> > > Reger, Max: Klavierkonzert in f-Moll
Dienstag, 21. Mai 2019

Reger, Max - Klavierkonzert in f-Moll

Unaufgeregt


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marc-André Hamelins Einspielung von Max Regers selten gespieltem Klavierkonzert ist insgesamt gut gelungen. Aber es gibt überzeugendere Deutungen.

Max Regers Klavierkonzert gehört nicht zu den Werken, die allzu häufig auf den Konzertpodien der Welt zu hören sind. Nach der Uraufführung im Leipziger Gewandhaus am 15. Dezember 1910 durch die Pianistin Frieda Kwast-Hodapp (von Reger scherzhaft ‚Kwast-Hut ab‘ genannt) sollte es diverse Jahre dauern, bis sich auch andere Pianisten des Werkes annahmen. Bis heute handelt es sich um eine ausgewählte Schar von Künstlern, die interpretatorische Virtuosität in den Dienst der Komposition stellen und sich selbst nicht als Star positionieren (unter ihnen Alfred Hoehn, Eduard Erdmann, Hoehns Schüler Erik Then-Berg, Rudolf und Peter Serkin, Amadeus Webersinke, Gerhard Oppitz, Barry Douglas sowie der frühverstorbene Steven de Groote). Nun sind die pianistischen Fähigkeiten Marc-André Hamelins ganz unzweifelhaft und sein Erkundungstrieb vergleichsweise unbekannter Werke groß, doch hatte schon seine erste Reger-Einspielung (Bach-Variationen op. 81, Telemann-Variationen op. 134 und 'Humoresken' op. 20) den Rezensenten nicht vollends überzeugt, da Virtuosität die emotionale Vertiefung in die Werke überwog und in den 'Humoresken' falsche Töne zu hören waren (wohl weil die Einspielung der ‚Bonus-Tracks‘ prima vista, quasi vom Blatt gespielt erfolgte?).

Für die vorliegende CD muss Marc-André Hamelin entweder alles zugeflogen sein oder er hat verdammt hart geübt – das merkt man bei beiden Kompositionen auf dieser CD, die gewissermaßen durch den eröffnenden Paukeneinsatz einen kleinsten gemeinsamen Nenner haben. Die Noten sitzen, beim Solisten wie im Orchester. Der israelische Dirigent Ilan Volkov, seit 2003 Leiter des BBC Scottish Symphony Orchestra, hat das Rundunk-Sinfonie-Orchester Berlin gut im Griff – ein Orchester, das schon häufig das Reger-Konzert gespielt hat, nicht zuletzt im Juni 2009 unter Marek Janowski in der Berliner Philharmonie. Hamelin ist brillant, verblüffend brillant, und der nachgerade rhapsodische Zugang zur Partitur überzeugt im Ganzen durchaus. Damit gehört die Einspielung durchaus in die erste Reihe zu jenen Einspielungen unter Horst Stein (mit Gerhard Oppitz, 1988), Marek Janowski (mit Barry Douglas, 1994) oder auch Eugene Ormandy (mit Rudolf Serkin, 1958). Wenn es der Einspielung an etwas mangelt, dann an Poesie und Charme. Reger kann man nicht mit bloßer Brillanz beikommen. Das Herz muss mit dabei sein. Und so wirkt die Einspielung bei allem Einsatz schlussendlich nicht ganz so berührend wie manche Konkurrenzproduktion, selbst im großen 'Largo con gran espressione'; die Brillanz bleibt stets im Vordergrund.

