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Dienstag, 28. September 2021

Boccherini, Luigi - Streichquintette

Erleuchtet


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine weitere interpretatorisch tadellose Folge der Streichquintette Luigi Boccherinis mit dem Ensemble La Magnifica Communità.

Mit der Ausdauer eines Marathonläufers musiziert sich das Ensemble La Magnifica Communità durch den Riesenbestand von Boccherinis Streichquintetten. Jetzt liegt die neunte Folge der Gesamteinspielung vor. Zu hören ist das Opus 28. Von Ermüdungserscheinungen keine Spur: Leichtfüßig, sonnig, mühelos eilen die Italiener dahin. Doch ist nichts ihrem Spiel ferner als Oberflächlichkeit. Bekanntlich fordert gerade in der Musik Leichtigkeit die größte Anstrengung. Das Gleichgewicht aber von intellektuell erleuchteter Interpretation, technischer Souveränität und musikantischer Verve beherrscht La Magnifica Communità anscheinend mühelos.

Charakteristisch ist die Geschlossenheit, mit der die Formation agiert. Obwohl satztechnisch der ersten Geige öfters (und im ganzen auch tontechnisch) der Vorrang zukommt, ist die Interpretation zutiefst aus dem Geist des Zusammenspiels entwickelt. Die durchweg flüssige, lebendig-eingängige Phrasierung, die differenzierte, wandlungsfreudige Dynamik, die elastische, prägnante Rhythmik sind stets Sache des ganzen Ensembles. Das Dialogisieren der Melodiestimmen mit den Nebenstimmen wird derart klar herausgearbeitet, dass sich Einsicht in das fein konzipierte, durchaus nicht anspruchslose Klanggewebe der Boccherinischen Partituren öffnet. Neben der präsenten und klar konturierten Primgeige fallen insbesondere die warm-gedeckt intonierenden Mittelstimmen angenehm ins Ohr.

Mozartsche Abgeklärtheit?

Entdeckungsfreudig, plastisch, nuanciert geht La Magnifica Comunità zu Werke, im Grundgestus freundlich-verbindlich und humorvoll, wirkt dabei jedoch weniger offensiv als bei anderen Folgen der Gesamteinspielung. Ob das auch an den Werken liegt? Boccherinis öfters bis zur Ausgelassenheit mutwillige Gutgelauntheit scheint in seinem Opus 28 eigentümlich zurückgenommen. So wartet das A-Dur-Quintett (G 308) mit einem todtraurigen Moll-Larghetto auf, die Nummer vier des Opus (C-Dur, G 310) gar mit einem 'Grave' von bisweilen an Mozart erinnernder, emotional ambivalenter Abgeklärtheit. Die Interpreten finden an solchen Stellen zu einem zart verhangenen, weichen Ton, der freilich eher eine gehaltliche Nuance markiert: Unbeeinträchtigt sind Präzision und Durchsichtigkeit des Musizierens.

Technisch gibt die Aufnahme das reiche Spektrum der Haupt- und Zwischentöne treffend wieder. Klar und kontrastreich, mit leichtem Akzent auf den Oberstimmen werden die Dimensionen des Quintettspiels hörbar. Als Minuspunkt erscheint die Uneinheitlichkeit des Klangbildes: Ist die erste CD durch einen merklichen, aber nicht störenden Hall gekennzeichnet, so wirkt die zweite deutlich trockener, weniger räumlich. Anscheinend wurden zwei unterschiedliche Räume am Aufnahmeort, der Kirche von Cavarzere, gewählt, ohne dass man sich dazu gedrängt fühlte, dem Hörer die Wahl zu ersparen, welcher davon der bessere sei. Das Beiheft enthält einen sehr soliden, ausgewogenen, vielleicht sogar anregenden Text von Malcolm MacDonald, der dem in der vorigen Folge zu lesenden von Emanuel Overbeeke entschieden vorzuziehen ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Boccherini, Luigi: Streichquintette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
05.01.2011
Medium:
EAN:

CD
5028421939773


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