> > > Stockhausen, Karlheinz: Tierkreis
Mittwoch, 30. November 2022

Stockhausen, Karlheinz - Tierkreis

Als Odysseus im Reich der Klänge


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dominik Susteck interpretiert Karlheinz Stockhausen 'Tierkreis' - mit großartigem Erfolg. Diese Einspielung darf Referenzstatus beanspruchen.

Erst einmal stellt sich Skepsis ein, wenn eine CD wie diese auf dem Schreibtisch liegt: Karlheinz Stockhausens 'Tierkreis – 12 Melodien der Steinzeichen' in der Fassung für Orgel, die vom Verlag knallig als ‚Ersteinspielung für Orgel‘ annonciert wird. Das Misstrauen wächst, wenn auf der Homepage über Orgel und Interpretation zu lesen ist: ‚Die 2004 eingeweihte Orgel ist in Design und Struktur in ihrer Art weltweit einzigartig‘, so Dominik Susteck. Seine Interpretation des Stockhausen-Werks beschreibt er als ‚gefrorene, musikalische Bewegung. Das Instrument klingt nicht mehr nach Orgel, sondern zeigt sich als farbiges, wendiges und dynamisches Wesen.‘

Aber die Skepsis verfliegt beim Anhören der CD recht schnell. Dem Organisten Dominik Susteck scheint bewusst zu sein, dass gerade dieses Werk, das Stockhausen in den Jahren 1974/5 komponierte, ein besonderes Engagement erfordert. Es besteht im Prinzip aus Melodien, die an den ausführenden Instrumentalisten hinsichtlich manueller Fertigkeiten keine nennenswerten Anforderungen stellen. Gleichwohl muss sich der ausübende Musiker genau mit den Strukturen und Zusammenhängen auskennen, sonst fällt das Ganze leicht ins Triviale ab. Das vordergründig Traditionelle erweist sich bei genauerer Betrachtung als exakt konzipiertes Beziehungsgefüge zwischen zentralen und untergeordneten Tönen, aus denen zudem rhythmische und intervallische Verkettungen erschlossen werden können. Unter der Oberfläche kann man so durchaus serielle Denkweisen erkennen. All das fordert vom Instrumentalisten eine sensible Vorgehensweise.

Dominik Susteck ist in der Tat eine aufregende Sichtweise dieses Werkes gelungen. Die hochintelligente Registrierung der Orgel lässt eine dicht strukturierte, aber auch gleichzeitig sehr offene Klangwelt entstehen, wobei Susteck alle Klischees meidet. Mit wundervoller Wirkung etwa im Stück 'Wassermann' mit seinen bezaubernden klanglichen Nuancierungen oder im prächtigen Stück 'Löwe', dass bei aller Monumentalität stets durchhörbar bleibt.

Wie intensiv und phantasievoll sich Susteck mit dem Werk auseinandergesetzt hat, ist in den reflexiven Improvisationen zu hören, die Susteck dem Werk Stockhausens hinzugefügt hat und die von sublimer Poesie sind. Dass die vorliegende CD der Mitschnitt eines Konzertes vom 30. September 2008 ist, erhöht den Reiz dieser hervorragenden Interpretation. Die Orgel der Kunst-Station Sankt Peter Köln mit ihren vielen klanglichen Möglichkeiten ist zudem geradezu wie geschaffen für ein solches Werk.

Das Booklet ist überaus lesenswert und gibt gründlicheHinweise zur Komposition Stockhausens und zur Herangehensweise von Dominik Susteck. Manche Übertreibungen hätte man sich allerdings sparen können. Denn das musikalische Ergebnis spricht für sich.

 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stockhausen, Karlheinz: Tierkreis

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.04.2011
Medium:
EAN:

CD
4010228673623


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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