> > > Das vierhändige Pianobuch. Klaviermusik für Neugierige: Band 2. Originalkompositionen von Nicholas Carlton bis Jean Francaix
Mittwoch, 16. Oktober 2019

Das vierhändige Pianobuch. Klaviermusik für Neugierige - Band 2. Originalkompositionen von Nicholas Carlton bis Jean Francaix

Futter für Entdecker am Klavier


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für Abwechslung ist gesorgt in dem von der Edition Peters herausgegebenem zweiten Baden des 'Vierhändigen Pianobuchs', das seinem Untertitel ('Klaviermusik für Neugierige') alle Ehre macht.

Das Buch beginnt mit einem Divertissement g-Moll von Christian Heinrich Rinck, wie Beethoven im Jahre 1770 geboren. Das Werk bezieht sich in seinen vielen, sehr kurzen Sätzen oder Satzabschnitten deutlich auf barocke Formen. Das einleitende 'Adagio' wirkt wie ein Choral von Bach (Primo), dessen Verse von instrumentalen Zwischenspielen unterbrochen werden (Secondo). Es folgt ein kurzes Rezitativ, ein weiterer Abschnitt besteht aus einem Thema, das stark an eine Fuge von Bach für Orgel erinnert, ebenfalls g-Moll. Das Thema wird auch hier teilweise imitatorisch verarbeitet.

Neben Christian Heinrich Rinck enthält das Buch viele weitere Werke weitestgehend unbekannter Komponisten und trägt damit zu Recht den Untertitel ‚Klaviermusik für Neugierige‘. Da gibt es eine freche Tarantella von Jenö Takács, die mit Dissonanzen und triolischen Rhythmen spielt, dann die von flotten lateinamerikanischen Rhythmen geprägte Komposition 'Tabasco' von Thomas Peter-Horas, einem der Herausgeber des Bandes, oder eine klassische Sonate des Mozart-Zeitgenossen Johann August Just, bestehend aus 'Allegro maestoso' und Menuett, deren Primo-Part technisch wesentlich anspruchsvoller ist als der Secondo-Part und viele Geläufigkeit einfordernde Sechzehntel-Passagen enthält. Meist ist der Schwierigkeitsgrad zwischen den Spielern jedoch ungefähr ausgeglichen.

Der Band kann gut im Klavierunterricht Verwendung finden: Grundsätzlich kann man die Angabe ‚mittelschwer‘ auf nicht zu junge Klavierschüler beziehen, die bereits einige Jahre Unterricht hatten. Fortgeschrittenen Schülern werden die meisten Werke leicht und mit wenig Übung gelingen, technisch souveräne Lehrer werden bei den meisten Stücken einen Part ohne größere Schwierigkeiten vom Blatt spielen können.

Weitere Werke stammen zum Beispiel von Jean Francaix, dessen 'petit collégien' von weniger virtuosen Pianisten im vorgegebenen Tempo ('Vivacissimo', Viertel = 176) wegen der vielen Versetzungszeichen nicht wird realisiert werden können. Zu den technisch und musikalisch anspruchsvollsten Werken gehört auch 'Andantino' und 'Vivace' aus Antonín Dvoráks 'Silhouetten' op. 8. Obwohl der Band laut Cover nur Originalkompositionen enthält, sind Dvoráks Silhouetten eigentlich für zwei Hände vorgesehen, und auch der 'Cancan Grand-Mondain' aus Eric Saties 'La Belle Excentrique' ist eigentlich für kleines Orchester geschrieben. Diese beiden Werke sind auch nicht die einzigen Beispiele dafür, dass Einzelsätze aus größeren Werken entnommen wurden: Aus den 'Jeux de‘Enfants' von Georges Bizet ist zum Beispiel 'Petit Mari, Petite Femme' enthalten, aus Claude Debussys 'Six Èpigraphes antiques' der vorletzte Satz 'Pour la danseuse aux crotales'.

Einige Stücke scheinen etwas simpel, so zum Beispiel 'Carnival' von Wolf Mayer, ein Stück, dass speziell für den Band komponiert wurde, sich aber in 51 Takten durch eher banale, synkopierte Rhythmen erschöpft, die lateinamerikanische Anklänge aufgreifen.

Das älteste Werk stammt von Nicholas Carlton (1570-1630). Dessen Primo-Part enthält stellenweise eine einfache polyphone Stimmführung auch in nur einer Hand und erfordert demnach ein wenig Übung auf diesem Gebiet. Zwei Fugen von Wolfgang Amadeus Mozart (chronologisch die zweite Station des Bandes) und Alexandre Tansman bleiben dagegen bei einer Stimme bzw. akkordischem Satz pro Hand. Das avantgardistische Ende der Skala ist mit Urs Bührers 'auseinander – ineinander – nebeneinander' erreicht. Es enthält aleatorische Elemente, während des zweiten Satzes soll das rechte Pedal durchgängig gehalten werden. Die übrigen neueren Stücke verzichten auf experimentelle Techniken und wirken meist eher durch ihren Witz. Insgesamt ist das 20. Jahrhundert recht stark repräsentiert: Zwölf von 22 Stücken stammen aus der Zeit nach 1900.

Für Abwechslung ist also gesorgt: Jeder dürfte eigentlich Stücke nach seinem Geschmack finden, Schüler können viele Stilistiken kennenlernen. Ergänzt wird der Band durch einen knappen Anhang, in dem grundlegende Informationen zur Biographie der Komponisten nachzulesen sind (insgesamt zwei Seiten).

Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Das vierhändige Pianobuch. Klaviermusik für Neugierige: Band 2. Originalkompositionen von Nicholas Carlton bis Jean Francaix

Label:
Anzahl Medien:
Edition Peters
1

EAN:
BestellNr.:

9790014109974
EP 11081b

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"Auch in Band 2 liegt der Schwerpunkt wieder auf interessanter und wenig bekannter Literatur für spannende Entdeckungen. Dabei sind Primo- und Secondopart möglichst gleichwertig und eigenständig. Die Werke der Sammlung sind überwiegend originale Kompositionen für Klavier zu vier Händen. Das Repertoire reicht bis zu Werken von William Walton, Mike Cornick und Witold Lutosławski. Auch konnten wieder renommierte Komponisten für einige exklusive Beiträge gewonnen werden."


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Edition Peters

Seit mehr als 200 Jahren steht der Musikverlag C. F. Peters im Dienst von Musikpflege und Musikwissenschaft. Ausgaben klassischer wie zeitgenössischer Werke vereinigen sich in der EDITION PETERS zu einem Gesamtkatalog mit mehr als 12.000 lieferbaren Titeln. Erstklassige Qualität im Druck, ihr eigenes wissenschaftliches Profil und ihre Bezogenheit zur Praxis haben die Ausgaben der EDITION PETERS zu verlässlichen Garanten für eine musikalische Beschäftigung auf hohem Niveau werden lassen. Ungeachtet dessen hat es sich der Verlag zur selbstverständlichen Aufgabe gemacht, die an seine Editionen gestellten Qualitätskriterien immer wieder neu zu überprüfen.

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