> > > Telemann, Georg Philipp: Der Tod Jesu
Dienstag, 7. Dezember 2021

Telemann, Georg Philipp - Der Tod Jesu

Ausdrucksstarkes Passionsoratorium


Label/Verlag: Rondeau
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Den Instrumentalisten und Sängern des Bach Consort Leipzig gelingt es, mit ihrer Interpretation positiv auf Telemanns Passionsoratorium 'Der Tod Jesu' aufmerksam zu machen.

Nur selten widmet sich ein Ensemble Georg Philipp Telemanns Passionsoratorium 'Der Tod Jesu', das zu Unrecht im Schatten der großen Passionen Bachs steht. Das Bach Consort Leipzig machte sich mit seinem Leiter Gotthold Schwarz an eine Aufnahme. Schwarz und spielte das Werk aus zwei Gründen mit einem kleinen, reduzierten Ensemble ein. Zum einen wollte er sich den historischen Begebenheiten annähern, in denen nur begrenzt Musiker zu Verfügung gestanden haben, zum anderen aber auch, um die spezifische Gestaltung der Komposition durch Transparenz verdeutlichen zu können. Die vier Gesang-Solisten bilden daher gleichzeitig den Chor, womit der Grundklang flexibler erscheint als in chorischer Besetzung. In den eingestreuten Choralstrophen von 'Du, dessen Augen flossen' bis 'Ihr Augen weint!' zahlt sich dieses Prinzip und die Vorgehensweise positiv aus, denn die einzelnen Stimmen können gut verfolgt werden. Sänger und Instrumentalisten sind sehr gut aufeinander abgestimmt, folgen denselben Phrasierungsmodellen und dynamischen Bögen, wodurch Effekte wie der Ausruf 'O wehe' plastisch werden. Dabei sind die Musiker trotz ihrer begleitenden Aufgabe keineswegs im Hintergrund.

Das Libretto des 'Tod Jesu' stammt von Karl Wilhelm Ramler, der sich in seiner Fassung nicht an einem der vier Evangelien der Bibel orientierte, sondern eine Neudichtung auf Basis verschiedener darin enthaltener Szenen zusammenstellte. Er verzichtete auf eine chronologische Nachzeichnung der Passionsgeschichte und setzte nicht den Sohn Gottes in den Mittelpunkt der Handlung, sondern den sterbenden Menschen Jesus, der sein Schicksal nicht beeinflussen konnte. Die affektgeladenen Szenen werden von Telemann auf unterschiedliche Weise, doch stets sehr wirkungsvoll umgesetzt.

Alte Form in neuer Funktion

Wie in Oratorien, Passionswerken oder anderen Vertonung von Bibelabschnitten verwendet auch Telemann in seinem 'Tod Jesu' Rezitative und Arien, die von den verschiedenen Solisten präsentiert werden. Da jedoch kein wörtlich übernommener Text aus der Bibel in erzählerischer Form eines Evangelisten oder als Aussprüche anderer Personen im Libretto vorhanden sind, entfallen die beschreibenden Passagen. Sie weichen affektbetonten Gefühlsäußerungen, wodurch sie im Prinzip zu einer Art ‚Vorarie‘ werden, die normalerweise diese Funktion übernahm. Mit drei Rezitativen, zwei Arien und einer Cavate übertrug Telemann dem Bass die Hauptfunktion. Gotthold Schwarz (Bass) trennt die Formen in der Art der Ausführung kaum, wobei dies keinen Nachteil darstellt. Schon im Rezitativ beginnt er mit seiner ganzen Ausdruckskraft, die er zum Beispiel im nachfolgenden 'Du Held, auf den die Köcher des Todes geleeret' noch ausbauen und steigern kann. Schwarz passt seine warme, ausdrucksvolle Stimme nicht nur dem Ausdruck eines Satzes, sondern jedes einzelnen Wortes an, womit er der malerischen Konzeption Telemanns hervorragend entgegenstrebt. In einer Arie können somit Dramatik und Hoffnung nebeneinander stehen. Siri Karoline Thornhill (Sopran) kann in ihrem einzigen Rezitativ mit der Arie 'Singt dem göttlichen Propheten' mit ihrer klaren Stimme und glänzender Technik in den weiten Intervallen überzeugen. Die angekündigte Prophezeiung ('Ich sage dir, du wirst noch heute mit mir im Paradiese sein') wird von ihr dabei in einer zarten, Hoffnung vermittelnden Weise vorgetragen. Die volle Stimme Susanne Krumbiegels (Alt) ist dagegen wie für die dramatischen Rezitative Telemanns geschaffen. Krumbiegel und Schwarz stellen zudem in 'Feinde, die ihr mich betrübt' perfekte Duett-Partner dar, die miteinander eine Melodie sorgsam modellieren oder gekonnt im Kontrapunkt agieren. Das Rezitativ 'Jerusalem, voll Mordlust' übernimmt Albrecht Sack (Tenor), wobei die Verständlichkeit bis in den schnellsten Wiederholungen erhalten bleibt. Sacks Arie 'So stehet ein Berg Gottes' zählt zu einem der vielen Highlights der Einspielung, da er Kraft und Virtuosität in seiner Stimme vereint und beides an den richtigen Stellen einsetzt. Koloraturen werden von ihm flüssig vorgetragen. Den Instrumentalisten und Solisten des Bach Consort Leipzig ist damit eine vollauf überzeugende Einspielung gelungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Der Tod Jesu