Und ein weiteres Manko muss Erwähnung finden. Leider werden Regers differenzierte dynamische und Tempo-Angaben durch Hamelin wie durch Volkov immer wieder konterkariert. Wenn Reger klar ‚a tempo‘“ vorschreibt, wäre es schön, wenn sich Hamelin wenigstens den vorgegebenen einen Takt einigermaßen daran halten könnte. Schon bei Berücksichtigung von Regers Tempoangaben wogt das Werk beeindruckend, da benötigt man keine interpretatorischen Freiheiten. Ebenso steht es bei Regers dynamischen Angaben. Es sei eingestanden, dass Reger sehr, sehr viel in seine Partituren eingetragen hat; viele meinen: zu viel. Und vielleicht stehen in der Tat Regers genaue Vorschriften einer häufigeren Aufführung des Klavierkonzerts im Wege. Im direkten Vergleich mit insbesondere der Einspielung unter Janowski zeigt sich aber, dass Regers Anweisungen durchaus umsetzbar sind, und da ich ein Anhänger des Schlagwortes ‚Werktreue‘ bin, ist es mir lieber, eine vielleicht nicht ganz perfekte Interpretation vor mir zu haben, die aber dem Geist der Komposition und seines Schöpfers zu folgen bestrebt ist, als eine, die sich auf eine wie auch immer geartete künstlerische Freiheit beruft. So bleibt die Einspielung schlussendlich in gewisser Weise denn doch unregerisch und unbeteiligt. In guter Gesellschaft, doch nicht am Haupt der Tafel sitzend sozusagen.

Regers Klavierkonzert ist gekoppelt mit Richard Strauss’ 'Burleske' d-Moll, einem von Strauss selbst später nicht mehr für voll genommenen Werk, dem er keine Opuszahl verlieh, das aber trotz seines eher sekundären Status’ bei Interpreten, Dirigenten und Schallplattenindustrie eine allzu große Beliebtheit genießt, ganz im Gegensatz zu Strauss’ vollgültigen Werken für Klavier und Orchester, 'Parergon' zur 'Sinfonia domestica' op. 73 und 'Panathenäenzug' op. 74, Werken für Klavier (linke Hand) und Orchester. Hier hätte man also eine andere Ergänzung suchen können, auch wenn eine solche vielleicht etwas schwierig zu finden wäre. Vielleicht hätte sich nach Konsultation von Fachleuten ein Konzertwerk eines Regerschülers angeboten, etwa des Polen Witold Friemann, des Tschechen Erwin Schulhoff, des Finnen Aarre Merikanto oder auch des Ungarn George Széll. Ja, sie alle (und noch viel mehr, etwa Jaromir Weinberger und Othmar Schoeck) waren Reger-Schüler, auch wenn man es kaum glauben kann (auch musikalisch nicht). Die Strauss-'Burleske', die auch Marek Janowski mit Barry Douglas schon als ‚Füller‘ genutzt hat, muss mehr als Verlegenheits- und Verkaufslösung angesehen werden, nach dem Motto: ein schlagkräftiges Werk sollte schon vorhanden sein. Aber das diskreditiert meines Erachtens das gesamte Unternehmen. Reger braucht keinen verkaufsfördernden ‚Bonus-Track‘.

Doch auch bei diesem Werk bleibt Volkov im direkten Vergleich zu Janowski brillant, äußerlich, nicht so überzeugend in der Formgestaltung. Das hat weniger mit dem Tempo zu tun als vielmehr mit der Frage, ob das Tempo gehalten wird. Strauss hob klar hervor, dass er, wenn er ein Rubato haben wolle, er es komponiert habe. Weiteren Schnickschnack braucht seine Musik nicht, und so ist jedes zusätzliche Rubato, das sich nicht aus der Partitur ergibt, eher kontraproduktiv. Hamelin ist präzis wie immer, doch wirkt das Ganze – besonders wegen Volkovs Dirigat – deutlich weniger rund als viele Vergleichseinspielungen. Da hilft auch die sehr gute Aufnahmetechnik nicht, von Andrew Keener, jenem Nestor digitaler Aufnahmetechnik, souverän überwacht. Mit Nigel Simeone wurde ein namhafter Bookletautor gewonnen, dessen Text keine Wünsche offen lässt. Leider ist der Text, zusammen mit der Aufnahmetechnik, schlussendlich das Beste an der ganzen Einspielung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reger, Max: Klavierkonzert in f-Moll

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
EAN:

034571176352


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Interpret(en):Hamelin, Marc-André


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

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