> > > The golden age of light music. The Composer Conducts Vol.II: Werke von Bliss, Newman, Gillis u.a.
Montag, 18. Oktober 2021

The golden age of light music. The Composer Conducts Vol.II - Werke von Bliss, Newman, Gillis u.a.

Von der Quelle


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch die 78, Folge von Guilds Bemühen um leichte musikalische Kost aus England kann für sich einnehmen.

Man macht offenbar etwas richtig bei dem Label Guild. Mittlerweile bei Folge 78 angelangt ist die Reihe ‚The Golden Age of Light Music‘. In Deutschland würde man wohl vom Silbernen Zeitalter der leichten Muse sprechen, wenn man Musik der 1930er- bis 1950er-Jahre betrachten würde, vielleicht sogar nur vom bronzenen (unter dem Goldenen Zeitalter versteht man im deutschen Sprachgebrauch die Musik des österreichischen Kaiserreiches von Franz Joseph II.). Jede der 78 CDs hat einen mehr oder weniger überzeugenden Titel; diesmal sitzen wir sozusagen ‚an der Quelle‘, uns beglücken am Dirigentenpult die Komponisten selbst. Vor allem handelt es sich um Briten, in wenigen Fällen Amerikaner, in beiden Fällen ganz offenkundig um solche. Alfred Newman war ein bedeutender Filmkomponist, der Ausschnitt aus der Musik zu ‚Pinky‘, einer Art Südstaatendrama von 1949 belegt diese Eigenschaft und die hohe Qualität seiner Filmmusik bestens. Donald Eugene Gillis ist hier mit dem 'Scherzofrenia' aus seiner 'Symphony No. 5 ½' vertreten, einem typischen Beispiel leichtfüßiger amerikanischer Sinfonik. Leider ist hier nur ein Satz zu hören (in Folge 56 war der erste Satz der Sinfonie erschienen, ob weitere auf Schallplatte vorliegen, steht noch zu erkunden).

Alle anderen hier vorgestellten Komponisten-Dirigenten entstammen den britischen Inseln oder dem Commonwealth. Robert Farnon, in Kanada geboren, wurde ebenso vollständig adaptiert wie der aus Tasmanien gebürtige Hubert Clifford, der jüngst auch als ernster Komponist wieder vollständig rehabilitiert worden ist. Farnons 'State Occasion' ist eine Art Vermischung von Walford Davies’ 'Solemn Melody' und Elgar, mit einem Touch Sentimentalität und einem weiteren Touch Ironie, Cliffords 'Naval Occasion' auf seine Weise eine Art Pendant zu Farnons Stück. Ivor Novello, der glamouröse walisische Entertainer, beweist in 'The Dancing Years' Nähe zu Frederick Loewe, Sidney Torchs 'International Sports March' enthält gelegentliche Anklänge an Franz Lehár und George Melachrino parodiert aus der Ferne und höchst brillant Debussy mit 'Les Jeux', einem Stück, das mir fast lieber ist als das französische Original. Eric Coates ist ganz er selbst in 'Salute the Soldier', ebenso Walter Collins in 'Strings in the Mood' und Arthur Bliss in dem Marsch aus der Filmmusik zu ‚Things to Come‘. Ein wie guter Filmkomponist Bliss tatsächlich war, erschließt sich unmittelbar, wenn man den jüngst neu digitalisiert wieder aufgelegten Film von 1935 aus dieser Perspektive betrachtet (hier wurde auf die Neuaufnahme Bliss’ aus dem Jahr 1959 zurückgegriffen). ‚The League of Gentlemen‘  ist der merkwürdig bekannt erscheinende Titel eines Filmes von 1960, der heute ebenso gut ‚Ocean’s Few‘ heißen könnte. Einer der beiden hier gebotenen Sätze aus der Filmmusik von Philip Green hat den ironischen Titel 'Thema des Goldenen Vlieses', vermittelt aber vielmehr unmittelbar die militärisch-ironische Disziplin, mit der hier das Verbrechen geplant wird. Ebenfalls einer Filmmusik (‚Yangtse Incident‘) ist ein Marsch von Leighton Lucas entnommen, einem Komponisten, der ähnlich Constant Lambert höchst erfolgreich zwischen Ballett und ernster Muse wechseln konnte, was seinem Nachruhm aber nicht dienlich war.

Zwei Potpourris enthält die CD, Frederic Curzons 'Rendezvous with Curzon' und Montague Ewings 'Selection of Radio Novelty Tunes': brillante Beispiele spritziger, gut geschriebener Unterhaltungsmusik. Ewing ist einer jener Pianisten-Bandleader, die den Charme einer vergangenen Ära unmittelbar wieder lebendig macht. Nicht ganz in diese Kategorie gehört Alfred Ketèlbey, auch wenn er in 'Wedgewood Blue' am Klavier sitzt. Peter Yorke hat für seine 'Dawn Fantasy' 1950 einen Solisten engagiert (Arthur Sandford), Hubert Bath für seine berühmte 'Cornish Fantasy' aus dem Film ‚Love Story‘ eine Solistin – keine geringere als Harriet Cohen, international berühmte Klaviervirtuosin und Muse von Arnold Bax.

Naturgemäß ist die Aufnahme- bzw. Überspielungsqualität des Materials aus rund dreißig Jahren gänzlich unterschiedlich, vom schwachen Mono (in Charles Ancliffes 'Thrills' oder Arthur Woods 'Three Dale Dances') bis hin zum brillanten Stereo (‚Things to Come‘). Da gibt es naturgemäß auch teilweise Abstriche beim Remastering. Da das Booklet aber überzeugend (aber natürlich nur auf Englisch) ist und wir in der Tat hier ausnahmslos im besten Sinne autoritative Einspielungen vorliegen haben, sind die Einschränkungen des Hörerlebnisses marginal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The golden age of light music. The Composer Conducts Vol.II: Werke von Bliss, Newman, Gillis u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
26.04.2011
Medium:
EAN:

CD
795754517828


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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