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Mittwoch, 20. Februar 2019

Beethoven, Ludwig van - Diabelli Variations

Diabelli-Variationen im Klang von 1822


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gary Cooper kann der Einspielung der Diabelli-Variationen auf einem historischen Flügel aus dem Jahr 1822 eine eigene Note verleihen. Seine Spielweise und die verschiedenen Klangfarben bieten viel Abwechslung.

Jeder Interpret stellt sich einer besonderen Herausforderung, wenn er ein Werk für eine Einspielung auswählt, das bereits mehrfach in hervorragender Qualität auf dem Tonträgermarkt vorhanden ist. Gary Cooper stellte sich dieser Aufgabe, indem er Beethovens 'Diabelli-Variationen' op. 120 in einer neuen Klangwelt präsentiert. Dafür wählt der hervorragende Pianist ein historisches Instrument aus, das aus demselben Jahr stammt, in dem die Uraufführung der Variationen stattfand. Edwin Beunk stellte das große Klavier von Walter und Sohn (Wien 1822), das in liebevoller Detailarbeit restauriert wurde, aus seiner Sammlung zu diesem Zweck gerne zur Verfügung. Die vielfältige Klangwelt, die dieses Klavier eröffnet, eignet sich hervorragend für die Präsentation der Variationen. Die leisen Geräusche der Tasten und Pedale tragen ihren eigenen Charme zur Gesamtwirkung bei und stören den Eindruck in keiner Weise.

Die Besonderheiten des Instruments zeigen sich in den Variation mit vielen Pausen und kurzen Notenwerten besonders deutlich, da der Klang der angeschlagenen Töne recht lange nachhallt, wodurch die exakte Einhaltung der notierten Werte nicht immer erreicht werden kann. Diese Tatsache wirkt sich allerdings überhaupt nicht negativ auf die genaue Spielweise Gary Coopers aus; sie ist der Wirkung sogar förderlich. Daher erscheinen viele Variationen lebendiger als in anderen Aufnahmen und tatsächlich wie aus einer anderen Perspektive betrachtet. Besonders Auffällig ist der Klang der fünfzehnten Variation, der sehr gedämpft erscheint, wodurch aber auch die folgenden Variationen noch einmal deutlich abheben und somit ein Höhepunkt hörbar wird.

Hervorhebung der Strukturen

Cooper hebt in einigen Variationen bestimmte Themenausschnitte durch einen stärken Anschlag hervor, wodurch die Struktur des Werkes deutlich wird. Das Verknüpfende, das in vielen Einspielungen bereits nach den ersten Variationen scheinbar vergessen ist, stellt sich damit klar dar. Was in den Variationen deutlich herausgearbeitet wurde, ist allerdings in der abschließenden Fuge nicht präzise hörbar. Einige Themeneinsätze verschwinden regelrecht im Gesamtklang. Der sanfte Anschlag, der erst gegen Schluss zu erwarten ist, schleicht sich schon im Verlauf der Fuge ein, so dass der ansonsten oft harte Einschnitt in einer gelungen Überleitung aufgelöst wird. Coopers freier Umgang mit dem Tempo – besonders in den letzten Variationen – verzögert den Ablauf noch in erträglichen Maßen.

Bagatellen

Die Sechs Bagatelle' op. 126 sind mehr als ein kleiner Zusatz, denn in ihnen zeigt Cooper noch einmal sein Gespür für Beethovens Musik. Cooper versucht die Klarheit dieser Bagatellen nicht mit übertriebener Differenzierung, betonter Dynamik oder extremer Spielweise zu verändern, sondern lässt die musikalische Substanz ‚für sich‘ klingen. Dabei werden die Charaktere der Nummern durchaus in einzigartige Klänge gekleidet: Strenge und Exaktheit im 'Andante con moto. Cantabile e compiacevole', Wildheit im 'Allegro', Ruhe und Gleichmäßigkeit im 'Andante Cantabile e grazioso', Ausgelassenheit im 'Presto', Nachdenklichkeit im 'Quasi Allegretto' und Erhabenheit im 'Presto – Andante amabile e con moto'. Cooper schafft es, den Beethovens Musik mit dem ‚richtigen‘ Inhalt zu füllen. Durch den Klang des historischen Klaviers verbinden sich die Möglichkeiten der damaligen Zeit mit dem hervorragenden technischen Können und musikalischen Verständnis Gary Coopers.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Diabelli Variations

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Channel Classics
1
21.01.2011
EAN:

723385291107


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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