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Samstag, 26. September 2020

Berlioz, Hector - Sinfonie Fantastique

Eine symphonische Oper


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mariss Jansons bleibt den Ausdruckskontrasten in der 'Symphonie fantastique' von Hector Berlioz nichts schuldig. Der Mitschnitt aus Istanbul zeigt die Berliner Philharmoniker in glänzender Spiellaune.

Die Zeitschrift ‚Opernwelt‘ hat Mariss Jansons kürzlich zum Dirigenten des Jahres gekürt. Das ist keine ganz selbstverständliche Wahl, da Jansons (leider) nur sehr selten Opern dirigiert. Dennoch beteuert er immer wieder, dass sie eigentlich seine große Liebe sei. Hat man einmal eine Aufführung unter seiner Leitung erlebt, so wird man nicht zögern, ihm zu glauben. Im letzten Jahr war es Tschaikowskis 'Eugen Onegin', den Jansons erst mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks konzertant in München, dann mit dem Concertgebow Orchester im Opernhaus von Amsterdam einem begeisterten Publikum zu Gehör brachte.

Dass die Liebe zur Oper, zu großen Gesten und gewaltigen Affekten, eben zum Geschichtenerzählen mit musikalischen Mitteln ihn geradezu prädestiniert für Berlioz‘ 'Symphonie fantastique', zeigt die jetzt bei Euroarts erschienene DVD eindrücklich. Sie enthält nicht nur den Mitschnitt eines Konzertes, das Jansons am 1. Mai 2001 in der Hagia Eirene gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern in Istanbul gab, sondern auch eine knapp 30minütige Einführung in das Werk.

Wulf Konold, einst Leiter des Staatstheaters Nürnberg und der Ludwigsburger Schlossfestspiele, erläutert in leicht verständlichem Ton biographische und musikalische Hintergründe von Berlioz‘ ungewöhnlicher Symphonie, die er zurecht als eine ‚instrumentale Oper‘ bezeichnet, in welcher nichts der Struktur, sondern alles dem dramatischen Programm folgt, das Berlioz seiner Symphonie unterlegte, um die ‚Episoden aus dem Leben eines Künstlers‘ (so der Untertitel der Sinfonie) sprachlich zu fixieren. Konold versäumt nicht, auf den Unterschied zu Beethovens ‚Pastorale‘ hinzuweisen und Berlioz‘ Begeisterung für Shakespeare, aber auch für E. T. A. Hoffmann, Goethe und Chateaubriands ‚René‘ in Bezug zur 'Symphonie fantastique' zu stellen. Es ist also eine kurzweilige, durchaus gehaltvolle Einführung. Keine schlechte Idee, dergleichen einer DVD beizugeben.

Mariss Jansons entfaltet in seiner Interpretation die dramatischen Gegensätze, die das Werk prägen, mit untrüglichem Gespür für große Effekte, und die Berliner Philharmoniker bieten ihm an Klanggewalt und -schönheit, was man sich immer nur wünschen kann. Gleich im ersten Satz – programmatisch 'Rêveries – Passions' überschrieben – wird das deutlich. So verhalten melancholisch die 64 Takte der langsamen Einleitung klingen, so jubelnd und brillant tönt der rasche Hauptteil, geht es doch um die Verwandlung von melancholischer Träumerei in entfesselte Leidenschaft. Schwebend leicht ertönt der zweite Satz ('Un bal') mit seinen Harfenklängen, zarten Holzbläsern und flirrenden Streichern. Die in Flöten und Oboen wiederkehrende ‚idée fix‘ bietet genauso die Möglichkeit, die hervorragenden Bläser der Berliner Philharmoniker zu bewundern wie im folgenden Satz ('Scène aux champs') Englischhorn und Oboe, die eine ländliche Idylle malen. Beeindruckend gelingt es Jansons, die große Steigerung des vierten Satzes ('Marche au supplice') in einem großen Bogen zu gestalten: ein glaubhaft immer grässlicher werdender Angsttraum der Hinrichtung. Es erübrigt sich beinahe, zu erwähnen, dass sich Jansons, klug disponierend, für den Finalsatz, auf den ja doch alles zuläuft, noch Steigerungsmöglichkeiten aufgespart hat. Eine beeindruckende 'Symphonie fantastique', festgehalten in tadelloser Ton- und Bildqualität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Berlioz, Hector: Sinfonie Fantastique

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
07.03.2011
Medium:
EAN:

DVD
880242561589


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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