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Rondeau
1
01.04.2011
Medium:
EAN:

CD
4037408060387


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Rondeau

Rondeau Production – am kulturellen Puls!

Rondeau Production ist ein Synonym für künstlerisch wie technisch erstklassige Einspielungen von geistlicher Chor- und Vokalmusik. Seit Jahren verbindet das Unternehmen eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Spitzenensembles der Vokalszene: Der Thomanerchor Leipzig, der Windsbacher Knabenchor, der Knabenchor Hannover – gerade hier engagiert sich Rondeau mit Begeisterung für die jungen Talente und stellt ihre beeindruckende Leistungsfähigkeit mit mehrfach ausgezeichneten Aufnahmen unter Beweis. Erstklassige Künstler, deren hohe Ansprüche an sich selbst und der Fokus auf besondere Qualität bedingen die eigene Unternehmensphilosophie und sind der Grundstein für ein in dieser Ausprägung einzigartiges Portfolio an Tonträgern. Eine weitere Öffnung für Orgelmusik mit Künstlern wie Tobias Frank, Oliver Kluge oder Ullrich Böhme sorgt für weitere Klangvielfalt. Neben Labelmanager und Produzent Frank Hallmann garantiert ein kreatives Team musikbegeisterter Mitarbeiter den hohen Standard. Die Aufnahmen entstehen an interessanten und handverlesenen Konzertorten, während Mischung, Mastering und CD-Produktion im hauseigenen Tonstudio in der Leipziger Petersstraße erfolgen. Daher sorgt nicht nur der Sitz in der Bach-Stadt dafür, dass das Label stets am kulturellen Puls agiert.

Geschichte: Aus der Provinz in die weite Welt!

Rondeau Production – das sind über 25 Jahre begeistertes wie begeisterndes Engagement für die Chormusik in Deutschland auf höchstem Niveau. Karl-Friedrich Beringer, langjähriger Leiter des Windsbacher Knabenchores, gründete 1977 gemeinsam mit Herbert Lange das erfolgreiche CD-Label, um die eigenen Tonträger anbieten zu können, und noch immer gehört das Spitzenensemble aus Mittelfranken zu den Zugpferden des Unternehmens. Im Jahr 2005 entschloss sich die Rondeau Production zu einer Erweiterung ihres Angebots und nahm den traditionsreichen Thomanerchor sowie den Knabenchor Hannover als renommiertes Pendant in ihr Portfolio auf. Diesen vokalen Klangkörpern folgten immer mehr namhafte Chöre und Ensembles, so dass sich der Katalog von Rondeau Production mittlerweile wie ein „Who is who?“ der deutschen Vokalszene liest und anhört. Darüber hinaus ergänzte man das Angebot auch in Richtung Orgelmusik, wofür man Interpreten wie Tobias Frank, Oliver Kluge oder Ullrich Böhme gewinnen konnte. Seit 1996 ist Frank Hallmann als Journalist und Diplom-Kirchenmusiker Geschäftsführer von Rondeau Production und damit maßgeblich für das heutige breite wie tiefe Angebot des Unternehmens verantwortlich. Rondeau Production ermöglicht dabei nicht nur die Produktion, sondern auch den weltweiten Vertrieb ausgewählter CDs mit exzellenter Geistlicher Chormusik in hoher Qualität. Für den bundesweiten Vertrieb der Tonträger im Fachhandel sorgt Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs GmbH und fungiert so als wichtiger Partner der Rondeau Production.


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