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Sonntag, 16. Mai 2021

Johann Adolf Hasse: Requiem in C - Miserere in c

Sächsische Grandezza


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Hasses Requiem in C setzt Carus die Reihe der Einspielungen von Musik aus Dresden auf gewohnt hohem Niveau fort.

Überblickt man den Plattenmarkt und sucht nach Einspielungen von Werken Johann Adolf Hasses (1699-1783), so gewinnt man mittlerweile fast den Eindruck, als handle es sich hauptsächlich um einen Komponisten von Kirchenmusik, der sich eher nebensächlich auch mit der Oper und ein wenig Instrumentalmusik beschäftigt hat. Zwar ist sein spektakulärstes Werk 'Cleofide' von 1731, das ihn schlagartig in Dresden zum echten Star (und Hofkapellmeister) werden ließ, jüngst wieder neu aufgelegt worden, doch hält man heute seine Kirchenmusik ganz offenbar für entdeckenswerter als die vielfach als zu schablonenhaft abgestempelten Opern. Zumindest nach dem Hören der vorliegenden Einspielung seines Requiems C-Dur und des Miserere c-Moll mag man zweifeln, ob man ihm damit wirklich Unrecht tut, denn es handelt sich trotz manchem musikalischem Allgemeinplatz um facettenreiche Kompositionen, die Hasse als versierten und die Strömungen seiner Zeit bündelnden Komponisten ausweisen.

Kraftvoll und elegant

Hans-Christoph Rademann mit dem Dresdner Barockorchester und Kammerchor haben sich wie schon in der vorangegangen Einspielung von Hasses Requiem Es-Dur für eine Verbindung von Requiem und Miserere-Vertonung entschieden. Damit haben sie exakt die gleiche Kombination gewählt wie die bisher einzige Konkurrenzproduktion von Paul Dombrecht mit dem Ensemble Il Fondamento aus dem Jahr 1992. Schon die ersten Takte der Einleitung machen deutlich, wo der entscheidende Unterschied zwischen beiden liegt: Während Dombrecht duftig-leicht und mit zügigem Tempo den 'Requiem aeternam'-Satz wie einen flotten Opernchor musizieren lässt, setzt Rademann auf gravitätisches Schreiten und organische Dynamik, was dem 1763 anlässlich des Todes von Friedrich August II. entstandenen Werk sehr viel angemessener ist. Es gelingt Rademann in fantastischer Art und Weise, in Hasses Musik die kirchenmusikalische Satzstrenge mit der Süße italienischer Opernmusik zu verschmelzen und in einem Ganzen aufgehen zu lassen. Dabei geraten weder die fugierten Chorsätze zu steif oder hölzern noch die Arien zu theatralisch, beide Elemente beeinflussen einander.

Das Dresdner Barockorchester agiert mit äußerster Präzision sowie transparentem Klang und weiß mit durchdachter Phrasierung und Dynamik zu begeistern. Unter diesen Vorzeichen wird dem Verdacht von allzu großer Gefälligkeit der Musik Hasses erfolgreich entgegengewirkt. Dass Hasse auch die große Geste mit dramatischem Ausdruck in Töne zu setzen wusste, beweist das 'Lacrimosa', das – ganz besonders im Gegensatz zum opernhaften Koloraturgesang in den Arien – mit seinen lange gehaltenen Chor-Akkorden mit unterlegten Trompeten, Hörnern und Pauken geradezu staatstragend daherkommt. Gerade hier macht sich der wunderbar runde und volle Raumklang der Aufnahme bemerkbar, der ungemein einnehmend ist und dabei auch alle Nebenstimmen sehr präsent abbildet. Der Dresdner Kammerchor steht den Instrumentalisten dabei in nichts nach: Homogenität, Klangschönheit und Beweglichkeit lassen keine Wünsche offen.

Frische Stimmen

Ebenso sind die Solisten gleichmäßig gut disponiert, wenn auch die Altistinnen Wiebke Lehmkuhl und Marlen Herzog mehr zu tun haben und besonders dankbare Partien bekommen haben und diese ebenso fließend wie nuancenreich gestalten. Ihr Duett im 'Agnus Dei' zeigt eindrucksvoll, dass so noble Altstimmen wie in diesem Fall von reizvoll herber Farbe den Vergleich zu denn allseits bevorzugten Sopranistinnen keineswegs scheuen müssen. Das 'Miserere' als Ergänzung zum Requiem hätte zwar ohne Weiteres wegfallen können, zeigt aber das durchweg hohe Niveau der liturgischen Gebrauchsmusik an der katholischen Hofkirche, in der alle Beteiligten nochmals glänzen können. Insgesamt handelt es sich um eine willkommene Ergänzung und Erweiterung des Dresdner Musikrepertoires des 18. Jahrhunderts.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Johann Adolf Hasse: Requiem in C: Miserere in c

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.04.2011
070:07
2010
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350833494
8334900


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"Johann Adolf Hasse (1699-1783) war als Komponist unbestreitbar das Idol der Epoche des Spätbarock. Obwohl heutzutage vor allem als Opernkomponist berühmt, hinterließ er auch zahlreiche qualitätsvolle geistliche Werke. Endlich wird die Sakralmusik für den Dresdner Hof für den Tonträger erschlossen. Wie bereits bei der mehrfach ausgezeichneten CD mit Hasses Requiem in Es-Dur und dem Miserere in d-Moll (Carus 83.175) widmen sich der Dresdner Kammerchor und das Dresdner Barockorchester unter Hans-Christoph Rademann erneut dieser Kombination: diesmal mit einer nicht weniger preisverdächtigen Einspielung vom Requiem in C-Dur und dem Miserere in c-Moll."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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