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Dienstag, 2. März 2021

Schumann, Robert - Humoreske in B flat major

Giacometti - auf vielen Gebieten überraschend


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


1970 wurde er in Mailand geboren, kam im folgenden Jahr mit seinen Eltern in die Niederlande, wo er im Alter von neun Jahren seinen ersten Klavierunterricht erhielt, zuerst in Hilversum, dann am Amsterdamer Sweelinck Konservatorium bei Jan Wijn. Nach seinem Examen besuchte er Meisterkurse bei so bedeutenden Pianisten und Lehrern wie Detlef Kraus, Karl- Heinz Kämmerling, Lazar Bermann, um nur einige zu nennen. Auch in zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben hat er sich bewährt, wird unter anderem von Steinway in der Liste der ‘Steinway artists’ geführt.
Er spielte mit bedeutenden Orchestern, gab Recitals in Italien, Deutschland, Frankreich, steht am Anfang einer großen Karriere. Was ihn besonders auszeichnet ist seine Liebe zur aktiven Kammermusik. Den solistischen Ansatz hat er nie vernachlässigt, aber er begreift sich eben auch als Partner gleichwertiger Musiker. Sehr beeindruckend ist seine Zusammenarbeit mit dem Cellisten Pieter Wispelwey, mit dem er Kammermusikwerke von Reger, Schubert, Chopin, Faure, Poulenc, Schumann und Hindemith einspielte.

Sein Klangspektrum hat er, für einen noch jungen Pianisten recht untypisch, mit der dreiteiligen Einspielung des Klavierwerks von Giacomo Rossini erweitert, für die er im Jahre 2001 auch ausgezeichnet wurde. Für seine bei Channel Classics nun erschienene CD hat er ausschließlich Werke von Robert Schumann gewählt, die Humosresque B-Dur op.20, die Toccata in C-Dur op.7 und die Phantasiestücke op.12. Als weitere Besonderheit mag das Instrument einzuordnen sein, auf dem Paolo Giacometti spielt. Es ist ein Flügel von Johann B.Streicher, Wien 1847. Kein Steinway oder Bösendorfer, sondern ein Flügel mit einem unheimlich warmen, volltönigen Klang, dessen Mechanik ungewöhnlich präzise anspricht.

Zuerst einmal der wohl beeindruckendste Teil des Programms, die Phantasiestücke op.12, im Jahre 1837 geschrieben. Diese Einzelbilder, auf die Erzählungen Hoffmanns zurückgehend, fordern fast zu einer Deutung nach ihren Überschriften heraus. Schumann selber hat nachträglich solche auch geliefert. Hier zeigt sich Paolo Giacometti von seiner besten Seite. Die plastischen, in sich geschlossenen Gestalten gibt er mit Sensibilität wieder. Im ersten Stück, ‘Des Abends’, wird der ruhige Zugang sofort deutlich, den der Pianist wählt. Das rhythmische Element dieses quasi schwebenden Préludes ordnet er ein in die Grundstimmung. Der ‘Aufschwung’ erklingt mit leichtem Leggiero- Anschlag sehr lebendig und frisch. Eine Erinnerung an die Geschichte von Hero und Leander wird im Spiel Giacomettis deutlich, so intensiv und gleichzeitig schattierungsreich spielt er das Kleinod ‘In der Nacht’. Fast wie eine Konzertetüde erklingen die ‘Traumes Wirren’, nicht umsonst einer alten Ausgabe folgend mit zwei Worten betitelt. Die exzellente Vorbereitung zeigt sich eben auch in solchen Kleinigkeiten, neueren Ausgaben folgend wird der Titel oft Traumeswirren geschrieben, der Interpretation auch sprachlich sind keine Grenzen gesetzt. Schumann selber meinte, dass ‘die Hauptsache bleibt, ob die Musik ohne Text und Erläuterung an sich etwas ist’. In der Interpretation durch Paolo Giacometti werden diese Traumszenen einzeln bestehend doch in einen größeren stilistischen Gesamtzusammenhang gebracht. Den Werken Schumanns kommt der persönliche Klang von Paolo Giacometti sehr entgegen.

Die Humoreske b-moll op.20 kann mit den Worten R. Schumanns typisiert werden, die er an Clara Wieck schrieb:’ Die ganze Woche saß ich am Klavier und komponierte und schrieb und lachte durcheinander; dies findest Du nun alles schön abgemalt...’. An Jean Paul erinnert der Humor, der dort aufgezeigt wird, auf die Verschmelzung von Gemüt und Witz. Diese gewollte Verbindung der Komponenten gelingt nicht, es bleibt ein Neben- ja Gegeneinander der Darstellung von Eusebius und Florestan. Die Brüche und Extreme dieses Werkes spielt Paolo Giacometti nun sehr deutlich, wobei er die poetische Verbindung nie verliert. Ein großer Wurf gelingt ihm dadurch, seine Anschlagstechnik ist sehr differenziert und das gewählte Klangspektrum den veränderten Stimmungen angepasst. Rhythmische Veränderungen erscheinen nicht verzerrt, wie es bei anderen Einspielungen oft der Fall ist, sondern natürlich, schlüssig und nachvollziehbar.

Das vielleicht ‘schwächste’ Stück dieser CD, die Toccata op.7, erscheint in der Interpretation des Pianisten nicht enthusiastisch oder dramatisch genug. Dies mag aber zum Teil auch am Instrument liegen, das bei den anderen Werken wunderbar passend erscheint, hier aber doch klanglich an seine Grenzen kommt. Der virtuose Charakter bleibt erhalten, das Drängende geht aber etwas unter.
Der gute Gesamteindruck wird ergänzt durch ein viersprachiges Beiheft. Schade nur, dass die Informationen über den Werdegang von Paolo Giacometti nicht in alles Sprachen wiedergegeben sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Kritik von Axel Engels,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Humoreske in B flat major

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Channel Classics
1
01.07.2002
2001
02
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0723385167983
CCS 16798

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Schumann, Robert


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Interpret(en):Giacometti, Paolo (Piano)


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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