich und fand später als Violinist an der königlichen Hofkapelle in Madrid sein Auskommen. Jedenfalls erst nach 1679 starb er, Genaueres weiß man hierzu nicht.

Merkwürdigkeiten

Pandolfis von Gunar Letzbor und seinem Ensemble Ars Antiqua Austria vorgestelltes Opus vier umfasst Sonaten für generalbassbegleitete Solovioline, die zwei sehr scharf voneinander getrennte expressive Sphären durchmessen: Extrem gedehnte – sogar die Bezeichnung ‚Adagissimo‘ ist vertreten – Sätze, oft über ostinaten Bässen, aber auch toccatenartig frei gebaut, stehen neben bis zur Aggressivität gesteigerten Allegros, gelegentlich ins Presto forciert. Dabei scheint das gelegentlich unvermittelte Nebeneinander von größter Rasanz und quasi metrischem Stillstand oft frappierend, ja verstörend. Diese Grunddisposition reichert Pandolfi mit einer charakteristisch-düsteren melodischen Invention an und entfaltet seine Sätze zu auffälligem musikalischem Temperament: Das lässt immer wieder hochemotionale, extrem verdichtete Momente entstehen. Dabei ist der Solopart der Violine weniger in seinen technischen Finessen herausfordernd, als eher in der Notwendigkeit schlanker Tongebung und beweglicher, belebter Linienführung. Auch die interpretatorische Bezwingung der musikalischen Explosivität ist keine ganz kleine Herausforderung für den Solisten.

Souverän

Gunar Letzbor hat sich schon mehr als einmal als kundiger Deuter eher randständigen Repertoires erwiesen und kann auch in der vorliegenden Aufnahme aus diesem Erfahrungsschatz schöpfen: Mit dem schlanken, geraden Ton seiner Klotz-Violine, der sich silbrig über einem farbigen Basso continuo entfaltet, präsentiert sich Letzbor in Läufen und Passagen beweglich. Auch eruptive Ausbrüche gelegentlicher Virtuosität meistert Letzbor absolut souverän. Vor allem aber ist er bei Pandolfi immer wieder als lyrischer Gestalter und geduldiger Bildner spannungsreicher Linien gefragt – und gerade da bewährt sich die famose Interaktion mit seinem Ensemble Ars Antiqua Austria, das seine Möglichkeiten trotz relativ üppiger Besetzung nie dominant oder vordergründig entfaltet. Stattdessen zeigt sich die Formation delikat registriert, ist aber auch in der Lage, einen fast atemberaubenden Druck zu entfalten, mit perkussiver Wucht und in rhythmischer Präzision. Letzbor und seine Mitstreiter wählen sehr entschiedene Tempi – was für Pandolfis Musik von herausragender Bedeutung ist, denn gerade hier gibt der Komponist die entscheidenden Hinweise für eine gelingende Deutung seiner Musik. Das Klangbild ist stimmungsvoll und lebendig, vor allem aber von einem sehr großen Raumanteil geprägt: Auf Grund der insgesamt kleinen Besetzung ist das im Grunde unproblematisch, sorgt aber dafür, dass manches Detail nicht in letzter Plastizität abgebildet wird.

Gunar Letzbor und sein Ensemble stellen die scharf geschnittenen musikalischen Charaktere der Sonaten Pandolfis plastisch und zwingend heraus, enorme Rasanz wird gekonnt mit quasi statischen Flächen kontrastiert, kompositorische Extreme werden entschlossen ausgedeutet. Insgesamt ist es eine sehr überzeugende Ensembleleistung, mit Gunar Letzbor als leuchtendem Solitär.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Pandolfi Mealli, Antonio: Violinsonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.05.2011
Medium:
EAN:

CD
8033891690434


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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