> > > Reger, Max: Klarinettenquintett a-Dur, op.146
Freitag, 25. September 2020

Reger, Max - Klarinettenquintett a-Dur, op.146

Eine herbeigesehnte Einspielung


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Veredelte Klangschönheit definiert diese bedächtigen Interpretationen zweier die Klarinettenliteratur bereichernder Quintette..

Bei CDs mit Klarinettenquintetten gilt folgende Faustregel: Zwei Werke sind darauf eingespielt und eines davon ist von Mozart oder Brahms. Es ist schön, dass sich nicht jedermann an diese Regel hält: Der Klarinettist Klaus Hampl und das Quartetto di Roma wählen die Quintette von Reger und Marteau, obwohl gerade bei Reger der Vergleich mit Mozart und Brahms jede Rechtfertigung hat. Dafür wird eine andere, weniger bekannte Künstlerfreundschaft zweier Zeitgenossen beleuchtet, die im Booklet auf hervorragende Art und Weise beschrieben wird: Henri Marteau und Max Reger schätzten einander, konzertierten gemeinsam über mehrere Jahre hinweg, und dennoch kann man nicht sagen, dass sich der eine beim anderen allzu stark in seiner Kompositionsweise hätte beeinflussen lassen. Beide Werke sprechen die individuelle Sprache ihrer Schöpfer und sie sind beide auf ihre Weise schätzenswert, wenn auch das Regersche op. 146 zu Recht das bekanntere von beiden ist. Die Texte im Booklet sind von zwei ausgewiesenen Experten geschrieben worden und lassen eigentlich keine Fragen offen. Besonders die musikanalytische Beschreibung des Regerschen Werkes vermittelt auf knappem Raum erstaunlich tiefe Einsichten in die musikalische Substanz, erfordert aber für Laien sicherlich ein zweimaliges Lesen.

Es stimmt, dass Max Reger in seinem späten Stil eine klassizistische Wendung vollzogen und seine verschachtelten kontrapunktischen Sätze vereinfacht hat. Von ihm stammt auch der berühmte Ausspruch, die Entwicklungen seiner Zeit kommentierend: ‚Es ist zum Konservativwerden!‘ Dennoch ist sein Klarinettenquintett noch weit von oberflächlicher Melodienseligkeit entfernt: Es ist ein Konvolut sich stetig entwickelnder Themen, die auf unerwartete Weise ineinandergreifen. So ist das erste Thema im ersten Satz kaum konturiert, während sich das zweite als deutliche Melodielinie hervortut, die zudem eine direkte Entlehnung aus dem Klarinettenquintett op. 115 von Johannes Brahms ist.

Die Interpreten haben sich mit großer Geduld um die Komplexität des Werkes bemüht und jede Phrase minutiös herausgearbeitet. Man hat als Hörer das Gefühl, die Vorgänge in Zeitlupe und gleichzeitig vergrößert wahrnehmen zu können, was besonders den Ecksätzen des Werkes zugutekommt. Schließlich überrascht auch das Variationsfinale mit Wendungen und ungewöhnlichen Ideen, die man in einem solchen Satz nicht erwarten würde. Einziger Kritikpunkt ist, dass die Genauigkeit der Ausarbeitung zulasten eines temperamentvollen Vortrags geht. Im 'Vivace' wäre ein flotteres Tempo mehr als angemessen, und man kann generell sagen, dass die Tempi eher auf der langsamen Seite sind. Die Kompensation ist allerdings mehr als befriedigend und besteht aus einer durchgehenden Klangschönheit, die das Hören stets zum Genuss macht. Hampl hat einen sehr weichen und geschmeidigen Klarinettenton, der sich gut mit den Streichern mischt. Dem Ensemble ist die spätromantische Musik Regers und Marteaus wie auf den Leib geschneidert.

Das Quintett des berühmten Violinvirtuosen Henri Marteau entstand fast zehn Jahre vor dem Regerschen Werk. Es hat dieselben ‚Urahnen‘: Brahms und Mozart. Das Werk Marteaus hat die Verschlungenheit des ersten und die satztechnische Leichtfüßigkeit des zweiten Komponisten geerbt. Hier gilt der Vorwurf der Temperamentlosigkeit kaum, da die genannte Leichtfüßigkeit von den Musikern mit selbstverständlichem Können umgesetzt wird. In besonderem Maße schön umgesetzt ist der zweite Satz, den die Musiker geschwind und trotzdem sehr präzise interpretieren: Sie nehmen auch verzierende Elemente ernst und treffen die vielseitigen Stimmungen des Satzes zielsicher, das Melancholische wie das Virtuose und Verspielte gleichermaßen. Im dritten Satz vermittelt sich dann eine sehnsuchtsvolle, lang gedehnte Spannung, die in der langsamen Einleitung des letzten Satzes aufgegriffen wird und dann in ein Allegro mit teils Mozartscher Leichtigkeit übergeht.

Eine Aufnahme wie diese wünscht man sich häufiger, denn Einspielungen der Gattungsbeiträge von Mozart und Brahms gibt es wahrlich schon zu oft für den Plattenschrank. Die Formation aus Klaus Hampl und dem Quartetto di Roma hat Zukunft; und man kann nur hoffen, dass es noch zu einer dritten gemeinsamen Einspielung kommt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Oliver Schulz,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reger, Max: Klarinettenquintett a-Dur, op.146

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
28.09.2009
Medium:
EAN:

CD
730099120821


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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