> > > Schubert, Franz: 3 Sonatinen op. 137 für Viola und Klavier
Montag, 4. Juli 2022

Schubert, Franz - 3 Sonatinen op. 137 für Viola und Klavier

Willkommene Dreingabe


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Harry Wondrascheks Einrichtung von Schuberts Violinsonatinen für Bratsche ist eine willkommene Repertoireergänzung, wenn auch die bearbeitende Übertragung an der einen oder anderen Stelle zu kritischen Fragen Anlass gibt.

Bratscher, so wurde einmal formuliert, müssen hungrig zusehen, wenn andere das Fest der Musik feiern: Es fehle ihnen, sollte damit gesagt werden, an Repertoire, das dem anderer, prominenterer Soloinstrumente vergleichbar wäre. Weshalb man denn Kompositionen für andere Instrumente auf die Bratsche übertrug – so z.B. Schuberts Arpeggione-Sonate. Wer vor deren Schwierigkeiten einstweilen noch zurückschreckt, doch als Bratscher nicht auf Schubert (der selbst einer war) verzichten möchte, kann jetzt auf eine bei Peters erschienene Ausgabe der drei sogenannten Violinsonatinen op. post. 137 (D 384, 385, 408) in einer Fassung für Viola zurückgreifen.

Der Bearbeiter Harry Wondraschek legte bei seiner Einrichtung die jüngst bei demselben Verlag erschienene Urtext-Ausgabe zugrunde. Was die Prinzipien seines Einrichtens anbelangt, mag er selbst zu Wort kommen: ‚Bei der Transkription bzw. Einrichtung der Violastimme trachtete der Herausgeber danach, die originalen Stimmlagen des Violinsatzes (und damit dessen Charakter) zu respektieren und nur dort, wo es spieltechnisch erforderlich war, nach unten zu oktavieren. In diesen Fällen wurde besonders darauf geachtet, dass die Melodieführung keinen schroffen Übergängen ausgesetzt wird.‘ (S. II)

Heikles

Wohl kann man einwenden, dass es in gewisser Weise heikel ist, den ‚Charakter‘ des Violinparts auf der Bratsche erhalten zu wollen – da der ‚Charakter‘ der Bratsche nun einmal ein anderer ist. Entsprechend wäre durchaus die eine oder andere Stelle anzuführen, an der man dem in der Einrichtung der Bratschenstimme hätte Rechnung tragen können. Zum Beispiel in Takt 16 des dritten Satzes aus D 384: Aus einer durch drei Oktaven triolisch aufsteigenden A-Dur-Dreiklangsfigur (a-cis’-e’-a’-cis’’-e’’, a’’ erreichend) wurden hier zwei aufeinanderfolgende gleiche Triolen (a-cis’-e’-a-cis’-e’, a’ erreichend), während doch, wie es scheint, die ‚Aussage‘ des Originals durch a-cis-e-a-cis’-e’-a’ besser getroffen worden wäre.

Das hätte freilich erfordert, zwei Töne mehr zu oktavieren, und nicht aus spieltechnischen Gründen (die Wondraschek ja als einzige gelten lassen will), sondern aus musikalischen bzw. inhaltlichen. Letztere sind vom Empfinden des Interpreten nie ganz unabhängig und hätten wohl dem Grundsatz der philologischen Treue widersprochen, die bei Wondraschek im Hintergrund zu stehen scheint. Zweifellos ist eine vorsichtige Transkription einer allzu großzügig ändernden vorzuziehen. Doch wäre eine ‚originalgetreue Bearbeitung‘, wie sie Wondraschek anscheinend vorschwebt, allerdings eine diskutable Vorstellung. Zumal es nicht nur Stellen gibt, wo trotz des spielbaren Originals oktaviert wird (vgl. z.B. D 384, 3. Satz, T. 16/17), sondern auch solche, wo die Melodieführung, in der der Herausgeber ‚keine schroffen Übergänge‘ zulassen wollte, infolge der Versetzung doch arg zu wünschen übrig lässt: So steigt im Violin-Original des 'Menuetto' der g-Moll-Sonate, Takte 6-8/34-36, eine Achtelkette von g’’ bis c’ ab, mit einer Viertel b schließend. Abwärtsoktaviert ergibt das g’ – c, abschließend mit einem Septimsprung (!) auf b. (Eine ähnliche Stelle im zweiten Satz derselben Sonate, Takt 44.)

Bereicherung

Um dem anspruchsvolleren Spieler die Einsicht in die Arbeit des Herausgebers zu erleichtern, wäre es schön gewesen, wenn der Ausgabe ein ‚Revisionsbericht‘ oder Markierungen jener Stellen beigegeben worden wären, die oktaviert wurden. Da diese Ausgabe in erster Linie dem Gebrauch dient, ist das aber durchaus zu verschmerzen. Und so kann sie trotz der erwähnten Beanstandungen sehr zur Bereicherung des Repertoires dienen. Mit exorbitanten technischen Schwierigkeiten wird der Spieler nicht konfrontiert; der höchste Ton, der erreicht wird, ist h’’ (und das innerhalb einer relativ gut machbaren Dreiklangsfigur). In dieser Hinsicht sind die Sonaten für Fortgeschrittene durchaus angemessen, die D-Dur-Sonate vielleicht sogar schon für ‚fortgeschrittene Anfänger‘. Allerdings fordert die Faktur der Stücke durchaus bogentechnisches Können und gestalterische Wachheit. Vor allem in der auch vom musikalischen Gehalt her eher ‚leichten‘ D-Dur-Sonate braucht es auf der Bratsche eine hinreichend dichte und doch luftige Artikulation, damit das für den an sich schon präsenteren und kraftvolleren Geigenton Geschriebene nicht in die Indifferenz abgleitet (ein besonders markantes Beispiel hierfür wäre das zweite Thema des ersten Satzes).

Hinsichtlich der Ausstattung lässt die Ausgabe keine Wünsche offen. Die Viola-Stimme ist ausführlich mit Fingersätzen versehen (über die sich freilich jeder Spieler selbst klar werden muss). Ungünstige ‚Blätterstellen‘ sind vermieden worden; der lange dritte Satz der D-Dur-Sonate, in dem dies offenbar nicht möglich war, ist auf drei ausfaltbaren Seiten gedruckt. Pianistenfreundlich enthält sogar die Klavierpartitur die Bratschenstimme (und nicht, wie sonst häufig in solchen Fällen, das unveränderte Original).

Alles in allem also eine schöne Dreingabe zum herkömmlichen Viola-Repertoire, die einen ‚großen Namen‘ mit moderaten technischen Ansprüchen verbindet und auch manchem guten Spieler noch Nüsse zu knacken gibt.

Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: 3 Sonatinen op. 137 für Viola und Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Edition Peters
1

EAN:
BestellNr.:

9790014110086
EP 11278

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"Allen Bratschenspielern werden die drei berühmten Violin-Sonatinen in der hier vorgelegten Einrichtung für ihr Instrument eine willkommene Repertoire- Erweiterung sein."


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Edition Peters

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