> > > Eva Garajova - My Songs: Werke von Martinu, Dvorak, Kricka & Bartok
Montag, 25. Oktober 2021

Eva Garajova - My Songs - Werke von Martinu, Dvorak, Kricka & Bartok

Osteuropäische Perlen


Label/Verlag: Arco Diva
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt besteht Eva Garajova die selbst gesteckte Aufgabe. Sie schlägt sich achtbar bei Dvorak, gestaltet Bartoks Zyklen bezwingend und bietet mit den Liedern Krickas eine echte Entdeckung.

Das Programm, das die junge Slowakin Eva Garajova für ihre erste Solo-CD zusammengestellt hat, ist so ungewöhnlich, dass das Album allein aus diesem Grund als Bereicherung des Katalogs bezeichnet werden muss. Das gilt am wenigsten für Dvoraks 'Zigeunermelodien 'op. 55, die das Programm eröffnen. Diese sieben Lieder sind häufig aufgenommen worden und liegen aktuell unter anderem in einer sehr lyrisch gestimmten Einspielung mit Bernarda Fink und vor allem in der fantastischen Aufnahme der nobel timbrierten und ausdrucksstarken Dagmar Peckova vor (bei Supraphon). Eva Garajova bringt einen dunkel, ein wenig herb timbrierten Mezzosopran mit, der für Dvoraks volksliednahe Fantasien vom naturnahen Leben nur bedingt geeignet erscheint. Geht die etwas kurze, unter Druck scharfe Höhe noch als häufiges Kennzeichen slawischer Frauenstimmen durch, ist das starke Vibrato in der oberen Mittellage doch etwas genusshemmend. Dadurch bekommen Dvoraks nur leicht gefährdete Idyllen etwas Schicksalhaftes, fast Tragisches, was nicht allen Liedern gleich gut bekommt.

Ganz anders steht es mit dem Rest des Programms. Den hierzulande unbekannten Jaroslav Kricka (1882-1969) verschlug es auf der Flucht vor seinem allgegenwärtigen Kompositionslehrer Novak bis nach Russland, wo er vor allem die Musik Rimsky-Korsakows kennen und schätzen lernte. Seinem kleinen Zyklus 'Nordische Nächte' hört man die Russlanderfahrung deutlich an. Deklamatorisch-pathetisch kommen die vier Lieder daher, jedes ein kleines lyrisches Drama. Diese Stücke liegen Eva Garajova ausgezeichnet in der Stimme. Das erste Lied, 'Albatros' ist vielleicht der schönste Moment der Einspielung und lohnt allein die Anschaffung. Leider gehen dem Klavierbegleiter Marian Lapsansky im zweiten Lied ('Schwan') die Pferde – sprich: Tempi – durch, so dass die Sängerin ein wenig in Schwierigkeiten gerät. Das dritte Lied ist eine Kuriosität: ein wunderbares, fantastisch vorgetragenes, sehr anspruchsvolles Stück, namens 'Schlaflied', das seinen Zweck mit Sicherheit nur bei abgebrühten, intellektuellen Kindern erfüllt. Bei den 'Nordischen Nächten' handelt es sich meines Wissens um Ersteinspielungen.

Augenzwinkernde Melancholie

Die beiden folgenden Apollinaire-Vertonungen von Bohuslaw Martinu liegen bisher nur in einer etwas mittelmäßigen Naxos-Einspielung vor. Hier kommt Eva Garajovas große Stärke zum Tragen. Sie verfügt über eine voluminöse, klangschöne und leicht ansprechende Tiefe mit Ausnahmequalität. Wenn sie auf dieses Fundament zurückgreifen kann, ist auch die hohe Lage – deutlich hörbar – weniger gefährdet. Ist Eva Garajova am Ende eine verkappte ‚echte‘ Altistin? Die zweite Hälfte der CD ist Bela Bartoks Zyklen op. 15 und 16 gewidmet. Auch diese liegen bisher nur in einer Einspielung vor. Vor 20 Jahren hat die bekannte Altistin Julia Hamari die Stücke aufgenommen, musikalisch perfekt, aber sehr zurückhaltend im Ausdruck.

Sehr reizvoll ist der Kontrast zwischen Martinus fatalistischer, fast augenzwinkernder Melancholie und Bartoks oft herbstlich grundierter, mal ins Idyll, mal ins Tragische kippenden Stimmungsgemälden mit ihrer geheimnisvollen Verletzlichkeit. Hier zeigt sich Marian Lapsansky als ausgezeichneter Pianist sowie als gleichrangiger und fürsorglicher Begleiter von Eva Garajova, die im ersten Zyklus Probleme mit dem Ungarischen hat (die 'Dorfszenen' haben einen slowakischen Text), ansonsten aber den Ton der Lieder zwischen warmer Volksliedmelodik und kopfgesteuerter Progressivität genau trifft. Diese Lieder möchte man gerne öfter hören!

Das einzige wirklich Ärgerliche an der Einspielung ist das Booklet. Außer kurzen biographischen Notizen auf Englisch bietet es keinerlei Informationen, die über den Abdruck der Liedtexte in den Originalsprachen hinausgehen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Eva Garajova - My Songs: Werke von Martinu, Dvorak, Kricka & Bartok

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arco Diva
1
01.12.2010
Medium:
EAN:

CD
8594029811287


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Arco Diva

Seit seinen Anfängen im Jahr 1998 gehört Arco Diva aus Prag zu den bedeutendsten unabhängigen Produzenten klassischer Musik in Tschechien und Mitteleuropa, die sich nach den politischen Umwälzungen 1989 etablierten.

Der Katalog des Labels umfasst mehr als hundert Titel; viele davon wurden auch außerhalb Tschechiens ausgezeichnet. Arco Diva legt pro Jahr etwa 12 neue Produktionen vor, sehr oft in Kooperation mit Institutionen wie dem tschechischen Rundfunk, dem internationalen Festival ?Prager Frühling? usw. Das Label ist stets auf der MIDEM in Cannes vertreten und exportiert nach Übersee incl. Asien (Japan, China, Südkorea).

Der Schwerpunkt der Produktionen liegt vorwiegend, aber nicht ausschließlich, auf Werken tschechischer und mittel- bzw. osteuropäischer Komponisten. Das Label sucht ständig nach neuen, vielversprechenden Interpreten und versucht, junge Künstler zu promoten. Besonders bedeutende Aufnahmen sind das Oratorium ?Svata Ludmilla? von Dvorák (als SACD in Kooperation mit dem ?Prager Frühling? erschienen), das Oratorium ?Judas Maccabäus? von Sylvie Borodová und andere mit dem Radiosymphonieorchester Prag, dem Prager Symphonieorchester, dem philharmonischen Orchester Brno, dem Prager Kammerorchester, Prague Philharmonia usw. Zum Kreis der Künstler zählen die Quattro Group, Gabriela Benackova, Stefan Margita, Katerina Englichova, Martin Kasi, Martina Bacova, dem tschechischen Knabenchor Boni pueri, dem Quattro Orchester, Wihan Quartet, ArteMiss Trio, Puella Trio und Komponisten wie Sylvie Bodorova, Lubos Fiser, Zdenek Lukas, Otmar Macha.

Technisch arbeitet das Label in der hochauflösenden 24 bit/96 KHz-Technik, wobei auch Dienstaufträge für andere Label wie Praga Digital übernommen werden. Arco Diva ist ein Pionier bezüglich des Digitalvertriebs in Tschechien und repräsentiert dort die Firma The Orchard.


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