> > > Foroni, Jacopo: Cristina Regina di Svezia
Sonntag, 5. Dezember 2021

Foroni, Jacopo - Cristina Regina di Svezia

Schwedische Geschichte auf italienisch


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jacopo Foronis 'Cristina Regina di Svezia' ist eine interessante Entdeckung und kann es mit bekannteren Werken eines Donizetti oder Verdi durchaus aufnehmen.

Aus schwedischer Perspektive ist es ein absoluter Glücksfall: die Wiederaufführung einer Oper, die mit Christina von Schweden (1626-1689) eine der schillerndsten und zugleich skandalträchtigsten Figuren ihrer Geschichte zur Titelheldin macht, musste fast zwangsläufig für einiges Aufsehen sorgen. Im Rahmen der jährlichen Aufführungen der Vadstena Akademien, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Gesangsstipendiaten in einer eher unbekannten Oper auftreten zu lassen, fand 2007 die erste Aufführung von Jacopo Foronis 'Cristina Regina di Svezia' seit ihrer Uraufführung 1849 statt, im August 2010 folgte dann die vorliegende Studioproduktion. Wie der Titel bereits verrät, folgt Foroni (1825-1858) der damals aktuellen Mode, große Personen oder Begebenheiten der Geschichte in fiktionalisierter Form auf die Bühne zu bringen. Direkte Vorbilder könnten etwa Donizettis 'Dom Sébastien, Roi de Portugal' (1843) oder 'Caterina Cornaro' (1844) gewesen sein, die er als politischer Flüchtling aus Italien infolge der Unruhen 1848 in Schweden ebenfalls zu Gehör brachte. Die Huldigung an den schwedischen König Oskar I. ist mit der 'Cristina' ebenso augenfällig wie erfolgreich gewesen. In der Folge sorgte er bis zu seinem frühen Tod an der Cholera für den Anschluss Stockholms an die modernen musikalischen Entwicklungen in Europa, indem er nun als Leiter des königlichen Theaters etwa Werke von Wagner, Meyerbeer, Schumann, Mendelssohn und Weber aufführte.

Konventionelles Libretto

Das Libretto beleuchtet schlaglichtartig die Stationen im Leben Christinas, die mit dem Ende des 30jährigen Kriegs und dem damit verbundenen immensen Machtgewinn Schwedens in Europa einsetzt, und mit ihrer Abdankung und der hier nur angedeuteten Konversion zum Katholizismus endet, in etwa also der Zeitraum von 1650 bis 1654. Die drei Akte teilen sich auf in fünf Teile, die überschrieben sind mit 'Liebe', 'Hochzeit', 'Die Verschwörung', 'Desillusion' und 'Die Abdankung'. Um keine trockene Aneinanderreihung tatsächlicher Begebenheiten darzustellen, wird eine mit den üblichen Verwicklungen behaftete Liebesgeschichte eingeflochten: Zum Dank für die ruhmreichen Taten ihres Kanzlers Axel Oxenstierna während des Krieges gibt Christina ihre Cousine Maria Euphrosina in die Hand von Oxenstiernas Sohn Erik. Maria liebt jedoch heimlich Gabriel (im Libretto auch als Magnus Gabriel de la Gardie bezeichnet), der wiederum auch von der Königin begehrt wird. Nachdem Maria es ablehnt, heimlich mit Gabriel angesichts der arrangierten Hochzeit zu fliehen, erzwingt Christina die Wahrheit über Marias ablehnendes und ängstliches Gebaren und stößt daraufhin von rasender Eifersucht getrieben sowohl Maria als auch Gabriel von sich, den sie damit in die Arme der Verschwörer gegen sie treibt. Zu Beginn des zweiten Akts kehrt Carl Gustav, der spätere König Carl X. Gustav und Cousin Christinas, nach Stockholm zurück und schließt sich aufgrund eines gefälschten Briefes, der Christinas Wunsch nach seinem Tod zum Inhalt hat, vordergründig den Verschwörern an, um sie im rechten Moment auffliegen zu lassen. Diese wollen den Palast in Brand setzen und danach Christina durch Carl Gustav ersetzen. Christina, durch den Verlust Gabriels vollkommen entmutigt, will freiwillig zugunsten Carl Gustavs abdanken, als Kampflärm durch den Palast dringt und Carl Gustav erscheint, der die Verschwörer auf frischer Tat ertappt und entwaffnet hat. Christina entdeckt Gabriel unter den Verschwörern und verurteilt alle kurzerhand zum Tode. Nachdem sie ihre eigene Abdankung erklärt hat, um ein einfaches Leben fernab höfischer Zwänge im geliebten Italien führen zu können, verschont sie die Verschwörer und erklärt Carl Gustav zu ihrem Nachfolger. Die Oper endet mit Huldigungen ob ihrer Großherzigkeit.

