> > > Salzburg Barock: Werke von Biber, Muffat, Hofer & Bernardi
Dienstag, 17. September 2019

Salzburg Barock - Werke von Biber, Muffat, Hofer & Bernardi

Funkelnde Ausgrabungsstücke


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Bell'Arte Salzburg hat mit Emma Kirkby fürsterzbischöfliche Schätze ausgegraben.

Die neue CD des Ensembles Bell’Arte Salzburg vereint, um es mit einem Wort zu sagen, wohl alles, was man von einer historische orientierten und informierten Spielpraxis auf CD erwarten möchte. Neben dem hohen Niveau der Interpretation, für das das Ensemble unter der Leitung von Annegret Seidel selbst sorgt, bietet diese Einspielung eine hochrangige Gastmusikerin, namentlich die Sopranistin Emma Kirkby, mit einem selten gehörten, ja zum großen Teil unerhörten Programm von Werken. Von den zehn meist kurzen Stücken können nur zwei bereits auf Tonträgern gehört werden, nämlich ein Auszug aus Heinrich Ignaz Franz Bibers ‚Fidicinium sacro-profanum‘ und eine Sonate aus dem ‚Armonico tributo‘ von Georg Muffat. Die übrigen Gesangswerke liegen hier als Weltersteinspielung vor: 'Nisi dominum' von Andreas Hofer (1628-1684), 'O dulcis Jesus' von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), 'Gaudete et exultate' von Abraham Megerle (1607-1680), das 'Magnificat' von Stefano Bernardi (1580-1638), ein kirchliches Streicherkonzert von Carl Heinrich Biber (1681-1749), eine 'Aria de Sancta Scholastica' von Mathias Sigismund Biechteler (1668-1743), sowie zwei anonym überlieferte Werke aus dem Stift Nonnenberg.

Aus den Weltersteinspielungen ist aber bei dieser CD nichts weniger als ein Selbstzweck geworden. Nicht nur ist, wie bereits aus den Lebensdaten hervorging, eine geschlossene Gruppe von sich gegenseitig beeinflussenden Künstlern versammelt worden, nicht nur sind es zum Großteil sakrale Werke: vor allem der Ort Salzburg verbindet sie. Die versammelten Komponisten hatten alle das Amt des Hofkapellmeisters bei den Fürsterzbischöfen an der Salzach inne. Und für sie scheint es das ein fruchtbareres und produktiveres Arbeitsumfeld gewesen zu sein, als späterhin dem Konzertmeister Mozart.

Kluge innere Spannung

Musikgeschichtliche Fäden ziehen sich also aus dieser Einspielung, und zwar nicht nur solche, die man nachlesen, sondern auch solche, die man hören kann, wenn etwa die frappierende Ähnlichkeit einer Aria aus dem 1682 gedruckten ‚Armonico tributo‘ Muffats mit Händels berühmter (und wiederum mehrfach verwendeter) Arie 'Non ho cor che per amarti' aus der 'Agrippina' ins Ohr sticht. Das man dem auch die Ohren gern hingibt und sich der so seltene wie seltsame Effekt einstellt, dass die Musik bedeutend, klug, verweisend klingt, liegt zweifellos an der Interpretation des Ensembles und der Kirkby. Die feine, helle Stimme der Solistin bildet eine bewegliche, agile Einheit mit dem sparsam besetzten und transparent musizierenden Musikern der Bell’Arte Salzburg. Klerikale Prachtentfaltung und katholische Heilsgewissheit strahlen hier so sonnig und spannungsreich wie auch humorvolle Töne gekonnt artikuliert werden. Das Stück 'Ad Pulpitum' aus dem Stift Nonnenberg etwa ruft nach und nach verschiedene Musikergruppen auf die Bühne (ad pulpitum), bevor man sich vom Publikum verabschiedet (das erinnert geradezu an das letzte Stück einer Jazz-Combo, bei dem die Musiker namentlich vorgestellt werden). Mit zarter, schnippischer Stimme brilliert hier Emma Kirkby, mit der klanglichen Imitation aller genannten Instrumentengruppen zeigt hier das Ensemble sein Können und seine künstlerische Fähigkeit, einer Refrainstruktur immer neue Seiten abzugewinnen und so Ausgrabungsstücke zum Funkeln zu bringen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tobias Roth Kritik von Tobias Roth,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Salzburg Barock: Werke von Biber, Muffat, Hofer & Bernardi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
13.05.2011
63:06
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
885470001203
0300120BC


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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