Musikalisch überzeugend

Foroni verbindet in seiner Tonsprache sowohl die letzten Ausläufer des Belcanto als auch weitschweifiges Melos nach dem Muster Verdis mit der satztechnischen Dichte deutscher Instrumentalmusik. Die Instrumentation zeichnet sich dabei durch Charakteristik und effektvolle Ideen aus. In Verbindung mit der fließenden Melodik entstehen teils hinreißend schöne Momente wie etwa die nächtliche Fischerballade zu Beginn des zweiten Akts. Tobias Ringborg am Pult des Göteborg Opera Orchestra bringt Foronis Partitur mit einer veritablen Leistung zum Leuchten, wenn auch insgesamt etwas konturenarm. An einigen Stellen hätte zupackender musiziert werden können, besonders in der Gerichtsszene des dritten Akts, die in ihrer martialischen Diktion sehr viel von der entsprechenden Szene in Verdis 'Aida' vorwegzunehmen scheint. Die gesanglich höchst anspruchsvolle Rolle der Christina wird durch Liine Carlsson bravourös bewältigt, auch Daniel Johansson als Gabriel und Fredrik Zetterström als Carl Gustav empfehlen sich nachdrücklich für vergleichbare Rollen in bekannterem Repertoire. Abseits der ausgetretenen Repertoirepfade von Verdi und Donizetti liegt mit der 'Cristina' eine ebenso interessante wie lohnenswerte Alternative vor, deren Entdeckung sich allemal lohnt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Foroni, Jacopo: Cristina Regina di Svezia

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
2
15.12.2010
Medium:
EAN:

CD
7393338109129


Cover vergössern

Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
  • The Artist series, dedicated to musical excellence from Swedish performers
  • The Historical Recordings series, with many unique pieces of musical heritage taken from the Swedish Radio Archives.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Sterling:

  • Zur Kritik... Geistliche Frauengesänge: Gesänge des Birgittenordens: Dieser Tonträger ist ein einzigartiger Beitrag zum Thema Frauen und geistliche Musik im klösterlichen Umfeld. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Skandinavische Erstaufführung: Die Veröffentlichung dieses Mitschnitts ist aus historischer Sicht überaus verdienstvoll und für Sammler oder Fans des schwedischen Opernhauses und seines Ensembles fraglos von großem Wert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Polnischer Frühling: Mit der dritten Folge der bei Sterling erscheinenden Reihe mit Orchesterwerken von Zygmunt Noskoswki (1846–1909) ist der Zyklus seiner drei Symphonien erstmals komplett auf Tonträger vorhanden. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Sterling...

Weitere CD-Besprechungen von Frederik Wittenberg:

  • Zur Kritik... Goldhochzeit ohne Glanz: Telemanns Gelegenheitsmusik gehört trotz bewährter Interpreten nicht zu seinen besten Werken. Weiter...
    (Frederik Wittenberg, )
  • Zur Kritik... Geniestreich: Carus beendet die Veröffentlichung der Orchesterwerke Burgmüllers mit dem erstaunlichen Klavierkonzert. Weiter...
    (Frederik Wittenberg, )
  • Zur Kritik... "Laß zürnen der Papisten Gott": Die Festmusik zur Reformationsfeier 1617 ist nicht nur musikalisch ein lohnendes Zeitdokument. Weiter...
    (Frederik Wittenberg, )
blättern

Alle Kritiken von Frederik Wittenberg...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Nebenschauplatz: Als Klavierkomponist hat Edward Gregson nur bedingt nachhaltige Bedeutung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms ohne Schrei – aber als Trost im Lockdown: Emmanuel Despax realisiert mit engen Vertrauten seinen Jugendtraum, Brahms' 1. Klavierkonzert aufzunehmen. Und liefert eine im Lockdown entstandene Interpretation von 16 vierhändigen Walzern mit Ehefrau Miho Kawashima hinterher. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Very British: Die Ballette von Lord Berners sind in der Einspielung durch David Lloyd-Jones ein Vergnügen. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich